Seon/Beinwil am See
Kirchen suchen Wege, um Gotteshäuser zu füllen

An Feierlichkeiten in Seon und Beinwil am See werden Herausforderungen thematisiert, die der gesellschaftliche Wandel an die Kirchenverantwortlichen stellt.

Alfred Gassmann und Sibylle Haltiner
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Seelsorger Gerhard Ruff und Pfarrer Roland Häfliger segnen den Neubau ein.

Seelsorger Gerhard Ruff und Pfarrer Roland Häfliger segnen den Neubau ein.

AG

1966, 1975, 2003 und 2008 lauten die Baujahre der kirchlichen Bauten in der Birchmatt Seon. 2014 finden die Bauarbeiten den vorläufigen Abschluss.

Die neuen Pfarreiräume verbinden das Pfarreiheim mit dem Pfarramt. Hell, einladend und offen für die Zukunft hiessen die Vorgaben für den Verbindungsbau. Dies gelang den Architekten Azzola und Durisch, Zürich, vortrefflich. An der Einweihung am Samstag gab’s nur zufriedene und dankbare Gesichter.

Baukommissionspräsident Francis Kuhlen skizzierte die beschrittenen Wegstrecken in den letzten fünf Jahren. «Wir sprechen nicht mehr alle an, das hat auch mit den Räumen zu tun», findet Seelsorger Gerhard Ruff. Der Jugendraum, das Sitzungszimmer, die Archivräume, das Unterrichtszimmer sowie der Raum der Stille decken Bedürfnisse ab.

Zu einem Ganzen zusammengefügt

Ein schattenspendender Baum vermag nicht zu genügen, meinte Gerhard Ruff schmunzelnd. Architekt Thomas Durisch führte ein in die architektonischen Überlegungen und brauchte wenig Worte um darzulegen, wie das Pfarreiheim, die Pfarreiräume und das Pfarramt mit der Stelen- und Dachkonstruktion zu einem Ganzen zusammengefügt wurde. Leben sei bereits eingekehrt, er sei berührt gewesen zu beobachten wie sich die Kinder innen und aussen bewegen.

«Wir brauchen diese Räume um den Glauben zu bewahren, zu fördern und weiterzugeben, erklärte Pfarreiratspräsident Herbert Ruile und blickte voraus, «wir schaffen Räume für das, was vor uns liegt.» Kirchenpflegepräsidentin Yvonne Rodel dankte nach allen Seiten und hofft, dass der Neubau mithilft das Seoner Pfarreileben weiter aufzubauen.
Ein Streichquartett leitete über zur Einsegnung der neuen Räume durch Pfarrer Roland Häfliger und Seelsorger Gerhard Ruff. Die Räume sollen den Beziehungen zwischen Gott und den Menschen dienen, sowie der Diakonie und den Begegnungen, wünschten sich die beiden Seelsorger mit Worten, Gebeten und Fürbitten. Bereits Tags zuvor waren die Nachbarn und alle Pfarreiangehörigen nach einem Gottesdienst zum Abend der offenen Tür eingeladen.

Kirchliche Besonderheit in Beinwil am See

Er ist von weit her sichtbar und hat schon oft für rote Köpfe gesorgt: Der Turm der katholischen Kirche von Beinwil am See. Seine freistehenden Glocken sind eine Besonderheit. «Ein ehemaliger Pfarrer wünschte sich sogar, der Turm würde eines Nachts sang- und klanglos in sich zusammenfallen», erzählt Esther Tschopp. Sie hat die 50-jährige Geschichte der Kirche lange Zeit eng begleitet, war 12 Jahre im Pfarreirat tätig, vier davon als Präsidentin.

St. Martin soll in Zukunft wirken

Genau 50 Jahre nach dem Einweihungsgottesdienst am 6. September 1964 feierte die Kirchgemeinde St. Anna Menziken, zu welcher Beinwil am See gehört, das 50-Jahr-Jubiläum der St. Martinskirche. «Etwas aus der Vergangenheit sollten wir mit in die Zukunft nehmen», gab Bischofsvikar Christoph Sterkman den Gottesdienstbesuchern in seiner Predigt mit auf den Weg, «nämlich die Nächstenliebe des heiligen Martin.»

Bereits in vorreformatorischer Zeit habe es in Beinwil eine Martinskapelle gegeben, erklärte Diakon Andreas Wieland die Wahl des Namenspatrons. «Der heilige Martin war bei der bäuerlichen Bevölkerung sehr beliebt.» Anfang der 50er-Jahre kam bei den Beinwilern der Wunsch nach einer eigenen Kirche auf, obwohl man Mitglied der Kirchgemeinde Menziken bleiben wollte. Die Grundsteinlegung erfolgte 1963, die Einweihung ein Jahr später. Nicht nur der Turm, auch die Architektur der Kirche selbst ist modern: Die Bänke für die Gemeindemitglieder befinden sich nicht nur vor dem Altar, sondern auch auf der Seite.

Musikalische Auftritte begehrt

«Die Kirche hat eine wunderbare Akustik», schwärmt Esther Tschopp. Daher ist das Gotteshaus beliebt für Konzerte oder musikalische Begleitungen von Gottesdiensten. Tschopp lobt auch die gute Zusammenarbeit mit der reformierten Kirche und der Chrischonagemeinde, eine tatsächlich gelebte Ökumene. «Wenn ich Anregungen für eine Predigt brauchte, habe ich mir oft beim reformierten Pfarrer Hilfe geholt.»

Eine Fotoausstellung in der Kirche gibt einen Rückblick auf den Bau des Gotteshauses. Vorausschauen will Diakon Andreas Wieland. «In den letzten 50 Jahren hat sich die Gesellschaft verändert. Wir müssen nun eine Standortbestimmung machen und miteinander bestimmen, wie es weitergeht.»