«Mittagstisch der Kulturen – gemeinsames Mittagessen mit Familien aus der Schweiz und verschiedenen Ländern.» Auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Tigrinya und Tibetisch sind diese Worte auf dem Flyer abgedruckt, den Arianne Bolliger angefertigt hat. Sie organisiert den interkulturellen Mittagstisch im Vereinsgebäude von «Familie Plus» in Lenzburg, wo man sich am vergangenen Montag bereits zum dritten Mal zum gemeinsamen Essen traf.

In der Küche herrscht hektisches Treiben. Ein Mittagessen für rund 40 Personen vorzubereiten erfordert viele fleissige Hände. Heute gibt es indisches Gemüse- und Fleischcurry mit Reis und Salat. Auch Arianne Bolliger hat alle Hände voll zu tun. Es ist kurz vor Mittag. Laufend trudeln neue Mittagsgäste im Familienzentrum von «Familie Plus» am Walkeweg ein. Bolliger heisst alle willkommen und teilt Aufgaben zu. Etwas schüchtern kommt eine junge eritreische Familie herein. Sie sind das erste Mal da. «Willkommen, schön, dass ihr hier seid», begrüsst Bolliger die Neuankömmlinge.

Der interkulturelle Mittagstisch ist Teil des Projekts «contact Lenzburg», das eine koordinierte Freiwilligenarbeit in der Asylbewerber-Betreuung im Raum Lenzburg zum Ziel hat und von «Netzwerk Asyl» unterstützt wird (az vom 8.4.). «Unser Ziel ist, dass die Flüchtlingsfamilien untereinander und mit den Einheimischen in Kontakt kommen», erzählt Bolliger. Vor allem für die Eltern sei es schwierig, sich zu integrieren, weil viele von ihnen nicht arbeiten dürften und dadurch nur wenig Kontakt zu Einheimischen herstellen könnten. «Für die Kinder ist das einfacher», so Bolliger. «Sie können sich im Kindergarten oder in der Schule meist problemlos integrieren.»

Natürlich braucht es für das Organisieren des Mittagstischs eine geeignete Infrastruktur. Fündig wurde Bolliger beim Verein «Familie Plus», der sich seit fünf Jahren für die Anliegen von einheimischen und ausländischen Familien im Raum Lenzburg einsetzt. «Die Infrastruktur hier im Familienzentrum ist optimal für uns», sagt Bolliger. «Es gibt eine grosse Küche und einen Saal für 80 Personen zum Essen.»

Unter diesen Voraussetzungen war der interkulturelle Mittagstisch von Anfang an ein Erfolg. «Beim ersten Mal waren 40 Leute hier, 22 Einheimische und 18 Flüchtlinge», so Bolliger. Familien aus Afghanistan, Eritrea, Syrien und Libyen waren mit dabei. «Heute fehlen allerdings einige muslimische Familien, denn es ist Ramadan.»

Heimvorteil für die Flüchtlinge

Die Flüchtlinge lassen sich am Mittagstisch nicht einfach bekochen, sondern helfen tatkräftig mit. Eine afghanische und eine syrische Familie sind bereits da. Die Frauen hantieren in der Küche und die Männer bereiten die Tische im Speisesaal vor. «Notfalls kommuniziert man mit Zeichensprache», sagt Bolliger. «Die Idee ist, dass die Flüchtlinge bei den Vorbereitungen helfen und um 12 Uhr die einheimischen Mittagsgäste empfangen können. Auf diese Weise haben sie einen Heimvorteil und der erste Kontakt fällt leichter.»

Für das Mittagessen zahlen Flüchtlinge 1 Franken, Einheimische zahlen 5 Franken. «Man darf auch gerne mehr bezahlen», sagt Bolliger. Am 27. Juni findet der letzte Mittagstisch vor den Sommerferien statt. Weiter geht es dann bei Schulbeginn im August. Anmelden kann man sich mit einem Mail an arianne.bolliger@swissonline.ch.