«Sorgenkind Niederlenz?», fragte die az vergangene Woche in einem Artikel über die Auswirkungen des Hitzesommers 2015 auf die Grundwasserspiegel in der Region. Grund waren die schlechten Messwerte im Pumpwerk Hard II in Niederlenz. Dort, so schien es, sank der Grundwasserspiegel im Hitzesommer deutlich ab. Ronni Hilfiker, Fachspezialist Grundwasser beim Kanton Aargau, sagte gegenüber der az: «Wenn die Messwerte stimmen, ist das tatsächlich beunruhigend.»

Jetzt ist klar: Dem Niederlenzer Grundwasser geht es bestens. Die vermeintlich schlechten Daten des Pumpwerks Hard II sind auf einen Messfehler beziehungsweise auf falsch übermittelte Messdaten zurückzuführen. Das haben Abklärungen der SWL Energie AG, welche das Pumpwerk Hard II betreibt, ergeben.

Falscher Wert übermittelt

Grund für die kurzfristige Verwirrung war das neue Leitsystem, das die SWL Energie AG im Juni 2015 installierte. Das System übermittelt dem Kanton täglich Daten zum Grundwasserspiegel.

Grundwasserkarte

Grundwasserkarte

Entscheidend dabei ist Folgendes: Die drei Grundwasserpumpen im Hard II, die pro Minute rund 28 000 Liter Wasser aus 34 Metern Tiefe in die beiden Reservoire auf dem Goffersberg und beim Schloss pumpen, laufen normalerweise nicht rund um die Uhr. «Die Pumpwerke pumpen nur nachts, wenn der Strom günstig ist», erklärt Gian von Planta, Leiter Anlagen und Netze bei der SWL Energie AG. «Tagsüber bleiben die Pumpen ausgeschaltet, und die Grundwasserspiegel steigen innert Kürze wieder an.»

Das alte Leitsystem hatte dem Kanton jeweils diese Ruhedaten übermittelt: jene Messdaten also, die den Grundwasserspiegel dann messen, wenn die Pumpen nicht laufen. Das neue Leitsystem aber meldete dem Kanton ab Juni 2015 jeweils den täglichen Durchschnitt des Grundwasserspiegels. «Dieser Wert liegt deutlich unter dem Ruhewert des Grundwasserspiegels. Das ist allerdings nicht dramatisch, da sich das Grundwasser tagsüber wieder vom nächtlichen Pumpen erholt und der Spiegel wieder ansteigt», erklärt von Planta.

Wohlen trinkt Niederlenzer Wasser

Dazu kam, dass einer der Sensoren, die den Druck in den Pumpwerkleitungen und damit auch den Grundwasserspiegel messen, defekt war. Der Sensor wurde ersetzt und das Leitsystem korrigiert. «Dem Grundwasserspiegel in Niederlenz geht es bestens», sagt von Planta.

Das sind nicht nur für Niederlenz gute Neuigkeiten, denn: Das Pumpwerk Hard II zapft eines der grössten Grundwasservorkommen in der gesamten Region an und versorgt neben der Stadt Lenzburg unter anderem auch die Freiämter Gemeinde Wohlen und deren Nachbardörfer mit Trinkwasser. Rund die Hälfte der geförderten Grundwassermenge wird nach Wohlen abgezweigt.

«Wir könnten noch mehr fördern»

In naher Zukunft soll das Hard II auch andere Gemeinden im unteren Bünztal und im Reusstal mit Trinkwasser versorgen. Die «Vision Wasser 2035» sieht vor, die bestehende Wasserleitung zwischen Niederlenz und Wohlen mit einer zweiten Leitung durchs Reusstal zu einer Ringleitung auszubauen. Rund 20 Gemeinden könnten so mit Niederlenzer Wasser versorgt werden.

«Das Projekt ist in keinster Weise gefährdet», betont von Planta. «Falls es nötig wäre, könnten wir auch wesentlich mehr Grundwasser fördern, ohne den Grundwasserspiegel übermässig zu strapazieren.»