Niederlenz
Kiesgrube soll «Goldgrube» bleiben

Ortsbürger der Gemeinde Nierlenz planen Erweiterung des Abbaugebietes Herrengasse. Das soll garantieren, dass die Kiesgrube weiterhin finanziell lukrativ bleibt.

Heiner Halder
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Kiesgruben sind «Goldgruben», glücklich die Gemeinde, welche den kostbaren Rohstoff im Untergrund ihrer Gemarkungen und in öffentlichem Besitz hat.

Die Ortsbürgergemeinde Niederlenz ist in dieser komfortablen Lage und hat mit ihren Beiträgen für soziale, kulturelle und infrastrukturelle Aufgaben der nicht so hablichen Einwohnergemeinde schon oft unter die Arme gegriffen (Stichwort: «Millionenmatte»).

Um weiterhin für die ganze Bevölkerung wohltätig wirken zu können, plant die Ortsbürgergemeinde weitsichtig und nachhaltig die Fortsetzung des Kiesabbaus – eines ihrer grössten Projekte, hielt Gemeindeammann Maurice Humard an einer Vororientierung von Grundeigentümern, Anwohnern, Pächtern, Kieswerkpersonal und Ortsbürgern fest.

Abbau seit über 100 Jahren

Seit 1894/95 baut die Ortsbürgergemeinde Niederlenz in der eigenen Kiesgrube den Rohstoff ab und beliefert mit über der Hälfte des Gesamtausstosses von jährlich rund 30000 Kubikmetern Kies und Sand direkt das Betonwerk Niederlenz-Lenzburg AG im eigenen Areal, den Rest an Unternehmungen, Gewerbe und Private in der Region; dazu werden ca. 4000 Kubik Kies-/Sandkomponenten zugekauft.

Die noch abbaubaren Kiesreserven im Gebiet Neumatte betragen rund 200000 Kubikmeter, sodass die bewilligte Ausbeute bei gleichbleibendem Ausstoss in vier bis fünf Jahren, also Ende 2016, beendet ist.

Umweltverträglich soll es sein

Vorgesehen ist, in unmittelbarer Nachbarschaft der aktuellen Abbaustelle Neumatte, vorwiegend ennet der Herrengasse, die weiteren Kiesvorkommen auszubeuten.

Sie liegen innerhalb des im Richtplan festgesetzten Materialabbaugebietes. Weil der zukünftige Abbau schon bald den aktuellen Abbau- und Auffüllungsvorgang beeinflusst, ist es zweckmässig, jetzt schon im Bauzonen- und Kulturlandplan diese Kiesabbauzone auszuscheiden.

In einem ersten Schritt soll die Nutzungsplanung mit Umweltverträglichkeitsprüfung UVP erfolgen. Damit werden die Voraussetzungen für das Baubewilligungsverfahren geschaffen.

Sechs Etappen in 30 Jahren

Nach kantonaler Praxis beträgt der Planungshorizont für eine Materialabbaubewilligung 15 bis 20 Jahre. In Absprache mit der Abteilung Raumentwicklung wird für Niederlenz indes ein Abbauhorizont von rund 26 Jahren gewählt, was Vorteile für die Auffüllung und Rekultivierung bringt.

Um die Umweltauswirkungen für das naheliegende Wohnquartier «Chänelmatte» zu minimieren, werden sechs Abbauetappen vorgesehen.

In den ersten fünf Etappen sind keine Veränderungen gegenüber der heutigen Situation betreffend Lärm- und Staubemissionen zu befürchten. Für die 6. Etappe sind zusätzliche Schutzmassnahmen wie Abbauverzicht, mächtige Erdwallaufschüttung mit Heckenbepflanzung und Tieferlegen der Werkstrasse vorgesehen.

Die Fachleute Hans Michael Schmitt und Markus Hüsser von der Spatteneder Oekologie AG, Christian Kuhn als Luft- und Lärmspezialist sowie Kieswerkleiter Beat Bleuer versprachen den Anwohnern, dass die Belästigungen nicht grösser, aber auch nicht geringer als gegenwärtig werden.

Abbau von 30000 Kubikmeter

Der schichtweise Stufenabbau erfolgt zunächst in Ost-West-Richtung, zuletzt im Süden, wobei diese Methode mit kleinem Abbaubereich die rasche nachfolgende Auffüllung und Rekultivierung ermöglicht. Die gesamte Abbaufläche «Herrengasse» beläuft sich auf 31260 Quadratmeter (diejenige des bisherigen Abbaugebietes 34675 Quadratmeter), die Kiesmächtigkeit beträgt ohne Deckschicht zum Grundwasserschutz 27,5 Meter, der jährliche Abbau bleibt bei 30000 Kubikmetern.

Der abgetragene Humus wird vorab im Kiesabbaugebiet Neumatte und sobald als möglich laufend im Areal «Herrengasse» deponiert und rekultiviert.

Die Erschliessung des Kieswerkareals bleibt ab der Wildeggerstrasse, die bestehende Grubenerschliessung wird bis spätestens 2013 für Ersatzaufforstungen und ökologischen Ausgleich gebraucht, es werden deshalb neue Pisten erstellt.

Herrengasse verlegt

Weil ein Teilstück von der Herrengasse im neuen Abbaugebiet liegt, muss diese Strasse vorübergehend – das heisst während rund 30 Jahren – samt Werkleitungen verlegt werden. Die «Umfahrung» erfolgt westlich um das Abbaugebiet. Die Herrengasse ist im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz als «regional bedeutend» klassifiziert, allerdings nur was den Verlauf betrifft.

Mit der vorläufig internen Vorinformation wurde das Projekt gestartet, der Gemeinderat leitet die Teilrevision des Nutzungsplanes ein, der Kanton nimmt dessen Vorprüfung vor. Nächstes Frühjahr soll die Mitwirkungsphase stattfinden, der Kanton trägt den Mitbericht zum Baugesuch bei.

Im Sommer 2011 erfolgt die öffentliche Auflage von Projekt und Nutzungsplanung, im November kann die Gemeindeversammlung über die Revision des Nutzungsplanes entscheiden.

Die Abbaubewilligung durch den Gemeinderat und die Genehmigung der Nutzungsplanung durch den Kanton wird im Frühjahr 2012 erwartet. Die Verlegung der Herrengasse und der eigentliche Abbau könnten ab 2015 erfolgen und dauert bis 2042. Bis zur vollständigen Rekultivierung vergehen dann nochmals zehn Jahre.