Lenzburg

Keine Hilfe mehr für Lehrabbrecher in Lenzburg

Mit der Einstellung des Motivationssemesters schliesst «Ipsylon» auch die Brocki in Lenzburg.

Mit der Einstellung des Motivationssemesters schliesst «Ipsylon» auch die Brocki in Lenzburg.

Der Kanton hat den Vertrag gekündigt: Der Verein «Ipsylon» bietet das Überbrückungsangebot für Jugendliche ohne Lehrstelle nicht mehr an. An zu vielen Ecken und Enden hätte man Lösungen finden müssen, sagt der Vorstandspräsident ad interim.

Seit fast zehn Jahren bietet der Verein Ipsylon auf dem Wisa-Gloria-Areal Überbrückungsangebote für Jugendliche an, die keine Lehrstelle finden oder die Lehre abgebrochen haben.

Nun ist Schluss damit: Ende 2015 stellt der Verein das neunmonatige Motivationssemester (Semo) ModulPlus in Lenzburg ein. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) hat den entsprechenden Arbeitsvertrag gekündigt.

«Wir bedauern, das Motivationssemester nicht mehr anbieten zu können», sagt Maurizio Bugno. Er hat das Präsidium des Vorstandes im Juli ad interim übernommen. Er betont aber: «Den Entscheid haben wir gemeinsam mit dem AWA gefällt.»

In einer Sitzung hätten sie festgestellt, dass das Motivationssemester langfristig betrachtet nicht mehr weiterzuführen sei. An der finanziellen Lage hätte es nicht gelegen. «Wir hatten strukturelle und organisatorische Probleme», begründet Bugno. Mehrere Faktoren hätten zum Entscheid geführt.

«Bis vor zwei Jahren lief es gut», sagt Bugno. So habe die Vermittlungsrate zwischen 70 und 75 Prozent betragen. Wer nach neun Monaten keine neue Lehrstelle fand, wurde wieder vom regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) betreut.

Dann nahm aber die Qualität ab, eine professionelle Kontrolle fehlte. «Das AWA versuchte gemeinsam mit dem Verein Ipsylon, die Probleme zu lösen», sagt Sandra Olar, stellvertretende Leiterin Kommunikation des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI). «Trotz grosser Anstrengungen konnte keine befriedigende Lösung gefunden werden.»

Zudem musste der Geschäftsleiterin in diesem Jahr gekündigt werden. Sie trat ihre Stelle vor zwei Jahren an. «Es ist schwierig, einen Geschäftsleiter zu finden, der mit beschränkten Mitteln den Erwartungen und der verantwortungsvollen Aufgabe gerecht wird», sagt Bugno.

Zwar hätte der Verein Ipsylon einen Nachfolger gefunden, doch dieser hätte an zu vielen Ecken und Enden Lösungen finden müssen.

Lösungen für Jugendliche gefunden

Zwischen 20 und 30 Jugendliche betreute «Ipsylon» im letzten Betriebsjahr. Die einen arbeiteten in der Werkstatt, andere in der Kantine, im Brocki «shop46» oder in der Kindertagesstätte «Chinderhuus Rägeboge» in Niederlenz.

Zudem besuchten die Jugendlichen den Schulunterricht und Coaching-Stunden, in denen sie lernten, wie eine professionelle Bewerbung aussieht.

Seit August nahm der Verein keine Jugendlichen mehr auf, weshalb am Schluss nur noch für die vier Verbliebenen ein neuer Semo-Platz gefunden werden musste. Das AWA und der Verein Ipsylon konnten sie an andere Anbieter im Kanton (siehe rechts) vermitteln.

Den zehn Mitarbeitenden wurde per Ende Jahr gekündigt. «Wir begleiten sie zusammen mit dem RAV, um eine Lösung für sie zu finden», sagt Bugno. «Es ist mein Herzenswunsch, dass alle Mitarbeiter eine neue Stelle finden.» Doch es sei nicht ganz einfach auf diesem Gebiet.

Die Werkstatt im zweiten Stock sowie die Kantine und das Brocki im Parterre werden geschlossen. Der Mietvertrag läuft noch bis Ende Juni 2016. Es gibt bereits Interessenten, welche die Räume mieten möchten.

Darunter auch Victor Fernandez, der die Schreinerei der «Ipsylon»-Werkstatt führte. Er könnte sich vorstellen, die Räume im zweiten Stock an Künstler und Bildhauer weiterzuvermieten. «Ich stelle mir dabei volksnahe Ateliers vor», sagt Fernandez, «mit Künstlern, die ihre Kunst und den sozialen Gedanken nach aussen tragen».

Dabei sollen die Künstler und die Bevölkerung das Kunsthandwerk gemeinsam erleben und sich austauschen. «So lange der Mietvertrag noch läuft, würden wir ihn gerne dabei unterstützten», sagt Bugno.

Der 2006 gegründete Verein Ipsylon bleibt noch bestehen und betreibt weiterhin die Kindertagesstätte «Chinderhuus Rägeboge». Der Verein ist jedoch auf der Suche nach einer neuen Trägerschaft für die Kita.

Sobald diese gefunden ist, wird der Verein Ipsylon aufgelöst. So lange bleibt Maurizio Bugno Vorstandspräsident ad interim.

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