Lenzburg
Kleider machen Leute, Kostüme Freischaren

Zum Jugendfest-Start inszenierten die Manövertruppen eine kunterbunte Kostümparade.

Heiner Halder (Text und Fotos)
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Kunterbunte Kostümparade mit kesser Marketenderin.

Kunterbunte Kostümparade mit kesser Marketenderin.

Was machen Freischaren ohne Uniformen? Vor diese Existenzfrage wurden die Lenzburger Manöver-Truppen letztes Jahr gestellt, als der Luzerner Kostümverleih Baumgartner, 50 Jahre Hoflieferant, seine Türen schloss. Weitsichtig wie immer ist es der hohen Generalität gelungen, mit geschickten Winkelzügen den Fundus in ihr eigenes Arsenal einzuverleiben. «Ich kann dem Stadtrat heute melden, dass die Freischarenmanöver für viele Jahre gesichert sind», konnte Fussgeneral Martin Steinmann deshalb stolz verkünden.

Zum Beweis, dass die vollmundige Behauptung der Freischaren für einmal auf Tatsachen basiert, wurde am Montagabend zum Jugendfest-Auftakt auf dem Freischarenplatz, eine Kostümparade inszeniert. Nicht ganz ohne Hintergedanken: Denn die teure Anschaffung zur Ausrüstung und Aufrüstung von 600 Freischaren und 300 Kadetten kostet ein Heidengeld.

Zahlreiche private Spender und institutionelle Sponsoren – darunter mit einer unrühmlichen Ausnahme acht Nachbargemeinden – helfen mit ihren Beiträgen, die Tradition zu bewahren. Doch die chronisch leere Kriegskasse der Freischaren kann nie genug kriegen. Der Umsatz in der wohl dotierten Festbeiz durch mehrere Hundert Zuschauer dürfte dem Übel wohl etwas abhelfen. Dafür wurde ihnen nebst Köstlichkeiten aus der Freischarenküche eine tüchtige Portion Ohren- und Augenschmaus geboten.

Die Gwandmeisterin Sabina Stöckli und die zweithöchste Aargauerin Kathrin Scholl-Debrunner präsentierten und kommentierten fachfraulich, assistiert von Freischaren-Stabschef Peter Buri, die Kostümparade auf dem Catwalk. Die schlagkräftigen Tambouren in ihrer historischen Galauniform und die blasfreudige Freischarenmusik im Original-DDR-Volksmarine-Look gaben abwechselnd mit aktuellem Soundtrack Takt und Ton an.

Als erster wagte sich ein einsamer Pirat auf die Bühne, «Sinnbild für den normalen Freischar», im rot-weiss gestreiften Shirt und Kopftuch, ein ideales Kostüm wegen den flexiblen Grössen, denn: «Freischaren werden immer muskulöser in der Bauchgegend». Die Generalität gefällt sich hoch zu Ross als französischer Offizier und als Wallenstein. Der Preis für die Schönheit ist der Schweiss, das gilt auch und vor allem für den Generalstab zu Fuss, in galanter Aufmachung als Franzmänner. Die Fahnenwache tritt als Schweizergarde, Landsknechte und Sonderbund-Soldaten auf. Die Lenzburger Schlossgarde trägt eine Kreation aus dem eigenen Nähatelier, eben so wie die koketten Marketenderinnen.

Der Auftritt des reitenden Beduinen erinnert an Lawrence of Arabia und seine Begleiterin wirft die Frage auf, ob man das Sujet nicht mit Bauchtänzerinnen wunderbar ergänzen könnte. Damit ist der Reigen der Söldnertruppen aus aller Herren Länder eröffnet: Cowboys und Indianer, Anatolier, Bojaren und Janitscharen, elegante Franzosen mit den roten Hosen, topaktuell die Delegation der Monegassen, der feurige Spanier mit seinen rassigen Senoritas. Und dann der Schock mit dem Schottenrock: Endlich wurde eine breitere Öffentlichkeit darüber aufgeklärt, was Mann darunter trägt.

Doch selbst die schönsten Mannsbilder und die feschesten Flintenweiber wären verloren, wenn es am Gegner fehlt; deshalb werden die Kadetten ebenfalls pfleglich ausgerüstet. Ein Blick auf die historischen Uniformen weckt gemischte Gefühle bei älteren Generationen. Nach dem Finale donnert ein dreifaches Honolulu durch die Stadt: «In einem Jahr kommen wir wieder, aber dann richtig», verspricht Reitergeneral Urs F. Meier. Kostüme machen Freischaren. Ob es 2012 endlich einmal zum Sieg reicht?

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