Lenzburg

Kein Stein bleibt auf dem andern: So grosszügig wird der neue Bahnhof

Pendler am Bahnhof Lenzburg während einer Rush-Hour abends. (Archiv)

Der «Seetaler» wird ans SBB-Netz angebunden. Die Querung der Bahnhofstrasse soll mit einer Barriere gesichert werden.

Zurück auf Feld eins: Das hiess es 2014 bei der Planung für den Ausbau des Bahnhofs Lenzburg. Aufgrund steigender Pendlerzahlen hatte das Bundesamt für Verkehr (BAV) bei den Perrons und den Gleisabständen neue Massstäbe festgelegt.

Nun haben sich die Stadt Lenzburg zusammen mit den SBB, dem Kanton und Verkehrsplaner Metron AG, Brugg, Gedanken darüber gemacht, wie der Bahnhof Lenzburg in Zukunft als regionale Verkehrsdrehscheibe funktionieren soll und wie die dazugehörende Infrastruktur eingepasst werden kann.

Die Bestvariante der funktionalen Studie Verkehr zum Bahnhof Lenzburg. Mehr Informationen zur Studie erhalten Sie hier.

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Nach 1½ Jahren liegt das Resultat als «Funktionale Studie Verkehr» vor. «Es ist für die Stadt Lenzburg ein riesiges Projekt und für die Region wichtig», sagte der zuständige Stadtrat Martin Stücheli bei der Präsentation der Studie. Das Fazit: Dem Bahnhof Lenzburg steht ein Eingriff in einer Grössenordnung vor, dass kein Stein mehr auf dem andern bleiben wird.

Heute platzt der Bahnhof zu Spitzenzeiten aus allen Nähten. In Zukunft sollen grössere Pendlerströme sicherer abgewickelt werden können. «In Spitzenzeiten wie morgens zwischen 7.15 Uhr und 7.45 Uhr werden es rund 2200 Personen im Fern- und Regionalverkehr sein», erklärt Christian Brenner, bei der Stadt Lenzburg zuständig für Tiefbau und Verkehr.

Die morgendlichen Menschenströme am Bahnhof Lenzburg.

Die morgendlichen Menschenströme am Bahnhof Lenzburg.

(2015)

Die Eingriffe erfolgen hauptsächlich bei der Perron- und Gleisanlage sowie auf der südlichen Seite des Bahnhofs.

Nordseitig grenzt er an ein Wohnquartier. Ende letzten Jahres hat der Bund im Rahmen des geplanten Ausbaus der Bahnnetze für den Bahnhof Lenzburg 192 Millionen Franken reserviert.

Stadtrat Martin Stücheli, Christoph Schnegg, Abteilungsleiter Stadtplanung und Hochbau, Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau und Verkehr der Stadt Lenzburg, und Michael Wägli, TBF + Partner AG, Zürich, der die Stadt beim Projekt Bahnhof unterstützt (v.r.) bei der Studienpräsentation.

Stadtrat Martin Stücheli, Christoph Schnegg, Abteilungsleiter Stadtplanung und Hochbau, Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau und Verkehr der Stadt Lenzburg, und Michael Wägli, TBF + Partner AG, Zürich, der die Stadt beim Projekt Bahnhof unterstützt (v.r.) bei der Studienpräsentation.

Bei der Präsentation des umfangreichen Dossiers wurde rasch klar, dass viele Fragen noch ungeklärt sind. Stadtrat Marin Stücheli bestätigte dies. «Trotz mittlerweile grosser Pläne ist noch ein grosser Unsicherheitsfaktor da», sagte er mit Blick auf das vor ihm auf dem Tisch ausgebreitete riesige Papier.

Dieses zeigt eine Übersicht über den neuen Bahnhof und dessen zukünftige Umgebung. Als verbindlichen Teil des Plans bezeichnete Stücheli «die Gleisgeometrie», das heisst den Platzbedarf der SBB für die erweiterten Perrons- und Gleisanlagen. Dabei sind die wichtigsten Fakten nicht neu, sie sind bereits in den vergangenen Monaten sukzessive bekannt geworden.

Zu den offenkundigen Änderungen gehört die zweite Unterführung im westlichen Teil des Bahnhofs. Sie war ursprünglich nicht vorgesehen. In der Zwischenzeit haben auch die SBB deren Notwendigkeit erkannt. An den Kosten von acht Millionen Franken hat sich Lenzburg mit zwei Millionen zu beteiligen.

Die Seetalbahn wird direkt in den Bahnhof eingeführt, dafür wird ein neues Perron erstellt. Die Passagiere freuts: Sie müssen beim Umsteigen nicht mehr die Bahnhofstrasse überqueren. Der Preis für diese Lösung: Der «Seetaler» wird in Zukunft bei der Ein- und Ausfahrt in den Bahnhof die Bahnhofstrasse queren.

Laut Christian Brenner soll deshalb die «Gleisanlage so weit optimiert werden, dass die Zerschneidung des Bahnhofplatzes möglichst gering ausfällt». Auf der Bahnhofstrasse wird deshalb eine Schrankenanlage installiert, die zweite Barriere nebst der bereits bestehenden auf der Augustin-Keller-Strasse.

Velopuff am Bahnhof Lenzburg

Velopuff am Bahnhof Lenzburg

(2016)

Die Gleisanlage wird auf sieben Gleise erweitert. Dabei ist ein Gleis einzig für den Transitverkehr vorgesehen und bleibt ohne Perron.

Die Perrons werden um rund 50 Prozent verbreitert, von bisher rund acht auf zwölf Meter an den breitesten Stellen.

Testplanung soll klären

Was noch einer Klärung bedarf, ist auf dem vorliegenden Plan schraffiert dargestellt. Innerhalb dieses Perimeters sollen in einer Testplanung denkbare Varianten ausgearbeitet werden. Diese dienen als Grundlage für den anschliessenden Richtplan.

Das SBB-Aufnahmegebäude muss den erweiterten Perron- und Gleisanlagen weichen. (Mit der revidierten Bau- und Nutzungsordnung kann im westlichen Teil bis zu 30 Meter hoch gebaut werden. Das lässt Raum für weitergehende Überlegungen.)

Wohin mit dem Bushof mit total 13 Buskanten? An mindestens vier Orten um den Bahnhof verteilt soll Platz für 1500 Fahrräder geschaffen werden. Rund 260 Park & Ride-Abstellplätze sind vorgesehen. Hinzu kommen Flächen für Mobility-Autos, Taxi, Kurzzeitparking und Kiss & Ride-Stopps.

Ebenso steht zur Debatte, wie den Nachbarn wie beispielsweise der Post eine Zusammenarbeit schmackhaft gemacht werden kann. Immerhin liegt das Post-Areal auf dem «Spielplan» innerhalb des Ausbauperimeters, der sich vom Kreisel Bahnhofstrasse bis zum Gelände der Schwarz Stahl hinzieht. Die Grundeigentümer innerhalb dieses Bereichs werden in die Gespräche miteinbezogen. Ebenso die Nachbargemeinden. Auch wurde die Begleitkommission Bahnhofplatz wieder reaktiviert, ebenso das Informationsportal www.anschlusslenzburg.ch.

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