Schafisheim
Kinderkrippe der Rudolf-Steiner-Schule muss mehr Personal einstellen

Die Kinderkrippe «Farfallina» an der Steiner-Schule Aargau muss bis 31. März mehr qualifiziertes Personal einstellen. Dies hat der Gemeinderat Schafisheim nach zwei externen Aufsichtsberichten entschieden. Zuvor hatten Eltern Kritik geübt.

Fabian Hägler
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Die wichtigste Empfehlung im Aufsichtsbericht für die Kinderkrippe: «Insbesondere gilt es, ausgebildetes Fachpersonal anzustellen.»
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Kinderkrippe der Rudolf-Steiner-Schule muss mehr Personal einstellen
Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, forderte: «Man hat danach zu streben, dass man den Boden nicht kaufen und verkaufen kann.
Das ehemalige Brütelgut (Vordergrund) ist Teil der Rudolf-Steiner-Schule Aargau Schafisheim. Annika Bütschi
Die Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim.
Joseph Hess, seit 1982 an der Rudolf-Steiner-Schule Aargau in Schafisheim tätig, erklärt seiner 4. Klasse das schriftliche Teilen.

Die wichtigste Empfehlung im Aufsichtsbericht für die Kinderkrippe: «Insbesondere gilt es, ausgebildetes Fachpersonal anzustellen.»

ZVG

Heute wird die Kinderkrippe «Farfallina» an der Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim von einer Frau geleitet, die keine pädagogische Ausbildung hat. Auch das restliche Betreuungspersonal ist nicht ausreichend qualifiziert. Dies hat heftige Kritik von Eltern ausgelöst (az vom 13. Januar). «Warum darf diese Kita weiterhin mit unqualifiziertem Personal arbeiten?», fragte eine Mutter.

Nach mehreren Beschwerden hat die Gemeinde Schafisheim, die den Betrieb der Krippe bewilligt hat, nun reagiert. «Wir haben zwei externe Aufsichtsberichte angefordert und aufgrund der Resultate mehrere Auflagen für die Krippe erlassen», sagt Gemeindeammann Adolf Egli. Konkret muss die «Farfallina»-Leitung bis zum 31. März dafür sorgen, dass in der Krippe genügend qualifiziertes Fachpersonal angestellt wird. «Wir haben die entsprechende Verfügung kürzlich erlassen», sagt Egli.

Empfehlungen deckten sich

Die zwei Untersuchungsberichte, welche der az vorliegen, wurden von der Jugend-, Ehe- und Familienberatung Region Lenzburg (JFB) und der Fachstelle Kinder und Familien (K&F) aus Ennetbaden verfasst. Der erste Bericht stammt vom 9. Dezember: Der Verfasser empfiehlt, der Krippenleitung Auflagen zu erteilen. Spätestens zu Beginn des neuen Schuljahres, so JFB-Sozialpädagoge Michael Kunze, sollte mehr qualifiziertes Fachpersonal angestellt und pro Kindergruppe eine ausgebildete Betreuerin eingesetzt werden.

Kunze berief sich auf die Richtlinien des Verbands Kindertagesstätten der Schweiz. Zudem empfahl die Beratungsstelle, den Aufsichtsbericht «im Sinn der Transparenz für Nutzende der Kindertagesstätte» auf der Website der Rudolf-Steiner-Schule zu veröffentlichen.

Für den Schafisheimer Gemeinderat reichte dies offenbar noch nicht, um aktiv zu werden. «Die Behörde teilte mir mit, aufgrund des aktuellen Aufsichtsberichts drängten sich keine Sofortmassnahmen auf», sagt Willy Bolliger, der Anwalt der kritischen Eltern.

Gemeindeammann Egli erklärt: «Wir wollten zuerst eine Zweitmeinung einholen, weil es bei Kindertagesstätten keine kantonalen Vorgaben gibt.» Nachdem auch der zweite Bericht dasselbe Resultat ergab, entschied sich der Gemeinderat, die Empfehlungen als Auflagen für die Krippe zu übernehmen. «Wir sind uns bewusst, dass die Frist bis Ende März relativ knapp ist», räumt Egli ein. Bis zum Beginn des neuen Schuljahres habe der Gemeinderat allerdings nicht zuwarten wollen.

Krippe will Personal aufstocken

«Die Berichte sind für die Rudolf-Steiner-Schule verheerend ausgefallen», kommentiert Elternanwalt Bolliger. Die Vorwürfe seiner Klienten seien bestätigt worden, findet er. Tatsächlich steht im Bericht von K & F: «Es kann auf jeden Fall davon ausgegangen werden, dass das vorhandene Personal weder in der Anzahl noch in den Qualifikationen den Anforderungen genügt.»

Mit dieser Aussage konfrontiert, sagt Lucio Carlucci, Präsident des Rudolf-Steiner-Schulvereins Aargau: «Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Richtlinien des Schweizer Kindertagesstätten-Verbands reine Empfehlungen, keine festen Vorgaben und keine Rechtsnormen sind.» Dennoch kündigt Carlucci an: «Wir werden das Personal der Krippe aufstocken und die verlangten Qualifikationen anstreben.» Die Frist bis zum 31. März sei sehr sportlich. «Wir werden aber alles daransetzen, diese einzuhalten», verspricht er.

Diplome nicht anerkannt

Eine Schwierigkeit sei, «dass auch Mitarbeiterinnen, die in Ausbildung sind, in den Berichten als 0 Prozent ausgebildet angerechnet werden». Dazu kommt, dass die deutschen und italienischen Diplome von zwei Mitarbeiterinnen in der Schweiz nicht anerkannt sind.

Carlucci räumt ein: «Offensichtlich ist uns hier ein Fehler unterlaufen, denn wir sind bei der Prüfung der Bewerbungsunterlagen davon ausgegangen, dass die ausländischen Diplome als Qualifikation auch in der Schweiz ausreichen.» Carlucci kündigt an, die Diplome würden den Schweizer Behörden umgehend zur Prüfung eingereicht.

Ob die Berichte auf der Website der Krippe publiziert werden, will Carlucci direkt nach den Sportferien mit der Schulleitung besprechen und entscheiden. «Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, der dagegen sprechen würde, die Berichte aufzuschalten», sagt der Schulvereinspräsident.

Grundsätzlich ist Carlucci froh, «dass wir die Chance haben, die ‹Farfallina› weiterzuführen». Der Kinderhort sei eine attraktive Dienstleistung, «die wir gerne beibehalten würden». Die ‹Farfallina› werde auch von Kindern genutzt, die nicht in der Steiner-Schule seien, betont er.