Selten kommt es vor, dass sich ein klassisches Musikfestival derart aus der Region und für sie gestaltet, wie das bei den Musikalischen Begegnungen Lenzburg der Fall ist. Hier organisieren mehr oder weniger «einheimische» Kräfte originelle Begegnungs-Konzerte an ungewöhnlichen Orten, sei das in der Altstadt oder im Industriegebiet, dort also, wo man sonst keine Musik macht.

Diesmal erobert das Festival das neue Hero-Areal. Hero, das ist die weltweit bekannte Lenzburger Marke für Konfitüren, Ravioli und andere Konserven. Und schon beginnt das Spiel mit dem Namen. «Hero – damit verbindet man nicht nur die Konserve, sondern auch den Helden», erklärt der bekannte Duo-Calva-Cellist Daniel Schaerer vom Festival-Team. Eines der insgesamt sechs Konzerte findet in der Empfangshalle des neuen Hero-Gebäudes statt. «Die ist rund und sieht aus wie eine ausgestanzte Büchse», so Schaerer. «Die Akustik hier ist sehr speziell, es entsteht ein intimer Rahmen.»

Der Harfenist Alexander Boldachev und der Geiger Alexander Kuznetsov präsentieren in dieser «Büchse» am Mittwoch, 6.  September, um 20.15 Uhr Crossover-Musik mit originellen Hit-Arrangements für ihre Instrumente. Und in der neu eröffneten Brasserie Barracuda auf dem alten Hero-Areal kann man am Sonntag, 3.  September, um 11  Uhr eine Jazzmatinee mit Daniela Larkin (Vocals) und Thomas Lüscher (Piano) erleben.

Logistische Herausforderung

Die klingende Begegnungszone in der Altstadt ist eine logistische Herausforderung der besonderen Art. Rund 20 Ensembles spielen und singen am Samstag, 27. August, nachmittags an den unterschiedlichsten Orten und sollten sich dabei aber nicht gegenseitig stören: Jazz, Klezmer, Klarinetten-Ensemble, Salonmusik mit dem Zupfgeigen-Trio, Vokalensembles, Seniorenchor, Brass-Sound, Blockflötenensemble und viele mehr.

Das Highlight des Festivals ist das Chor- und Orchesterkonzert des Musikvereins Lenzburg in der Stadtkirche (So, 28. August, 18 Uhr). Dessen Leiter Beat Wälti hat zum «heroischen» Festivalthema ein kunterbuntes Programm zusammengestellt. Mit dabei ist auch ein Gastchor aus Finnland, es handelt sich um einen Gegenbesuch nach der Finnlandreise des Musikvereins.

Das gross besetzte, vaterländische Orchesterwerk «Finlandia» von Jean Sibelius ist für die Finnen ihre eigentliche Nationalhymne, die beiden Chöre singen die wenig bekannte Chorfassung davon gemeinsam. Das heroische Orchesterwerk wird dann als krönender Abschluss gespielt, und dazwischen treffen finnische Volkslieder auf schweizerische, ein munteres Hin und Her.

«Hero-Walzer»-Hit

Auch die Firma «Hero» kommt hier humorvoll zum Zug. Etwa mit dem «Lenzburger Conifitüren Walzer» op. 18, einem Klavierstück des unbekannten Komponisten Adolph Bern, wohl aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieser «Hero-Walzer»-Hit wird wie ein Leitfaden in jedem der sechs Konzerte in einer für die entsprechende Besetzung arrangierten Fassung gespielt – hier vom Orchester des Lenzburger Musikvereins.

Keck geworden ist das neue Stück, das der Aargauer Komponist Ruedi Debrunner als Auftragswerk komponiert hat. «Ich habe versucht», so der Komponist im Gespräch, «die Ambivalenz, die ich sowohl beim Thema ‹Helden› als auch beim Thema ‹Konserven› (Musik als Konserve) empfinde, sinnlich erfahrbar zu machen.» Mit der für ihn typischen Prise Humor hat er das zehnminütige Werk, in dem er auch bekannte Aargauer Volkslieder zitiert, «My Hero – Vierfrucht-Ouvertüre» betitelt.

Seine Idee, Konservendosen als Instrumente einzubauen, ist originell. «Ich habe mit den Musikern in einem Workshop aus den Dosen mit einem Holzstück und einem gespannten Kabel ‹Büchsenharfen› gebastelt, wie ich sie aus Westafrika kenne», erzählt Debrunner. So hat er ein ganzes Büchsenharfenorchester in den gross besetzten Orchesterapparat eingebaut. Und die Musik-Konserve? Die kommt über die Klingeltöne der Handys zum Zug, wie, das soll hier nicht verraten werden.

Lenzburg, diverse Orte, 25. August bis 10. September; www.mbl-lenzburg.ch

Vorverkauf: tourismus@lenzburg.ch; Tel. 062 886 45 42