Diese Ankündigung widerspricht dem allgemeinen Trend hin zur regionalen Zusammenarbeit. Das grosse Bevölkerungswachstum hat der Gemeinde Staufen zu neuem Selbstbewusstsein verholfen und ihr Bestreben nach Autonomie angestachelt.

Sie will wieder eine eigene Primarschule führen. Der seit zehn Jahren geltende Regionalschulvertrag mit den Gemeinden Lenzburg und Ammerswil soll per Ende 2017 aufgelöst werden. Dieser Bruch muss allerdings noch von der Gemeindeversammlung abgesegnet werden. «Im Juni 2017», sagt Gemeindeammann Otto Moser (SVP).

255 Schüler scheiden aus

In der Regionalschule Lenzburg unterrichten heute etwa 160 Lehrer rund 1460 Schüler. Mit dem Austritt von Staufen würden 18 Lehrer und 255 Schüler ausscheiden. Sie unterrichten respektive besuchen den Kindergarten sowie die Unterstufe bis zur 6. Klasse. Die Oberstufenschüler möchte Staufen weiterhin nach Lenzburg schicken.

Dafür soll ein neuer Vertrag zwischen Staufen und Lenzburg ausgehandelt werden – analog wie Othmarsingen einen mit Lenzburg hat. Die Stadt Lenzburg ist bereit, mit ihrer Vorortsgemeinde entsprechende Vertragsverhandlungen aufzunehmen. Stadtammann Daniel Mosimann (SP) war gestern Nachmittag für eine detaillierte Stellungnahme nicht erreichbar.

Regionalschule gibts seit 2006

Staufen hat heute 3100 Einwohner. Es ist innerhalb von zwei Jahren um 500 Personen gewachsen. Und es geht wegen des Baubooms im gleichen Stil weiter: In zwei bis drei Jahren dürfte Staufen 3600 Einwohner haben. Die Gemeinde hat nach zwei Erhöhungen noch immer einen vergleichsweise tiefen Steuerfuss von 89 Prozent. 2014 lag er noch bei 80 Prozent und Staufen war die viertgünstigste Gemeinde im Kanton.

Die Regionalschule Lenzburg-Staufen-Ammerswil ist im August 2006 lanciert worden, um in einem gesellschaftlich eng verknüpften und stark zusammenwachsenden Gebiet über Gemeindegrenzen hinaus sinnvolle Synergien im Schulbereich nutzen zu können. «Diese Zielsetzung konnte in den letzten 10 Jahren erfolgreich umgesetzt werden», erklärt Susanne Buri, Präsidentin der Schulpflege der Regionalschulpflege Lenzburg.

Sie verweist darauf, das die Schule kein Qualitätsproblem habe. Im Gegenteil: Bei der Evaluation 2015 habe die Schule «in allen relevanten Bereichen die Grundanforderungen bestens erfüllt».

Genügend Schulraum in Staufen

Der Gemeinderat Staufen betont, die Primarschule Staufen habe eine Grösse, dass diese problemlos autonom geführt werden könne. In Staufen habe es auch langfristig ausreichend Schulraum.

Die Primarschule war schon jetzt im Dorf – allerdings geführt von der regionalen Organisation. Was die Oberstufe betrifft, sind vier Klassen der Sekundar- und Realschule 2014 wegen der Umstellung auf das Modell 6/3 von Staufen nach Lenzburg verlegt worden.

Eine eigene Primarschule bedingt eine eigene Schulpflege und eine eigene Schulverwaltung. Wird das für Staufen teuer? «Wir gehen nicht davon aus, dass es Mehrkosten gibt», erklärt Gemeindeammann Otto Moser. Er kennt keinen vergleichbaren anderen Fall, bei dem eine Aargauer Gemeinde aus einem Regionalschulvertrag ausgetreten ist.