Impressionen vom 41. Hallwilerseelauf

Impressionen vom 41. Hallwilerseelauf

«Zum 41. Mal stehe ich in Beinwil am See im Startfeld des schon zum 41. Mal ausgetragenen Hallwilerseelaufes. Wenige Minuten vor dem Start denke ich zurück an die Anfänge: Die erste Austragung führte über 22 Kilometer mit Start auf der Strasse beim Böjuer Strandbad. Damals lief das Gros der 450 Läufer – darunter nur acht Läuferinnen – in hundskommunen Turnschuhen. Baumwollleibchen bedeckten die Oberkörper, Funktionstrikots gab es noch nicht. Die Worte «Event» und «Jogging» waren auch noch nicht geboren. Es regnete und nach der Kantonsgrenze ennet des Sees verwandelte sich der Wanderweg in eine Rutschpiste.

Das war 1975. Seither bin ich dem Hallwilerseelauf jedes Jahr treu geblieben, was von Medien und Mitläufern nicht unbemerkt blieb. Schon mehrfach wurden meine Starts als «grossartige Leistung» bewertet. Es wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, diese Aufmerksamkeit sei mir zuwider. Doch oft war Glück dabei: Nur eine Unpässlichkeit oder eine Verletzung und die Serie ist zu Ende. Darum: Es ist für mich eine Befriedigung, bisher jedes Jahr am letzten Samstag in den Schulferien am Start stehen zu dürfen.

Und jetzt also der 41. Lauf. Die neue Zeitmessung mittels Chip ermöglicht eine Aufteilung des Startfeldes, die Zeiten des Massenstarts sind längst vorbei. Im vierten Block führe ich auf Anweisung des Speakers zuvorderst als «Leader» die paar hundert Läuferinnen und Läufer vom Vorstart an der Häsigasse an die Luzernerstrasse. Natürlich werde ich da und dort erkannt, höre Zurufe, winke zurück und geniesse das Bad in der Menge. Bis zur ersten Verpflegungsstelle bei Aesch höre ich immer wieder meinen Namen. Zurufe, die motivieren, denn ich weiss: Will ich mein Ziel von 1 Stunde und 45 Minuten erreichen, darf ich nicht nachlassen.

Das Besondere am Hallwilerseelauf ist, dass es Abschnitte gibt, wo kein Zuschauer steht. Da horche ich in mich hinein: Bin ich zu schnell und büsse dafür auf dem letzten Streckendrittel? Schnell freue ich mich dann wieder auf Streckenabschnitte mit vielen Zuschauern. Dazu gehört das Meisterschwander «Delphin», wo ein Verpflegungsstand eingerichtet ist. Zehn Kilometer sind geschafft und die Teams wechseln ihre Läufer aus. Für mich der Moment, auf die Uhr zu schauen: 47 Minuten und ein paar Sekunden zeigt mein Chronometer. Weil ich weiss, dass von der Topografie und Streckenlänge her jetzt die langsamere, zweite Hälfte folgt, geht mir durch den Kopf: es wird knapp mit meinen anvisierten 1:45!

Vorbei an vielen Zuschauern geht es deshalb zügig auf die zweite Streckenhälfte. «Das ist auch so eine harte Stelle», sagt unterwegs ein Läufer zu seinem Compagnon. Er meint die Gerade vom Seengerzopf bis zur Aabachbadi. Ich allerdings freue mich auf den bevorstehenden Schlosspark. Bei dessen Durchquerung läuft es mir Jahr für Jahr kalt den Rücken runter. Die Zuschauer bilden wie an der Tour de France eine Gasse, feuern uns Läufer an, Kinder lassen sich abklatschen, der Lautsprecher ertönt. Kurz: Volksfeststimmung!

Obwohl das Schloss Hallwil und das Ziel in Beinwil am See nur zwei Höhenmeter trennen, ist bei den Läufern immer die Rede «vom Schloss ondenue». Beim gefühlten «ondenue» kann ich ab Birrwil noch etwas zusetzen. Dadurch unterbiete ich in Beinwil mein persönliches Ziel um 2,5 Sekunden. Eigentlich hätte ich die 21,1 Kilometer etwas mehr geniessen sollen. Jedoch: Etwas Ehrgeiz darf ja auch mit 64 Jahren noch sein ...»