«Eine Zukunft für unsere Vergangenheit»: Unter diesem Motto wurde 1985 für das in die umgebaute alte Burghalde verlegte ehemalige Heimatmuseum geworben. Einwohnerrat und Volk stimmten dem Vorhaben mit grosser Mehrheit zu. Just zum 30-Jahr-Jubiläum stehen die Ortsbürger, welche anno 2008 die Übernahme des Stadtmuseums und dessen Betrieb gutgeheissen hatten, erneut vor der Entscheidung, ob ihre Vergangenheit eine weitere Zukunft hat.

An einer ausserordentlichen Ortsbürgergmeind steht am 16. März das Begehren von Stadtrat und Museums-Stiftungsrat für einen Projektierungskredit von 520 000 Franken für den Umbau und die Erneuerung des Museums Burghalde zur Diskussion. Im Gegensatz zu anno dazumal ist das Projekt umstritten: Die Finanzkommission der Ortsbürgergemeinde beantragt die Rückstellung des Geschäftes, bis günstigere Alternativen vorliegen, ein mögliches Folgeprojekt «Seifi» inklusive.

Finanzkommission opponiert

Währenddem der Stadtrat im Finanzplan 2015 bis 2019 festhält, dass die Ortsbürgergemeinde für Erneuerung und Betrieb des Museums genug Spielraum hat und ein jährlicher Überschuss von über 300 000 Franken für weitere Vorhaben resultiert, bezweifelt die Finanzkommission diese Zahlen und errechnet die budgetierten Überschüsse bestenfalls zu einer «schwarzen Null».

Basis für das Misstrauensvotum ist die Entwicklung der Betriebskosten des Burghalde-Museums in den letzten Jahren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nebst der (privat finanzierten) Ikonensammlung unterdessen das sogenannte Hero-Archiv geschenkweise übernommen und aufwändig betreut und gehortet werden muss.

Aufwand würde 4,2 Millionen betragen

Materielle und ideelle Gründe sprechen indes für eine notwendige Sanierung und Neu-Installierung der Ausstellung. In der ausführlichen Vorlage an die Ortsbürger weist der Stadtrat darauf hin, dass die bis vor wenigen Jahren als pionierhaft moderne museale Präsentation der Geschichte von Stadt und Region (Urzeit-Werkstatt, Unesco-Welterbe Pfahlbauer heute in vielerlei Hinsicht nicht mehr den heutigen, andernorts erfüllten Anforderungen entspricht: Fluchtwegsituation; mangels Lift mit Treppen, Stufen, WC nicht behindertengerecht; veraltete Dauerausstellung; knapper Wechselausstellungsraum; fehlende Besucherinfrastruktur (Garderobe, Schliessfächer, Bistro, Shop), veraltete haustechnische Anlagen, ungenügende Wärmedämmung, feuchte Gewölbekeller usw. Allein die baulichen Massnahmen bedingen einen Aufwand von 4,2 Millionen Franken.

7,2 Millionen Gesamtkosten

Stadtrat und Stiftung sind der Meinung, dass im Zuge der notwendigen Umbauten im 1985 neu erstellten Mitteltrakt der alten Burghalde auch die Dauerausstellung erneuert werden soll, ansonsten für die Besucher kein Mehrwert entsteht; diese Kosten werden auf 3 Millionen geschätzt. Daraus resultiert ein gesamtes Investitionsvolumen von 7,2 Millionen Franken.

Gemäss dem Gesetz obliegt den Ortsbürgergemeinden, sofern die Mittel reichen, die Förderung des kulturellen Lebens und sozialer Werke. Die alte Burghalde soll das Stammhaus des Museumsbetriebes bleiben – eine Umnutzung, für was auch immer, kostet ebenfalls viel. Stiftungratspräsident Urs F. Meier unterstreicht, dass das Museum Burghalde, wie die Vorgänger-Institution, nach wie vor ein «Heimat»-Museum ist. Es dokumentiert die Stadtgeschichte, die Herkunft, Lenzburger Firmen, Industriegeschichte und Persönlichkeiten und ist damit ein identitätsstiftender Faktor der rasch wachsenden Regionalstadt: «Identifikation ist Integration. Das ist die vornehme Aufgabe der Ortsbürgergemeinde.» Wird der Projektierungskredit genehmigt, kann ein Projekt ausgearbeitet werden. Der Baukredit muss der Ortsbürgergemeinde vorgelegt werden.