Die Überbringer der Nachricht haben Grund zum Strahlen: Martin Steinmann, der Verwaltungsratspräsident, und Markus Blättler, der Geschäftsführer der SWL Energie AG, können die Tarife senken. Lenzburg hat zwar aktuell noch vergleichsweise teuren Strom. Aber der Trend stimmt. Der Preis für die Haushalte und das Kleingewerbe wird im nächsten Jahr zum zweiten Mal in Serie sinken. Und zwar um rund 8 Prozent, wie die stadteigene SWL Energie AG gestern ankündigte. 2019 lag die Tarifreduktion unter einem Prozent.

Die Preissenkung ist umso bemerkenswerter, als beispielsweise die Eniwa (Stadt Aarau und 17 Gemeinden) den Tarif weiter erhöht – allerdings nicht sehr stark. Happig ist die Erhöhung dagegen im oberen Wynental – aber dort ist der Preis aktuell am tiefsten in der AZ-Region Aargau West.

Wie ist die Lenzburger Tarifreduktion konkret zu verstehen? Ein Beispiel: Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4500 kWh bezahlt im kommenden Jahr etwa 70 Franken weniger. «Zu verdanken ist die Preissenkung einerseits den Auswirkungen der Prozessdigitalisierung. Andererseits tragen auch die Beschaffungsstrategie des Lenzburger Energieunternehmens und die regulatorische Nachkalkulation dazu bei», schreibt die SWL.

Die SWL gehört gemäss eigenen Angaben beim Vorantreiben von Digitalisierungsprojekten zu den Vorreitern unter den Energieversorgern. So habe sie in Lenzburg bereits nahezu alle konventionellen Stromzähler durch intelligente Zähler – sogenannte Smart Meter – ersetzt. Auch bei der Instandhaltung der Infrastrukturanlagen setze sie auf ein digitales System, das die Effizienz steigert und die Datenqualität verbessert. «Diese Optimierungen tragen nun Früchte: Die Kundinnen und Kunden profitieren von tieferen Netznutzungskosten», schreibt die SWL Energie AG.

Weshalb bekommen die Lenzburger die steigenden Beschaffungskosten für die elektrische Energie nicht zu spüren? Die SWL habe bereits vor der Erhöhung der Marktpreise Strom eingekauft, heisst es. Diese Beschaffungsstrategie zahle sich 2020 erneut aus. Die SWL könne die höheren Handelspreise so auffangen.