Meisterschwanden

Keine Noten und keine Hausaufgaben: Seetaler Privatschule auf Erfolgskurs

27 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 5. Klasse besuchen die Privatschule von Angela Fisch in Meisterschwanden. (Bild: Colin Frei)

27 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 5. Klasse besuchen die Privatschule von Angela Fisch in Meisterschwanden. (Bild: Colin Frei)

Seit zwei Jahren gibt es in Meisterschwanden den «Sonnenweg». Leiterin Angela Fisch setzt in ihrem Unterricht auf alternative Methoden und scheint den Nerv zu treffen, denn die Schule erfährt Zuwachs.

Anstelle von klassischen Pulten gibt es runde Tische. Eine Werkbank, Nähmaschinen, und auch eine Malwand ist vorhanden. Die Wände sind in einem hellen Grün gestrichen, der Boden mit robustem Vinyl ausgelegt. Vor gut zwei Jahren gründete Angela Fisch die Privatschule «Sonnenweg» in Meisterschwanden.

«Ich habe lange Zeit als Lehrerin und Heilpädagogin auf allen Stufen unterrichtet. Ich weiss, was Kinder brauchen. Ein friedliches Umfeld, das Geborgenheit vermittelt, ist zentral», so Fisch. Das Konzept habe sie schon vor einigen Jahren an einer Intensivweiterbildung entwickelt. «Als meine älteste Tochter im Kindergarten war, wusste ich, dass ich es nun umsetzen muss. Sonst hätte ich meinen Kindern nicht die Schule bieten können, die ich mir für sie und andere wünsche.»

Mittlerweile hat die Privatschule Sonnenweg 27 Schüler von der 1. bis zur 5. Klasse. Unterrichtet werden sie von drei Lehrpersonen. Der Unterricht unterscheidet sich in einigen Punkten von jenem in einer Volksschule. Den klassischen Gong, der den Beginn und das Ende einer Lektion markiert, gibt es nicht.

Zudem sitzen die Schüler, wie erwähnt, an runden Tischen oder in ihren Arbeitsnischen. «Sie können dort arbeiten, wo es ihnen am wohlsten ist», erklärt Angela Fisch. Mit den Schülern ist die Lehrerin per Du. «Wir arbeiten über die Beziehungsebene und kennen hier kein Disziplinarverfahren.» Auch mit den Eltern ihrer Schüler pflegt Fisch ein gutes Verhältnis: «Die Eltern haben mich immer voll unterstützt. Die Zusammenarbeit basiert auf Wertschätzung und Vertrauen.»

Lieber Rückmeldungen als Noten

Auch auf Prüfungen, Noten und Hausaufgaben verzichtet die Schule, um die Kinder nicht unter Leistungsdruck zu setzen. «Dieser externe Druck verdirbt die Freude und den Eigenantrieb», so die 38-Jährige. Ein sanftes Feedback erhalten sie dennoch.

Unterrichtet werden die Schüler zurzeit in zwei Gruppen. «In der ersten Gruppe sind Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse, in der zweiten Gruppe Dritt- bis Fünftklässler.» Dadurch, dass im «Sonnenweg» kein klassischer Frontalunterricht stattfindet, funktioniert diese Durchmischung von Schülern verschiedener Stufen laut Angela Fisch problemlos.

«Die individuellen Lernaufträge der Kinder haben je nach Schulklasse und Wissensstand einen anderen Schwierigkeitsgrad. Oft kommt es vor, dass die Jüngeren von den Älteren lernen.» Der Unterricht mit viel Freiraum für Eigeninitiative werde auch den hochbegabten Schülerinnen und Schülern gerecht, die die Schule besuchen.

Ein Programmpunkt, auf den die Schule viel Wert legt: der Projektunterricht. Fünf Mal pro Woche arbeiten die Schüler und Schülerinnen an selbst gewählten Projekten. Ob sie dabei Musik machen, an der Werkbank arbeiten oder Sachthemen recherchieren, ist ihnen selbst überlassen. «Der lockere Umgang mit allen Arten von digitalen Hilfsmitteln ab der ersten Klasse macht die Kinder für die Zukunft fit. Sie kommen mit ihren Vorschlägen zu uns. Wenn sie umsetzbar sind, dann dürfen sie es selbstverständlich machen», erklärt Angela Fisch.

1600 Franken Schulgeld pro Monat

Ein weiterer Unterschied zur Volksschule ist das Schulgeld, das die Eltern für ihre Kinder zahlen. Im «Sonnenweg» kostet ein Monat 1600 Franken. Eltern, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken, erhalten keine finanzielle Beteiligung vom Staat. Fisch befürwortet eine Kostenteilung wie in anderen europäischen Ländern: «Wir fänden es gut, wenn die Eltern das Geld erhalten würden, welches dadurch eingespart wird, dass die Kinder nicht auf der öffentlichen Schule sind.»

Kinder, die ihre gesamte obligatorische Schulzeit im «Sonnenweg» verbringen, werden spätestens in der Kantonsschule oder der Ausbildung mit dem Notensystem in Berührung kommen. Angela Fisch sieht darin aus eigener Erfahrung kein Problem: «Ich bin sicher, dass die Kinder bis dahin genügend Erfolgserlebnisse in ihrem Rucksack haben, um damit kein Problem zu haben», erklärt sie.

Zudem sei sie der Meinung, dass ihre Schüler selbstständiger seien. Als Lehrperson sollte man nicht zu viel reinpfuschen. Der Erfolg gibt Angela Fisch recht. Die Nachfrage nach Plätzen ist hoch, schon jetzt erhält die Schulleiterin Anfragen für Kindergarten- und Oberstufenplätze. Der Kindergarten soll im Sommer 2020 eröffnen, die Oberstufe per Sommer 2021/22. Genug früh, dass die Ältesten einen Schulplatz haben.

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