Vor Jahresfrist hat sich das geheime Jugendfestspruch-Comitée geschlossen aus der Lenzburger Verseschmiede verabschiedet.

Weil es sich kaum jemand vorstellen kann, dass die Brunnen am Jugendfest am kommenden Freitag zwar floristisch festlich gewandet und die Girlanden wie stets perfekt montiert daherkommen, auf den Spruchtafeln hingegen nichts als gähnende Leere herrscht, hat sich die Ortsbürgerkommission der Sache angenommen und neue Verse-Dichter gesucht. Das passierte nicht von ungefähr. Die Kommission ist von den Ortsbürgern mit der Pflege der örtlichen Traditionen, und zwar für alle Bewohner der Stadt, betraut: Die Jugendfestsprüche gehören dazu.

Nun scheint dieses Vorgehen nicht überall gut anzukommen, wie die Online-Kommentare zur kürzlichen Berichterstattung in der az zeigen. Von einer Zensur durch die Ortsbürger und deren Präsidentin Barbara Gurini ist die Rede. Gurini nimmt die grossenteils in jugendfestlicher Manier in Versform gefasste Schelte gelassen und sagt: «Die Emotionalität, welche das geheime Spruch-Comitée auslöst, ehrt die Tradition des Jugendfestes und seiner Festsprüche.» Mehr noch: Es habe sehr schöne Reime dabei, deren Qualität sie beeindrucke. «Eigentlich sollte man diese Sprüche grad verwenden können», sagt die Kommissions-Präsidentin und schmunzelt. «Schade ist nur, dass sich die kreativen Köpfe hinter Pseudonymen verstecken.» Gurini hätte nichts dagegen, wenn sich die Online-Verseschmiede bei ihr melden würden, habe es doch valable Kandidaten für das geheime Jugendfestspruch-Comitée darunter. Und eine allfällige Vakanz im Dichterkreis, sollte es eine geben, könnte so rasch wieder geschlossen werden. Gurini gehört nicht zu den Dichtern, sie fungiert lediglich als Sprachrohr zum geheimen Kreis.

Dichterarbeit ist freiwillig

Gurini vermutet die Reaktionen aus Kreisen, welche grundsätzlich gegenüber den Ortsbürgern eine kritische Haltung einnehmen. «Die Ortsbürger sind nicht bessere Lenzburger, sie sind einfach etwas andere Lenzburger», nimmt sie diese in Schutz. Erklären mag dies eine ganz besondere Verbundenheit zur Stadt.

Mit Blick auf das neu formierte Spruch-Comitée, welches sich übrigens aus Personen mit Bezug zu Lenzburg formiert hat, wird Barbara Gurini ernst und sagt, dass es nicht selbstverständlich sei, wenn Leute freiwillig Zeit investieren und sich für alle Lenzburger Gedanken zur Stadt machen würden. Eine harte Knochenarbeit sei das, die wohl nicht jeder auf sich nehmen würde.