Fehlende Kandidaten

Kein Nachfolger für Ammann Janine Murer in Leimbach: Wird sie zum Bleiben verknurrt?

Janine Murer ist 50 und seit 14 Jahren Ammann von Leimbach. Jetzt möchte sie das Amt eigentlich abgeben.

Janine Murer ist 50 und seit 14 Jahren Ammann von Leimbach. Jetzt möchte sie das Amt eigentlich abgeben.

In Leimbach soll morgen eine Nachfolge für Ammann Janine Murer gewählt werden. Es gibt aber keine Kandidaten.

«Ich bin nicht völlig amtsmüde», sagt Janine Murer. Sie finde es nur an der Zeit, sich nach 14 Jahren als Gemeindeammann von Leimbach (473 Einwohner)wieder einmal anderem widmen zu können. Das Amt sei spannend, «ich möchte nichts davon missen und kann es nur weiterempfehlen, aber irgendeinmal muss man auch neuen Ideen Platz machen».

Sicher ist, dass die parteilose 50-Jährige den Ammannposten abgeben wird. Unsicher ist, zu welchem Zeitpunkt sie das darf. Ihr beim Kanton eingereichtes Gesuch lautete auf «Rücktritt auf den Zeitpunkt der Ersetzung». Es muss also erst ein Ersatz gewählt werden, bevor sie gehen kann. Vorerst sieht es nicht so aus, als könne sie sich bald einem neuen Hobby widmen: Es hat sich niemand als Gemeinderat zur Wahl gestellt und auch niemand als Ammann  – letzteres Amt will auch keiner der amtierenden Gemeinderäte.

Vizeammann könnte als Stellvertreter amten

Wird sie also bis zum Ende der Amtsperiode im Dezember 2021 bleiben müssen? Nicht zwingend, denn es reicht, wenn lediglich ein weiteres Mitglied für den Gemeinderat gewählt wird. Wenn Leimbach morgen, wie vermutet werden kann, keinen neuen Gemeinderat bekommt, wird es eine Nachmeldefrist für willige Kandidaten geben. Findet sich dann immer noch kein neues Mitglied, muss Janine Murer weiter im Amt bleiben. «Wird aber jemand gewählt, darf ich sofort abtreten», sagt sie. Denn sollte auch innert der Nachmeldefrist niemand als Ammann kandidieren, würde Vize Markus Hunziker stellvertretend amten.

Die Suche nach einem Ammann müsste dann wieder von neuem aufgegleist werden. Innerhalb von sechs Monaten muss per Gesetz eine neue Wahl stattfinden. Bis es so weit ist, wäre es Frühling 2021. Würde dann ein Ammann gewählt, müsste sie oder er ein paar Monate später gleich nochmals antreten – zur Gesamterneuerungswahl für die Amtsperiode 2022–25. «In diesem Fall würde Leimbach eventuell ein Gesuch an den Kanton stellen mit der Bitte, die Ammann-Wahl zusammen mit den Gesamterneuerungswahlen stattfinden zu lassen», vermutet Janine Murer.

Eine Fusion steht bis jetzt nicht im Raum

Nicht nur könnte also das Szenario eintreffen, dass die heutige Frau Ammann bis Ende 2021 bleiben muss – die Gemeinde dürfte bei einer so tiefen Motivation seiner Bewohner Mühe haben, weitere Gemeinderatsposten zu besetzen. Und das wird sie müssen, denn es werden noch zwei weitere Gemeinderäte auf Ende Amtsperiode zurücktreten.

Den Grund für das Zögern ihrer Bürger kennt Janine Murer nicht. «Es könnte am zeitlichen Aufwand liegen oder an der Entschädigung, die den Lohnausfall bei Arbeitsreduktion zu Gunsten des Amts nicht zu entschädigen vermag.» Leimbach könne weniger hohe Entschädigungen zahlen, als andere Gemeinden. «Als kleines Dorf nehmen wir weniger Steuern ein, doch die Gemeinderäte haben gleich viel Arbeit, wie in grossen Gemeinden.»

Das klingt, als ob Leimbach ein Fusionskandidat wäre. Doch die Gemeindepräsidentin bezweifelt, dass die Leimbacher ihre Eigenständigkeit aufgeben wollen. Vor zwei Jahren bewilligte die Gmeind eine Steuererhöhung von 10 Steuerprozenten auf 122 Prozent ohne Murren. Obwohl der Gemeinderat mit Votanten gerechnet hatte, die stattdessen eine Fusionsprüfung vorschlagen würden. Dies wertete der Gemeinderat als Bekenntnis zur Eigenständigkeit – «auch wenn dies etwas kostet». Janine Murer ist deshalb zuversichtlich: «Es braucht vielleicht eine Extrarunde, aber es werden sich Kandidaten finden.»

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