Lenzburg
Kiesabbau im Lenzhard: «Goldgrube» macht Ortsbürger steinreich

Das Kieswerk Lenzhard baut seit 50 Jahren Kies ab – und feiert das Jubiläum am Samstag mit der Bevölkerung. Das Geschäft mit Kies lohnt sich, die steinreiche Ortsbürgergemeinde Lenzburg kann sich mehr leisten als manch ein Gemeinwesen.

Heiner Halder
Merken
Drucken
Teilen
Der Kies macht die Lenzburger Ortsbürger steinreich.

Der Kies macht die Lenzburger Ortsbürger steinreich.

AG

Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen setzt die Ortsbürgergemeinde ihre Mittel nebst dem Unterhalt ihrer Liegenschaften für kulturelle Zwecke zugunsten der Allgemeinheit ein. Der Repräsentiersitz und das Museum Burghalde, der Esterli-Aussichtsturm und die Waldinformationsprojekte, der Fünfweiher und die Römersteinhütte und ab Ende Jahr der alte Gemeindesaal mit dem neuen Personenlift beispielsweise sind dem Engagement der Ortsbürger zu verdanken.

Den nötigen «Kies» bringt derjenige, der seit 50 Jahren im Lenzhard abgebaut wird, die «Goldgrube» füllt seither nachhaltig die Kasse und sichert die Betriebsmittel. Am Anfang stand der Anbauplan Wahlen im Zweiten Weltkrieg. Draussen vor der Stadt wurde 1943/44 Wald gerodet und eine Zeit lang Ackerbau betrieben, allerdings mit mässigem Erfolg.

So stellte sich in den Fünfzigerjahren die Frage, ob der Ortsbürgerwald wieder aufgeforstet oder anderweitig – und zwar gewinnbringend – genutzt werden soll.

Erster Abbau 30 Kubik Natursand

Die Einwohnergemeinde stellte sich auf den Standpunkt, das dortige Industriegebiet zu erweitern und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Ein erster Anlauf bei den Ortsbürgern wurde 1959 von der Gmeind abgelehnt, doch 1962 besann man sich eines Besseren und veräusserte einige Parzellen zur Ansiedlung neuer Industriefirmen.

Um auch auf ihre Rechnung zu kommen, wurde in der damals zuständigen Forstkommission die Projektierung eines Kieswerks aufgegleist. 1962 bewilligte die Ortsbürgergemeinde dafür einen Kredit von 1,5 Millionen Franken und ab 1964 lief die Kiesproduktion mit stündlich 30 Kubik Natursand, gewaschenem und gebrochenem Rohmaterial in je sechs Körnungen.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Kieswerk Lenzhard mit grösseren Investitionen laufend erweitert, modernisiert und der wirtschaftlichen Nachfrage entsprechend ausgerüstet. Einen Marchstein bedeutete 1969 die Gründung der Beton Niederlenz-Lenzburg AG durch Baumeister aus der Umgebung, welche im Kieswerk eine Betonaufbereitungsanlage installierte – eine bis heute gut funktionierende Symbiose.

Ein über 70 Meter langes neues Förderband wurde erstellt. Ab 1970 übernahm die neu geschaffene Kieswerkkommission die Aufsicht. Die Kiesgeschäfte liefen gut, 1983 wurde die Förderung der ersten Million Kubik Wandkies gefeiert. Und immer wieder konnten zugunsten der Öffentlichkeit Vergabungen gemacht werden.

Kooperation mit Niederlenz geplant

1989 genehmigten die Lenzburger Stimmbürger die Verlegung der Schiessanlage von der Schützenmatte hinaus in den abgebauten Teil im Kieswerk Lenzhard, welche heute regional fünf Vereinen dient; den Combatschützen stehen im Gelände Schiessplätze zur Verfügung.

Gleichzeitig wurde die Planung der Rekultivierung ausgebeuteter Teile an die Hand genommen. Nebst der sorgsamen Auffüllung mit Deponiegut ist damit sichergestellt, dass der wertvolle Lebensraum für eine grosse Artenvielfalt an Flora und Fauna nachhaltig erhalten bleibt.

In einem langjährigen Planungsverfahren (Richtplananpassung, Umweltverträglichkeitsprüfung, Rodungsgesuch usw.) konnte im Verein mit Bund und Kanton der weitere Abbau für 30 Jahre aufgegleist werden. Schliesslich fand 2012 nach erfolgter Waldrodung der lang ersehnte «erste Spatenstich» der Erweiterung Nord statt.

Als ein weiterer epochaler Schritt in der Geschichte des Kieswerkes ist die Zusammenarbeit mit der bisherigen Konkurrenz in Niederlenz geplant; darüber soll die Ortsbürgergmeind im März 2015 entscheiden.