Hinter der obersten Exekutiv-Funktion der Gemeinde Meisterschwanden steht seit diesem Jahr nicht nur ein neuer Name, auch die Amtsbezeichnung hat gewechselt: Aus dem traditionellen Gemeindeammann wurde der moderne Gemeindepräsident. «Ich kann mit beidem leben», sagt Ueli Haller, das neue Gemeindeoberhaupt.

Er ist sich sehr wohl bewusst, dass der alte «Ammann» noch lange nachhallen wird. In den ersten Wochen dominierte jedoch oft ein eher provozierend ausgesprochenes «Herr Gemeindepräsident». Dies von Leuten, welche die neue Funktionsbezeichnung entweder überflüssig oder amüsant finden.

Zur Erinnerung: Der Wechsel zum «Gemeindepräsidenten» ist erst seit wenigen Jahren gesetzlich möglich und in der Region ist Meisterschwanden nach Brunegg erst das zweite Dorf, das sich zur Änderung entschlossen hat.

Ein Grund ist ausgerechnet die «Seerose»: Im Resort mit Seminar- und Tagungsräumen hat der Meisterschwander Gemeindepräsident bei Tagungen häufig die Gemeinde zu repräsentieren. Und bei Zürcher Organisationen wurde der Ammann oft mit dem Betreibungsbeamten verwechselt, da dort diese Funktion diesen Namen trägt.

«Viel mehr exponiert»

Ammann? Präsident! Einerlei. Ueli Haller freut sich auf seine neue Aufgabe. Der Weg vom Gemeinderat (seit 2006), über eine Amtsperiode als Vizeammann ganz an die Spitze findet er folgerichtig: «Ich wurde von der Bevölkerung akzeptiert und gewählt.» Und auch vom Arbeitgeber, der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee, wo er als Geschäftsführer amtet, geniesst er «den vollen Rückhalt».

Haller ist sich bewusst, dass dieser letzte Schritt ein grosser ist: «Als Chef ist man viel mehr exponiert», macht er sich keine Illusionen. Für viele Bürger ist der Gemeindepräsident die Personifizierung der Gemeinde. «Wenn ein Protokollauszug mit einem Entscheid verschickt wird, steht nun meine Unterschrift darunter, auch wenn das Geschäft nicht mein Ressort betrifft und der gesamte Gemeinderat entschieden hat.»

Die Gemeinsamkeit des gesamten Gremiums sind Ueli Haller wichtig. Regieren in einem Dorf ist Teamarbeit. «Der Gemeinderat wird als Team auftreten und wird von mir als Team geführt», gibt er klar den Weg vor.

Innerhalb des Gremiums erwartet er «Respekt vor anderen Meinungen»: «Meine Zielsetzung sieht vor, dass wir einen Konsens finden für gute, gemeinsame Lösungen.» In den Prozess integriert ist natürlich die Verwaltung, deren Chefbeamte die Ratsmitglieder in fachlichen und rechtlichen Belangen unterstützen.

Man müsse den Einwohnern Argumente liefern, alle Entscheide gut begründen, beschreibt der neue Präsident sein Credo: «Wir müssen den Bürger 100 Prozent ernst nehmen und seinen Willen umsetzen.»

Von seinem Vorgänger Kurt Kaufmann hat er gelernt, dass man eher zurückhaltend und vorsichtig sein muss mit Äusserungen: «Ich mache keine Versprechungen ohne vorgängige Abklärungen oder Diskussionen im Gesamtrat.»

Dorfleben als Herausforderung

Ueli Haller weiss, wo in den nächsten Jahren die grösste Herausforderung seiner Gemeinde liegt: Im Bildungssektor. «Die Umstellung auf das 6/3-System ist bei uns noch nicht zu Ende gedacht. Wir haben hier bewusst nicht auf Vorrat investiert, sondern uns eine Übergangsfrist gegeben», stellt er fest und weiss, dass die Zukunft der Kreisschule Oberes Seetal weiter zu reden geben wird.

Kooperationen mit andern Gemeinden gegenüber, wie etwa der gemeinsamen Bauverwaltung mit Fahrwangen, ist Meisterschwanden aufgeschlossen. «Eine Fusion ist für uns im Moment kein Thema», so Haller. Zu stark ist die Position der Gemeinde, die weiter neue Bürger anziehen wird. Die Lage am See und der tiefe Steuerfuss machen den Ort attraktiv.

Über den Zustrom von Einwohnern macht sich Ueli Haller intensiv Gedanken. «Das Dorfleben ist unsere grösste Herausforderung», blickt er über die klassischen Polit-Traktanden hinaus. Wie kann man die Neuzuzüger integrieren? Diese Frage ist omnipräsent.

Zusammen mit der Erkenntnis «das Dorf lebt von seinen Vereinen», will der neue Gemeindepräsident überall kleine Zeichen setzen. Zum Beispiel mit einem Ständchen der Musikgesellschaft für alle Behördenmitglieder zu Beginn der Amtszeit.

Und auch für das momentan wachsende Dorfzentrum hat Haller schon Ideen. Wieso nicht den zentralen Dorfplatz in kalten Wintern in ein Eisfeld verwandeln? Für Kontakte wäre gesorgt.