Lenzburg
«Keine dynastie-mässiges Vorrecht»: Kreisgeometer übernimmt vom Vater

Seit Anfang Jahr ist Oliver Flury neuer Nachführgeometer für den Bezirk Lenzburg. Er ist damit Nachfolger seines Vaters Herbert, der dieses Amt ein Vierteljahrhundert bekleidet hatte.

Fritz Thut
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Der neue Lenzburger Kreisgeometer Oliver Flury in seinem Büro. tf

Der neue Lenzburger Kreisgeometer Oliver Flury in seinem Büro. tf

Der vom Regierungsrat gewählte Kreis- oder Bezirksgeometer ist verantwortlich für die korrekte Nachführung der amtlichen Vermessung. «Er hält alle räumlichen Veränderungen fest», umschreibt Oliver Flury die Hauptaufgabe seiner neuen Funktion. Jede Änderung eines Grenzverlaufs, jeder Neu-, An- oder Rückbau von Gebäuden muss rechtsverbindlich festgehalten werden. Als Ergänzung dazu werden im Grundbuchamt alle Eigentümermutationen festgehalten.

In einer Zeit, in der viel und immer schneller gebaut wird, kommt der Aufgabe des Kreisgeometers eine grosse Verantwortung zu. Entsprechend hart war das Verfahren, das Oliver Flury zu durchlaufen hatte, ehe er zum Nachfolger seines Vaters Herbert bestimmt wurde.

Es habe kein dynastie-mässiges Vorrecht gegeben, betont der Sohn: Seine Kandidatur sei wie jede andere einer umfassenden Prüfung unterzogen worden. Um für den verantwortungsvollen Posten überhaupt kandidieren zu können, musste Oliver Flury auf sein Amt als Grossrat nach elfeinhalb Jahren verzichten und vorzeitig zurücktreten. Bezirksgeometer und Kantonsparlamentarier sind per Gesetz nicht miteinander vereinbar.

Höchstmass an Kontinuität

Vater und Sohn sind überzeugt, dass die familieninterne Nachfolgelösung eine gute Sache ist: «Damit ist ein Höchstmass an Kontinuität garantiert.» «Von Kindsbeinen an» sei er in das Metier seines Vaters hineingewachsen, schildert der neue Bezirksgeometer seine Berufswahl.

Nach der Matur absolvierte der heute 43-Jährige das entsprechende Studium an der ETH und erwarb in der Folge das eidgenössische Patent als Ingenieur-Geometer, das – unterschrieben vom damaligen Bundesrat Adolf Ogi – in seinem Büro hängt.

Die Ausbildung ergänzte ein Studium zum Informatik-Ingenieur und zum kantonalen Bauverwalter. So deckt er viele Bereiche ab, was ihm in der Geschäftsleitung der Flury-Gruppe, die zahlreiche Dienstleistungen im Bereich Bauplanung anbietet, zugutekommt. «Die Vielseitigkeit ergibt Synergien beim Anbieten von ganzheitlichen Lösungen», so Flury.

In seinem Betrieb nimmt die offizielle Aufgabe als amtlicher Nachführgeometer nur einen, wenn auch wichtigen, Teil ein. Hier kann er auf die gute Vorarbeit von Herbert Flury aufbauen. «Der Aargau nimmt in der Schweiz eine führende Position ein», so der Vater. «Hier stimmen die Grenzsteine auf einen Zentimeter genau», was laut Oliver Flury durch die Verwendung der gleichen Software und dadurch einer einheitlichen Informatiklösung gewährleistet wird.

Ende 2016 auf dem neuesten Stand

Die rechtsverbindlichen Plangrundlagen sind mittlerweile mehrheitlich als Datensätze in geografischen Datenbanken gespeichert, doch im Bezirk Lenzburg gibt es aktuell in Ammerswil, Dintikon und Hendschiken immer noch auf Papier nachgeführte Kataster. In den nächsten Jahren werden diese Dörfer ebenfalls elektronisch erfasst. «Ende 2016 ist der ganze Bezirk Lenzburg diesbezüglich auf dem neuesten Stand», blickt Oliver Flury voraus.