Region
Kindersegen und Bauboom als Grund für tiefen Altersquotienten?

Die Alten leben auf dem Land? Von wegen! Warum gerade in kleinen Dörfern wie Brunegg und Egliswil am wenigsten Senioren leben, versuchen nun zwei Gemeinderäte zu erklären.

David Egger
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Von 707 Bruneggern sind 67 Einwohner noch keine vier Jahre alt. (Symbolbild)

Von 707 Bruneggern sind 67 Einwohner noch keine vier Jahre alt. (Symbolbild)

Keystone

Eine Analyse zeigt: In Brunegg leben verhältnismässig am wenigsten Senioren. Denn von den 59 Gemeinden in der Region hat Brunegg mit 17,1 den tiefsten Altersquotienten.

Das bedeutet, dass dort 17,1 Senioren auf 100 Erwerbstätige kommen. Und das, obwohl der Durchschnitt im Bezirk Lenzburg 24, im Kanton Aargau 26 und in der Schweiz sogar 28,4 beträgt (die az berichtete). Sind Senioren in Brunegg etwa nicht erwünscht?

Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati verneint: «Im Gegenteil. Unsere Pensionierten bleiben möglichst lange im Dorf. Aktuell leben nur vier von 83 Pensionierten in einer Heimeinrichtung. Die tiefe Altersquote in Brunegg liegt an der sehr hohen Geburtenzahl und dem Zuzug vieler jungen Familien.»

67 von 707 Einwohner sind jünger als 4 Jahre

Von 707 Bruneggern sind 67 Einwohner noch keine vier Jahre alt. Zahlen wie diese und die drei kleinen Dörfer mit den tiefsten Altersquotienten Brunegg, Wiliberg und Egliswil widersprechen der verbreiteten These, dass die Jungen in der Stadt und die Alten auf dem Land wohnen.

Imholz findet solche empirischen Pauschalaussagen denn auch «sehr heikel», da sie nur Teilaspekte der demografischen und gesellschaftlichen Wechselwirkungen berücksichtigen würden.

Tiefere Pflegekosten, höhere Schulkosten

Dass Brunegg wegen der geringen Anzahl Pensionierter verhältnismässig wenig Geld für Senioren in der Langzeitpflege ausgeben muss, entlaste die Gemeindekasse nicht wirklich. «Was wir in der Pflege weniger ausgeben, investieren wir wegen des regen Kindersegens in höhere Schulkosten.»

Insofern bestünden für die Gemeinde keine Anreize, eine Altersgruppe zu bevorzugen. «Für uns ist jede Bruneggerin und jeder Brunegger gleich.»

«Keine Eigentumswohnungen am See»

In Egliswil – dort kommen 18,5 Senioren auf 100 Erwerbstätige – wie auch in Brunegg waren bisher keine Vergleichszahlen von Senioren zu Erwerbstätigen bekannt. Auch wenn der Anteil der älteren Bevölkerung tief ist, sagt Gemeindeammann Rolf Jäggi: «Die Senioren hier spürt man.

Gerade am Samstag habe ich einem Einwohner zum 85. Geburtstag gratuliert.» Allerdings sei es schon so, dass kein Senior extra für den Lebensabend nach Egliswil ziehe. «Es gibt hier keine Eigentumswohnungen am See, die hierhin locken, wie vielleicht in Seengen.»

Ein Bauboom verjüngt das Dorf

Die Erklärung für die Situation sieht Jäggi unter anderem im Bauboom der letzten Jahre. Im Zuge dieses Booms sei es mehrmals vorgekommen, dass auf einem Grundstück Mehrfamilienhäuser gebaut wurden, in die junge Familien einzogen, wo vorher zum Beispiel ein Bauernhof stand, in dem ein älteres Ehepaar wohnte. Dies reduziere natürlich den Altersdurchschnitt.

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