Fusion

Kleinstadt im Aargauer Seetal? Flirtversuch von Boniswil und Fahrwangen scheitert im Anfangsstadium

Die Seeanreinergemeinden und ihre Steuerfüsse.

Die Seeanreinergemeinden und ihre Steuerfüsse.

Rund um den Hallwilersee entsteht keine Grossgemeinde: Die übrigen See-Gemeinden lehnen die Idee von Boniswil und Fahrwangen ab. Ein ehemaliger Grossratspräsident mahnt zur Weitsicht.

Eine Fusion der Aargauer Dörfer, die an den Hallwilersee grenzen, würde zu einer neuen Kleinstadt mit rund 15 000 Einwohnern führen.

Doch es kommt nicht so weit, an den Aargauer Gemeindegrenzen am See wird vorerst nicht gerüttelt. Die Gemeindeammänner von Beinwil am See, Birrwil, Meisterschwanden und Seengen haben keine Lust, den Avancen von Boniswil und Fahrwangen nachzugeben. Deren Ammänner hatten die Diskussion am Montag angestossen. «Wir müssen lernen, grossräumiger zu denken, und aufhören, uns als einzelnes Dorf abzuschotten», hielt der Boniswiler Ammann Gérald Strub fest. Patrick Fischer aus Fahrwangen doppelte nach. «Wir könnten uns ein Zusammengehen der Seeanrainergemeinden vorstellen.»

Doch es bleibt vorerst beim Flirtversuch: Alle vier übrigen Aargauer Seeanrainergemeinen wollen an den bestehenden Strukturen festhalten. Allen voran Meisterschwanden und Seengen. Mit 65 beziehungsweise 77 Prozent gehören sie zu den kantonalen Steuerparadiesen. Eine Umfrage bei den Gemeindeammännern zeigt jedoch: Der Steuerfuss ist nicht die einzige Hürde für ein Zusammengehen.

Ueli Haller, Präsident der Gemeinde Meisterschwanden, verweist auf das gültige Leitbild: «Unsere aktuellen Leitsätze sind eigenständig, finanzstark und zentrumsnah. Somit ist eine Fusion kein Thema.» Gleichzeitig beruft er sich auf die bestehenden Kooperationen: «Mit Fahrwangen bei Schule und Bauverwaltung und mit Seengen ebenfalls bei Schule und Wasserversorgung.»

Kaum anders fällt die Reaktion aus Seengen aus. Die Gemeinde pflege seit vielen Jahren mit ihren Partnergemeinden auf verschiedensten Stufen der Verwaltung sehr erfolgreiche Kooperationen. Zudem würden in Seengen alle Volkshochschulstufen unterrichtet, schreibt Ammann Jörg Bruder. «Eine Abweichung von diesem Erfolgsmodell ist zum heutigen Zeitpunkt nicht vorgesehen.»

Ins gleiche Horn stösst Peter Lenzin. «Beinwil am See hat die Grösse und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie den Willen zur Eigenständigkeit», sagt der Gemeindeammann. Er argumentiert, das neue Gebilde wäre eine heterogene Streusiedlung ohne eigentliches Zentrum. «Fusionen müssen für die Partner einen Mehrertrag bringen und von der Bevölkerung akzeptiert werden. Ich sehe weder das eine noch das andere.»

Auch Birrwil mag nicht über eine Fusion sprechen. Kein Thema, weder für Gemeinderat noch für die Bevölkerung, sagt Gemeindeammann Max Härri. «Dies schliesst jedoch eine Zusammenarbeit, wie sie heute mit verschiedenen Gemeinden und Verbänden besteht, nicht aus.»

Alt Grossrat Fischer: Fusionen thematisieren

Eine Grossgemeinde im Seetal ist aktuell chancenlos und bleibt ein Wunschtraum. Dennoch: Fischer und Strub erhalten Sukkurs. Der einstige Grossratspräsident und freisinnige Meisterschwander Unternehmer Hans Ulrich Fischer äussert sich in den sozialen Medien zum Thema. «Wer weitsichtig denkt, muss Gemeindefusionen ernsthaft thematisieren.» Fischer erinnert daran, dass Meisterschwanden vor 120 Jahren auf Befehl des Grossen Rates das damals bankrotte selbstständige Tennwil habe eingemeinden müssen. Weder Seengen noch Meisterschwanden seien bereit gewesen, den Schritt freiwillig zu tun. «Aus heutiger Sicht ist die damalige Haltung von Meisterschwanden unverständlich.» Fischer appelliert an die Verantwortlichen, «über Generationen zu planen und nicht mit kurzzeitigen vermeintlichen Nachteilen (Steuerwettbewerb) als alleinige Argumente eine Gesprächsverweigerung zu begründen».

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