Gian Marco (11) und seine Schwester Jessica (10) geniessen fast Privatlektionen im Tanzsportkurs. Insgesamt besuchen momentan sechs Kinder den Paartanz. Davon besteht ein Paar aus zwei Mädchen. «Es ist schon schwierig, überhaupt Kinder zu finden, die Standardtänze lernen wollen - geschweige denn Jungs», erklärt Patricia Azzato, die Mutter von Gian Marco und Jessica. Sie sei lange auf der Suche gewesen, um für die Tochter eine Tanzpartnerin zu finden.

So nehmen am Samstag von den etwa 40 Kindern nur sechs von der Tanzfabrik selbst am Kindertanzturnier teil. Es finden zusätzlich die Schweizermeisterschaften der Erwachsenen in der Tanzfabrik in Niederlenz statt.

Ausnahme für Kindertanz

Letztes Jahr hatte eine gute Tänzerin im Tanzsportkurs aufgehört. Daraufhin ging auch ihre Kollegin nicht mehr tanzen. Worauf auch deren Tanzpartner aufhörten, weil diese nicht mit anderen Mädchen tanzen wollten. «So hörten zwei Paare auf einmal auf. Da waren es nur noch drei», sagt Azzato. Sie hätten gebibbert, ob nun nicht etwa der Kurs geschlossen werde.

«Normalerweise machen wir das nicht», erklärt Susi Tirsek. Sie ist zusammen mit ihrem Ehemann Martin Fischer Inhaber der Tanzfabrik. Bei den Erwachsenen fände ein Kurs erst ab einer Anmeldung von fünf Paaren statt. Doch bei den Kindern machen sie eine Ausnahme, da sonst kein Kurs zustande käme. «Wenn die Tanzfabrik die Kurse nicht anbieten würde, müssten wir Privatstunden nehmen», erklärt Azzato. Jedoch könne sie sich das nicht leisten.

Überzeugungsarbeit ist gefragt

Bei den Erwachsenen gibt es dieses Problem nicht. Zwar nehmen auch nur drei Paare an den Meisterschaften teil, doch liege das daran, dass zwei Paare, wegen Schwangerschaft und Krankheit, ausfielen, erklärt Tirsek. «Viele trauen sich nicht vorzutanzen oder haben nicht die Zeit, um auf ein Turnier hin zu trainieren.»

Zwar haben sie in den Erwachsenen-Kursen nicht zu wenig Männer, doch würden diese zu Anfang nur der Frauen wegen, am Kurs teilnehmen. Wenn sie mal angefangen haben, dann tanzen sie danach meist jahrelang weiter. «Wir haben viele Paare, die schon über zehn Jahre bei uns tanzen», sagt Tirsek, und das, obwohl die Männer zu Anfang widerwillig in die Stunde kamen.

«Wir sparen den Paartherapeuten»

Einmal hatte Tirsek ein Ehepaar miterlebt, bei dem der Mann aus der Stunde rannte. Sie sah die zwei danach nie wieder. Das sei jedoch ein Einzelfall gewesen. «Ansonsten merkt man genau, wie die Tänzer abschalten können», sagt Tirsek. Sie gingen ganz entspannt aus der Stunde. Oft haben die Tänzerinnen schon zu Tirsek gesagt: «Indem wir hierherkommen, ersparen wir uns den Paartherapeuten.» Die Erwachsenentanzkurse machen, unter den vielen anderen Tanzangeboten in der Tanzfabrik, den Hauptteil des Umsatzes aus.

Tirsek und Fischer übernahmen Ende März 2011 eine Tanzschule in Gränichen. Dort wurde Hip-Hop getanzt. «Die Räumlichkeiten waren zu klein, um Paartanz anzubieten», erklärt Fischer. Nach kürzester Zeit wurde klar, dass die Schule zu wenig Gewinn abwirft. Hip-Hop sei ein Modetanz und die Anspruchsgruppe sei klein, meint Fischer weiter. «Ein Zwanzigjähriger tanzt kein Hip-Hop mehr.» Das Lokal wurde in Zwischenzeit geschlossen. Für die Zukunft möchte sich das Inhaberehepaar auf Niederlenz konzentrieren.

Am 27. Oktober finden nachmittags in der Tanzfabrik in Niederlenz ein Kindertanzturnier und die Schweizer Meisterschaften der Erwachsenen statt.