Orangenpunsch dampft aus einem Pappbecher. Daneben ruht die Hand von Markus Frey auf dem Bistrotisch. Sobald das Knallen aufhört, greift er nach dem Bleistift und kritzelt ohne zu zögern zwei Zahlen aufs Papier. «Ich bewerte aus dem Gefühl heraus», sagt der 54-Jährige. Seine Augen sind geschult. Denn Markus Frey ist seit dem ersten Regionalen Chlausklöpf-Wettbewerb immer dabei; er gehört zu dessen Gründungsmitgliedern. Heuer juriert er zum 20. Mal.

Interview mit Chlöpfer Max Rohr

Interview mit Chlöpfer Max Rohr

Auf dem Schulhausplatz in Staufen müssen von den 188 Teilnehmern rund 50 vor Markus Frey klöpfen. Nur zwei-, dreimal blättert er in seinen Papieren, um nachzuschauen, wie viele Punkte er beim Kandidaten abziehen muss. «Es ist wichtig, dass der Juror selber klöpft. Sonst kann er andere nicht beurteilen. Ein Juror braucht Augenmass.»

Richterliche Willkür einschränken

Ein Bewertungsblatt dient dem objektiven Urteil. Um die Wertung der 16 Richter aufeinander abzustimmen, treffen sie sich vor dem Wettbewerb um zehn Uhr. «Tätschmeister» Rico Kempf organisiert das Probeklöpfen: Nach jedem Durchgang vergleichen die Juroren ihre Noten. Abweichungen werden diskutiert, bis die Unterschiede auf ein Minimum reduziert sind. Jeder Kandidat wird von vier Richtern gleichzeitig beurteilt. Und: «Jede Gemeinde stellt nur einen Richter pro Kategorie. So verhindern wir Ungerechtigkeiten in der Wertung», erklärt Kempf.

Juror Markus Frey klöpft mit seinen Kollegen einen Dreier

Juror Markus Frey klöpft mit seinen Kollegen einen Dreier

Die Juroren haben konkrete Vorgaben. Sie bewerten bei je einer Alterskategorie entweder die Geisselführung und das allgemeine Auftreten oder den Stand und die Regelmässigkeit des Knalls. Bei jedem Kandidaten geht die Jury von einer Maximalpunktzahl aus. Doch wenn die Geissel den Boden berührt oder der Chlausklöpfer den markierten Kreis verlässt oder den Rhythmus verliert, werden Punkte abgezogen. «Wenn alles perfekt klappt, kriegt man 30 Punkte», sagt Rico Kempf. «Das hat aber noch nie jemand geschafft.»

Rindsgulasch und Rotwein

Markus Frey juriert Kategorie 3, die 13- bis 15-Jährigen. «Es ist das spannendste Alter, die Jungen sind noch verbissen und duellieren sich.» Für seine Aufgabe stärkt sich Frey am Mittag mit Rindsgulasch und einem Glas Waadtländer Salvagnin. Um 13 Uhr geht das Knallen los.

Der 73-jährige Max Rohr beim Klöpfen

Der 73-jährige Max Rohr beim Klöpfen

Nach zwei Stunden tänzeln seine Jurorenkollegen, weil sie an die Füsse frieren. Markus Frey steht ruhig: Die rechte Hand liegt auf dem Bistrotisch und die linke steckt im Hosensack. Ab und zu erklärt er, wieso er Punkte abziehen muss: «Die Geissel von diesem Bub war viel zu kurz. Er musste gar nicht arbeiten und hatte deshalb einen sehr ruhigen Stand.» Er könne ihm deswegen nicht die höchste Punktzahl geben. «Der hat es sich zu einfach gemacht.» Unter den 188 Teilnehmern sind auch 48 Frauen. «Das Niveau ist gestiegen», sagt Frey.

Rico Kempf, der seine linke Hand gebrochen hatte, kann dieses Jahr nicht klöpfen. Er tigert den ganzen Nachmittag dem rot-weissen Abschrankungsband entlang. Er kommentiert die Technik; weiss genau, wo Punkte abgezogen werden müssen. Und wenn einer laut klöpft oder die Geissel schön schwingt, will er wissen: «Wer ist das?»

Vom «Geschnorr» der Zuschauer lässt sich Markus Frey nicht ablenken. Aber er bleibt nur äusserlich ruhig: «Im Innern gehe ich mit den Klöpfern mit. Ich kann mich in jeden reinversetzen», sagt er. «Wenn zum Beispiel einer immer auf den Boden schaut, um zu kontrollieren, ob er noch im Kreis steht, dann denk ich: Nein! Bloss nicht!» Denn dann verliere man den Rhythmus.
Um 15 Uhr ist Pause. Da lässt es sich Chlausklöpfer Frey nicht nehmen, mit Kollegen noch einen «Dreier zu klöpfen». Natürlich im Takt.

Alle aktuellen Ranglisten gibts unter www.chlauschloepfe.ch