Es tut sich etwas hinter dem roten Garagentor der ehemaligen Schäfer-Villa am Stadtgässli. Hier ist Mike Krähenbühl am Jäten, Putzen und Schleppen. Am 5. April muss er fertig sein, denn dann öffnet er das Garagentor des stattlichen Anwesens.

Dahinter, in den für die Öffentlichkeit bis jetzt verborgenen Räumen gibt es Wein. Krähenbühl betreibt «Mike’s Weinloft» an der Burghaldenstrasse. Seit fünf Jahren gibt es die Vinothek an diesem Standort. Krähenbühl ist gelernter Koch und hat die Hotelfachschule abgeschlossen.

Nach mehreren Jahren Erfahrung in der Weinbranche hat er sich selbstständig gemacht. Das Geschäft läuft gut. Krähenbühl möchte schon länger von der Peripherie der Altstadt mitten ins Zentrum ziehen. Doch lange hat er nichts Passendes gefunden.

Bis jetzt. Die Garage der Schäfer-Villa ist nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: Im Herbst zieht das Weinloft an die Rathausgasse in das Lokal der ehemaligen Spielwaren- und Geschenkboutique Himmelrych. «Wegen Bauverzögerungen kann ich jedoch erst im Herbst einziehen», sagt Krähenbühl.

Auf halbem Weg

Die Burghalde verlässt Mike Krähenbühl aber bereits dieser Tage. Auf der Suche nach einer Zwischennutzung ist Krähenbühl das Garagengebäude der Villa aufgefallen. «Ich bin hier oft vorbeigegangen und fand es immer einen schönen Ort.»

Er hat sich kurzerhand bei der jetzigen Besitzerin, dem Wettinger Architekturbüro KMP, gemeldet und so hat die Vinothek hinter dem roten Garagentor einen temporären Unterschlupf gefunden. «Hier bin ich auf halbem Weg zwischen dem alten und dem neuen Lokal», sagt Krähenbühl. «Zwischenstopp mit Weingenuss», nennt er die Übergangsnutzung am Stadtgässli.

Das Garagengebäude am Stadtgässli ist in einem deutlich älteren Stil als das Haupthaus erbaut, an der Wand blättert die blassgrüne Farbe charmant ab. Jetzt ist es noch kühl, eine Heizung gibt es nicht. Doch der Frühling liegt schon in der Luft. Zum Lokal gehört auch ein Innenhof. «Hier können die Gäste bei einem Glas Wein den Tag ausklingen lassen», sagt Krähenbühl. Der Zugang zum Haus, das abgerissen werden soll, und dem Anwesen wird abgesperrt.

Mike Krähenbühl hat einen Sinn für das Schöne und Geniessbare. Und er hat entdeckt, wie er diese Leidenschaft auf den sozialen Medien ausleben und damit erst noch Kunden anlocken kann. Auf Facebook kündigt er seine Events an, auf der Bilder-App Instagram macht er seine Follower mit Essensbildern gluschtig. Sein Konzept funktioniert. «Oft kommen Kunden mit dem Bild eines Weins in den Laden», sagt er. Krähenbühl hat über 100 Sorten im Angebot.

Kein Parkplatzproblem

Dass er an der Rathausgasse keine Parkplätze vor dem Lokal mehr haben wird, sieht Mike Krähenbühl nicht als Nachteil. Grössere Lieferungen bringt er seinen Kunden auch mal nach Hause – zum Beispiel auch mit dem Handwagen.

An der Rathausgasse wird «Mike’s Weinloft» gut 20 Quadratmeter mehr Platz zur Verfügung haben. Der Laden wird der direkte Nachbar der Bar Art Cigar. Eine Konkurrenz? «Ich sehe mich als Erweiterung des Angebots an der Rathausgasse», sagt Krähenbühl.

Mehr Geschäfte würden mehr Leute in die Gasse bringen. Zudem könne man im ‹Art Cigar› noch rauchen. Beweis für die Zusammenarbeit der Beizer: «Art Cigar»-Besitzer Christoph Nyfeler liefert für das Weinloft am Stadtgässli einen Humidor.

Neben der Garage gehört auch eine geräumige Remise zum neuen Lokal. «Hier kommt der grosse Tisch rein», sagt Mike Krähenbühl. Er verkauft nicht nur Weine, sondern organisiert regelmässig Events, bei denen er zeigt, wozu seine Tropfen passen.

Jeden letzten Freitag im Monat gibt es ‹Baguette und Wein›. Die Brote holt er bei der Bäckerei Hächler in Seengen – «die besten, knusprig wie in Frankreich». Eines gehe meistens schon bei den Vorbereitungen drauf.

Die Aargauer Gastro-Karte: