Coronavirus

Klavierstunde und Cellokonzert aus dem Lockdown: «Abends bin ich nudelfertig»

Julia, Magdalena, Peter und Silvan Sterki spielen auch im Lockdown munter weiter.

Julia, Magdalena, Peter und Silvan Sterki spielen auch im Lockdown munter weiter.

Die Familie Sterki aus Lenzburg zeigt, wie man auch während Corona auf hohem Niveau musizieren kann.

Alle Mitglieder der vierköpfigen Familie Sterki aus Lenzburg sind Musikerinnen und Musiker. Mutter Magdalena Sterki unterrichtet Cello an den Musikschulen in Aarau und Kölliken, Vater Peter Sterki unterrichtet Deutsch und Klavier an der Kantonsschule Wettingen. Die angehenden Cellisten Tochter Julia (22) und Sohn Silvan (20) studieren in Zürich und Basel.

Eltern und Kinder haben schnell auf eine digitale Version ihres Lebens umgestellt. Dank Programmen wie Zoom, Teams und Whatsapp musiziert die Familie Sterki auch während des Lockdowns. Das Programm ist intensiv. Silvan Sterki hat beim Solocellisten der Tonhalle Zürich bis zu drei Stunden Unterricht in der Woche. Silvan und Julia Sterki führen ihre Werke auch in virtuellen Konzerten vor und laden bis zu dreissig Personen als Online-Publikum ein. Grundsätzlich gehe für alle Familienmitglieder das Programm weiter, nun halt von zu Hause aus.

Im Haus hat es genügend Platz, dass alle ungestört auf ihren Instrumenten spielen können. Die Internetverbindung ist stark genug und ein gutes Mikrofon ebenfalls vorhanden. «Es ist ein grosser Segen für die Jugend und Bildungsinstitutionen, dass wir diese technischen Möglichkeiten haben», sagt Sterki. Er war überzeugt, dass Schüler und Lehrer technisch fit genug seien für den Fernunterricht. «Doch das Zwischenmenschliche fehlt sehr», sagt er.

«Abends bin ich nudelfertig»

Peter Sterkis fortgeschrittene Klavierschüler schicken ihm Aufnahmen von gespielten Stücken, die er anhört, um sich vorzubereiten. «Zu Beginn der Stunde bin ich am Bildschirm, damit wir uns sehen können», sagt er. Danach schaltet er für eine bessere Tonqualität die Bildübertragung aus. Wenn die Schülerin das Stück spielt, hört er mit den Kopfhörern im Ohr ganz genau hin, die Noten im Blick. Die Stücke sind nach Takten durchnummeriert. «So kann ich ganz genau sagen ‹im Takt 27 bitte forte›», sagt Peter Sterki.

So, mit ganz präzisen Anweisungen und viel Konzentration auf beiden Seiten, kann Instrumentalunterricht durchgeführt werden. Auch Lektionen zu Gehörbildung und Theorie sind so möglich, wie die Mitglieder der Familie Sterki beweisen. Doch es ist anstrengend, «abends bin ich nudelfertig», sagt Sterki. Magdalena Sterki nutzt für ihren Cellounterricht Whatsapp. Im Gegensatz zu den älteren Schülern ihres Mannes ist sie gerade bei den jüngeren Cellisten bei den Lektionen auf die Hilfe der Eltern angewiesen, was aber gut klappe.

Die Familie musiziert immer wieder zusammen, das war auch schon vor Corona so. Julia Sterki musste eine Aufnahme für die Musikhochschule einreichen und hatte Glück, dass ihr Vater sie auf dem Klavier begleiten konnte. Lagerkoller habe sich noch keiner eingestellt, so Peter Sterki. «Der Wald liegt nah und wir geben acht, dass es immer etwas Gutes zu essen gibt.» Der Mensch lebt schliesslich nicht von der Musik allein.

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