Lenzburg
Kompromiss verhindert Scherbenhaufen im Museum

Ausserordentliche Ortsbürgergmeind genehmigt modifizierten Projektierungskredit

Heiner Halder
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Bei der Umgestaltung der Dauerausstellung müssen Abstriche gemacht werden.

Bei der Umgestaltung der Dauerausstellung müssen Abstriche gemacht werden.

Jiri Reiner

Nach zweistündiger kontroverser Diskussion stand am Montagabend eine Stunde vor Mitternacht fest: Das Museum Burghalde kann die Planung von Umbau und Sanierung der Ausstellungsräumlichkeiten sowie die Neugestaltung der Dauerausstellung an die Hand nehmen. Allerdings hat das seinen Preis: Der Ergänzungsantrag aus den Reihen der Ortsbürgergmeind setzt eine Kostenanpassung bei der Realisierung voraus.

Mit 116 zu 3 Stimmen wurde auf Vorschlag von Alexander Krebs folgender Kompromiss gutgeheissen: «Die Ortsbürgergemeinde möge den Projektierungskredit für den Umbau und die Sanierung des Museums Burghalde für brutto 520 000 Franken (netto 450 000) genehmigen mit der Absicht, dass die Nettoinvestition für die OBG maximal 4,5 Millionen Franken beträgt und mindestens 2,2 Millionen drittfinanziert werden.» Die Gesamtinvestition soll nicht über 6,7 Millionen liegen. Ursprünglich war gemäss einer Machbarkeitsstudie eine Gesamtsumme von 7,2 Millionen geschätzt worden.

Zweifel an Finanzplan

Widerstand gegen das Museumsprojekt gab es von der Finanzkommission schon bei der Behandlung des ortsbürgerlichen Finanzplanes. Kurt Frischknecht zweifelte die von Stadtrat Martin Stücheli dargelegten zu erwartenden Überschüsse an und rechnete an Hand von Beispielen vor, dass die vorgesehenen Investitionen für das Museum «nicht tragbar» sind und «höchstens eine schwarze Null» bleibt: «Jeder Handlungsspielraum wird fehlen.» Zudem bestünden weitere Sanierungspläne für die Dépendance in der alten Seifenfabrik im Raum. Weil dem Ja zum Projektierungskredit zwingend auch ein Ja zur 7,2 Mio.-Investition folgen muss, beantragte die Fiko die Vorlage von Alternativprojekten und Etappierungen.

In der Folge wechselten die Voten zwischen Geld und Geist. Mit Hinweis auf die kulturellen und finanziellen Leistungen unserer Vorfahren und detaillierten Zahlen über weitere in der Ortsbürgerkasse platzierte Polster plädierte alt Stadtschreiber Christoph Moser vehement für einen «Ort, wo die Vergangenheit lebt und mit uns spricht.» Wenn die Ortsbürgergemeinden sich der kulturellen Aufgaben verweigern, würden sie auf längere Zeit nicht überleben. Alt Ortsbürgerkommissionspräsident Jürg Haller mahnte: «Mit Kleinmut und Rappenspalten gibt’s keine grossen Würfe mehr.» Einwohnerratspräsidentin Linda Kleiner als Vertreterin der jungen Generation monierte angesichts des raschen Wandels und der Bevölkerungsentwicklung für die Bewahrung von Erinnerungen an frühere Zeiten. Stadtammann Daniel Mosimann wies auf die gesetzliche Verpflichtung der Ortsbürger auf Förderung kultureller und sozialer Werke hin, sofern die Mittel ausreichen, was in Lenzburg der Fall ist: «Der Finanzplan beschönigt nichts.» Was vor dreissig Jahren «ein musterhaft modernes Pilotprojekt war, ist heute im Vergleich zu andern Regional-Museen veraltet. Was wir wollen, ist eine zeitgemässe hindernisfreie und repräsentative Liegenschaft». Grossrätin Kathrin Scholl-Debrunner hielt fest, dass die Stiftung Burghalde «kein Wunschprogramm» realisieren will, sondern das Notwendige für ein modernes, familienfreundliches Museum.» Dieses sei zudem ein beliebtes Ausflugsziel von Schulklassen.

Alternativprojekte verweigert

Von Seiten der Immobilienkommission wurde kritisiert, dass die Stiftung trotz mehrfacher Aufforderung keine Alternativprojekte vorlegte. Kurt Wernli wünschte mehr Garten-Kultur im verdichteten Lenzburg. Als ein weiterer Votant die Burghalde im Gegensatz zu den Schlössern als bedeutungsloses Provinzmuseum desavouierte, platzte Krebs der Kragen.

Weil Lenzburg sich in einer kritischen Entwicklungsphase befindet, «ist es gerade jetzt besonders wichtig, etwas für Geist und Gesicht der Stadt für die Zukunft zu sichern». Das brachte den Durchbruch, die Finanzkommission schloss sich dem Kompromissvorschlag an. Der Antrag Krebs vereinigte 94, der stadträtliche Vorschlag 27 Stimmen auf sich.

In der offenen Schlussabstimmung – der Antrag auf geheimes Votum wurde klar abgelehnt – waren sich die 131 anwesenden Ortsbürger in der fast «ausverkauften Aula» wieder einig. Der Entscheid ist definitiv: Das Museum Burghalde bekommt eine Zukunft für die Vergangenheit.