Jugendfest

Klopfende Herzen und kurze Röcke – ganz Lenzburg im Festfieber

Auch in einem manöverlosen Jahr gibt es am Jugendfest in der Altstadt allerhand zu sehen und zu hören. Die az hat sich in der Rathausgasse während des Umzugs unter das Publikum gemischt und Gespräche mitgelauscht.

«Bisch parat», rufen ein paar ältere Schüler in der Rathausgasse einem Kollegen zu. Dieser lacht etwas verlegen. Er scheint sich in seiner ungewohnten Uniform, dem weissem Hemd mit dunkler Hose, nicht ganz wohl zu fühlen. Sind es die vom Zapfenstreich etwas müden Augen, die er schon am frühen Morgen hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt? Umständlich heftet er sich eine Granatblüte auf die linke Hemdbrust. Dann gesellt er sich zu seinen Freunden.

Jugendfest Lenzburg: Der Umzug und seine Zaungäste.

Der Umzug und seine Zaungäste.

Tambouren, vorwärts, Marsch! Aufs Kommando setzen sich die Trommler am Freischarenplatz Schlag 10.15 Uhr mit einem lauten Trommelwirbel in Bewegung Richtung Stadtkirche. Mit dabei ist Timo. Der siebenjährige Knirps darf am Festumzug die Fahne zu tragen. Sein Herz habe schampar laut geklopft, erzählt er später. Mami Vanessa hat dabei nicht weniger gezittert, sagt sie. Mit angestrengtem Gesicht steht sie zu Beginn am Gassenrand, zählt den Auftakt mit, gibt ihrem Sohn ein Zeichen zum Losmarschieren. Timo schreitet los, die Gesichtszüge der Mutter entspannen sich sichtlich und sie hebt den Daumen in die Höhe: Alles gut gegangen mein Sohn.

«Eijuh, eijuh, de Vuglbärbam!»: Ueli Steinmann singts auf dem Tisch im Rathaus vor.

«Eijuh, eijuh, de Vuglbärbam!»: Ueli Steinmann singts auf dem Tisch im Rathaus vor.

Der charmante Dirigent

Wenige Schritte weiter in der Kirchgasse stehen zwei ältere Damen. «Du, jetzt schau mal das an. Das gibt es ja nicht», sagt die eine und stubst ihre Freundin an. «Das ist doch ein Bezlehrer, der so grusig Kaugummi kaut. Und das vor seinen Schülern.» Wo sind da die Vorbilder geblieben, schütteln die beiden Frauen ihren Kopf. Ja, früher, da wäre so etwas nie vorgekommen. Der Rest des Gesprächs geht in den lauten Klängen von Blasmusik unter. Die Concertband kommt ins Blickfeld, biegt in die Rathausgasse ein. An der Spitze grüsst charmant Dirigent Hans-Peter Brunner in bester Festlaune, huldigt links und rechts dem Publikum, das die Gasse säumt.

Jugendfest in Lenzburg: Der Höhepunkt

Jugendfest in Lenzburg: Der Höhepunkt

Und dann dies: «Hast du die Rocksäume dieser Meitli dort gesehen», ereifert sich eine Frau und zeigt Richtung einer Mädchenschar, die sich an diesem Festtag in ein Supermini-Kleid gestürzt hat. Igitt. «Wie weit vermag der Saum den Schritt überhaupt noch zu decken?», fragt sie. Tatsächlich bekommt man den Eindruck, als ob den jungen Frauen in den gar kurzen Festroben etwas unbehaglich ist. Dann und wann zupfen sie nervös am Rock und versuchen den Saum etwas in die Länge zu ziehen. Plötzlich wird es laut. Ein Herr ruft in die Runde: «Schau mal, der ‹Teppich› kommt!»

Die Dame vor ihm dreht sich um und meint: «Ist eigentlich gemein, dass man ihn immer noch ‹Teppich› ruft.» Gemeint ist Schulpfleger Thomas Oertig, der in Lenzburg ein Teppichgeschäft führt. Jetzt marschiert er im schmucken Frack im Festumzug mit. Der Übername ist wohl ein Relikt aus der Jugendzeit, das Oertig auch heute noch anhaftet. Weiter unten in der Rathausgasse tönt es so: «Du, das ist doch der Hofmann?» Der Mann nickt und sagt zu seinem Gegenüber: «Ja, der Landammann ist heute Gast am Jugendfest.» Regierungsrat Urs Hofmann dreht sich um und lächelt den beiden freundlich zu.

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Jugendfest Lenzburg 2015: Impressionen vom Zapfenstreich

Jugendfest Lenzburg 2015: Impressionen vom Zapfenstreich vom Donnerstag

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