Harald Brühlmeier hat ein Ziel. Seine Frau Paula soll von der Bühne des Lebens abtreten, das Zeitliche segnen. Eigenhändig will er sie um die Ecke bringen. Doch es fehlt ihm ein Plan, um dieses Ziel zu verwirklichen. Was er braucht, ist die Blaupause für ein perfektes Verbrechen, bei dem seine Hände rein und unschuldig gehalten werden. Er wendet sich an seinen Freund «Pitsch» Goldmann. Der ist Autor und soll ihm das Drehbuch schreiben, das ihn von den Fesseln befreien wird, die sein Eheleben für ihn bedeuten.

Wieder haben sich die Theaterlüüt Othmarsingen für ihre neueste Produktion «John hasst Mary» einen düsteren, komplexen Stoff vorgenommen. Damit setzt das Laienensemble einen erfrischenden Kontrapunkt zu den heiteren Theaterschwänken, die von den meisten weiteren Theatergruppen der Region bevorzugt aufgeführt werden. «Wir sind der Meinung, dass man die Zuschauer nicht nur gut unterhalten sollte», sagt Lukas Frey, der Präsident der Theaterlüüt. «Man darf sie auch zum Nachdenken bringen.»

Das Kriminalstück «John hasst Mary», das auf einem Hörspiel von Owen Holdener beruht, besitze mehrere erzählerische Ebenen, führt Regisseurin Brigitte Wyss aus. «Man kann sich auf die kriminalistischen Aspekte konzentrieren oder, so wie wir es tun, die psychologischen Momente und die mentale Entwicklung der einzelnen Figuren betonen.»

Die Inszenierung des Othmarsinger Theatervereins wird dabei, wie ein Probebesuch zeigt, zu einem Nervenspiel, bei dem das erwähnte Drehbuch zum Mord ein Eigenleben entwickelt. Harald Brühlmeier wird zum Objekt seiner eigenen Fantasien und die Frage ist, ob er die Kontrolle über sein Vorhaben bewahren kann.

Szenen- und Schauplatzwechsel

Aus insgesamt 23 Szenen und sechs Bühnenbildern setzt sich der dramatische Krimi zusammen. Die vielen Szenen- und Schauplatzwechsel stellten für die Theaterlüüt eine grosse Herausforderung dar, wie Brigitte Wyss und Lukas Frey erklären. «Wir haben die Aufgabe gelöst, indem wir mit vielen Lichtwechseln arbeiten. Dazu haben wir noch eine Nebenbühne gebaut. So müssen wir nicht ständig den Vorhang auf- und zuziehen und der Fluss der Geschichte wird nicht unterbrochen.»

Das Resultat dieser Lichtdramaturgie konnte während des Probenbesuchs noch nicht begutachtet werden. Gezeigt hat sich aber, dass der Theaterverein es schafft, den Hörspielcharakter des Stücks auf die Theateraufführung zu übertragen. Von besonderer Intensität sind dabei die kammerspielartigen, dialogischen Konfrontationen, in denen die Bühnenfiguren nicht davor zurückschrecken, mit verschleierter Sprache gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Jürg Dähler, der im Stück den Harald Brühlmeier spielt, hat die Arbeit an seiner Rolle viel Freude bereitet. «Harald Brühlmeier ist eine vielschichtige Figur mit vielen Charakterwechseln. Sie hat sich im Verlaufe der Proben immer weiter entwickelt und ich habe versucht, zu ihrem Kern vorzudringen.» Wer also Lust verspürt, auf eine spannende Geschichte mit tiefgründigen bis abgrundtiefen Bühnenfiguren, wird sich bei den Aufführungen der Theaterlüüt von Othmarsingen gut aufgehoben fühlen.

Aufführungen am 3., 4., 10. und 11. März, jeweils um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Othmarsingen. Am Sonntag, 5. März, Matineeaufführung um 12 Uhr. Tickets auf www.tl-o.ch.