Debitkarte
Kontaktloses Zahlen: Hypothekarbank Lenzburg mit Schweizer Premiere

Die Kunden der Hypi Lenzburg bezahlen künftig mit einer Visa-Debitkarte. Die Bank ist die erste in der Schweiz, die eine Debitkarte mit kontaktloser Zahlfunktion lanciert.

Peter Brühwiler
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Beträge unter 40 Franken können mit der neuen Karte durch Hinhalten der Karte bezahlt werden.

Beträge unter 40 Franken können mit der neuen Karte durch Hinhalten der Karte bezahlt werden.

AZ

Die Bankkarte ans Zahlungsterminal halten, den Piepton abwarten, und schon ist der Einkauf bezahlt: Für Kunden der Hypothekarbank Lenzburg gehört diese technische Innovation bald zum Alltag.

Zusammen mit der im bargeldlosen Zahlungsverkehr tätigen Schweizer Six Group lanciert die Bank als landesweit erste eine Debitkarte, mit der kontaktlos bezahlt werden kann. Bisher wurde diese Funktion nur bei Kreditkarten angeboten.

Kontaktlos bezahlen können Hypi-Kunden überall, wo das Kontaktlos-Symbol angezeigt wird (im Bild neben dem Chip). Für Kleinbeträge bis 40 Franken genügt es, die Karte kurz an das Lesegerät zu halten. Bei grösseren Beträgen muss aus Sicherheitsgründen zusätzlich der Pin-Code eingetippt werden. «Die Anzahl der Terminals ist stetig am Steigen», sagt Hypi-CEO Marianne Wildi. «Wir sind überrascht, in wie vielen auch kleineren Geschäften das kontaktlose Bezahlen bereits funktioniert.»

Bei der Migros werden laut Benedikt Zumsteg vom Migros-Genossenschaftsbund bereits knapp 20 Prozent aller Kreditkartenzahlungen kontaktlos getätigt. Sollte die Innovation der Hypi Schule machen, würde dies dem kontaktlosen Bezahlen zweifellos zusätzlichen Schub verleihen.

Denn Debitkarten, bei denen der bezahlte Betrag im Unterschied zur Kreditkarte direkt vom Konto abgebucht wird, sind das Schweizer «Volkszahlungsmittel». Im Zehnjahresvergleich sei die Zahl der herausgegebenen Debitkarten um 50 Prozent auf 8,6 Millionen Karten gestiegen, heisst es beim Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ).

Den Markt teilen sich heute Mastercard mit der Maestro-Karte und die Postfinance mit der Postcard. Neu in die Schweiz drängt seit Anfang Jahr Visa mit der V-Pay-Karte — welche jetzt auch die Hypi für die Einführung der Kontaktlosbezahl-Funktion wählte. Ein weiterer Grund für den Wechsel war der Sicherheitsaspekt.

Weil Kundendaten nicht auf dem Magnetstreifen sondern auf dem Chip gespeichert werden, bietet V Pay einen besseren Schutz vor Datendiebstählen, sogenanntem «Skimming». Maestro sei zudem ziemlich «Grossbanken-geprägt» und nicht sehr innovativ, kritisiert Wildi. Die Hypi ist die dritte Schweizer Bank, die V Pay einführt: Besitzer eines Raiffeisen-Jugendkontos erhalten sie seit Anfang 2014 standardmässig, die übrigen Raiffeisenkunden können frei wählen. Auch die UBS bietet seit eineinhalb Monaten neben der Maestro- die V-Pay-Karte an.

Flächendeckend nur in Europa

Laut UBS zeigen erste Erfahrungen, dass etwa die Hälfte der Neukunden das neue Produkt wählen. Das Hauptproblem der V-Pay-Karte: Flächendeckend wird sie nur in Europa akzeptiert. «Betroffen sind bei uns aber nur ein bis zwei Prozent der Transaktionen», sagt Raiffeisen-Sprecher Franz Würth. «Und die kann man anderweitig lösen.»

Ganz sicher tun müssen dies künftig die Hypi-Kunden — denn die Lenzburger Bank vollzieht den Wechsel ohne Wahlfreiheit. Für eine regional tätige Bank sei es schwierig, das nötige Volumen zu erlangen, um beide Karten aktiv anzubieten, erklärt Wildi. «Unsere Analysen haben aber auch klar gezeigt, dass über 95 Prozent unserer Kundentransaktionen innerhalb der Schweiz und Europa ausgelöst werden.»

Zu einem anderen Schluss kam beispielsweise die Aargauische Kantonalbank. «Wir haben das Thema geprüft, sehen aber aufgrund der stark eingeschränkten Akzeptanz noch zu viele Nachteile für unsere Kunden und planen derzeit keinen Wechsel», erklärt AKB-Sprecherin Ursula Diebold.

«Positiv zur Kenntnis» nimmt den Hypi-Entscheid für das Visaprodukt dafür der VEZ-Geschäftsführer Rolf Hartl. Denn von einer stärkeren Präsenz der V-Pay-Karte verspricht er sich mehr Wettbewerb unter den Kartenanbietern und damit längerfristig sinkende Gebühren für die Detailhändler.

Die Banken verdienen mit

Kurzfristig werden die Gebühren hingegen eher ansteigen. Denn um Visa den Markteintritt in den Debitkarten-Markt zu erleichtern, erlaubt ihr die Wettbewerbskommission ausnahmsweise, bei den Detailhändlern eine sogenannte Interchange-Fee einzutreiben. Diese Gebühr darf maximal 20 Rappen pro Transaktion betragen und wird von Visa an die Banken weitergegeben — was die Karte für diese wiederum attraktiver macht.

Die Hypi rechnet damit, dass die Transaktionsgebühr noch zwei Jahre erlaubt bleibt und erwartet eine Schwarze Null: «Wir gehen bei den Einnahmen von einem Betrag aus, welcher die Kosten für die Neuentwicklung ausgleicht», sagt Wildi. Auch die Hypi-Kunden werden die Umstellung in ihrem Portemonnaie nicht spüren. Die Kartengebühr bleibe — «trotz technologischem Fortschritt» — bei 30 Franken pro Jahr.