Lenzburg

Kein Durchkommen: So retten Freiwillige jährlich Hunderte von Amphibien

Frösche und Kröten fischen zwischen Lenzburg und Ammerswil

Frösche und Kröten fischen zwischen Lenzburg und Ammerswil

Der Krötenzaun soll Amphibien vor der Ammerswilerstrasse stoppen, damit sie nicht überfahren werden. Am Morgen werden die Kübel, in die sie plumpsen, jeweils geleert. Fürs Foto hinhalten wollten die am Freitag geborgenen Tiere teilweise nur ungern.

Wenn Ende Winter die Temperaturen langsam ansteigen und es feucht wird, wandern die Frösche und Kröten. Viele wollen von Osten herkommend über die Ammerswilerstrasse hüpfen. Deshalb wird seit 1976 ein Zaun installiert, der die Tiere am selbstständigen Überqueren der Strasse hindert.

Thomas Bucheli hat nicht nur den Wetterumschwung angekündigt, sondern auch dessen Folgen. Am Freitag könnte es einen grossen Amphibienzug geben, sagte der Wetterfrosch. Denn nach einer längeren Trockenzeit sollte es zum ersten Mal wieder so richtig regnen.

Und wenn Ende Winter die Temperaturen langsam ansteigen und es feucht wird, wandern die Frösche und Kröten. Zurück zum Ursprung – was im Fall der Amphibien der Laichplatz der Vorfahren ist. In der Region Lenzburg versuchen jedes Jahr Hunderte von Tieren, zum Fünfweiher zu gelangen.

Viele wollen von Osten herkommend über die Ammerswilerstrasse hüpfen. In den Siebzigerjahren, als der Verkehr mehr wurde, führte die Kreuzung von Amphibien- und Autostrasse zu einem regelrechten Massaker. «Die Fahrbahn war voll von überfahrenen Tieren», sagt Urs Kieser. Deshalb wird seit 1976 ein Zaun installiert, der die nachtaktiven Tiere am selbstständigen Überqueren der Strasse hindert.

Der Zaun wird vom Natur- und Vogelschutzverein gestellt. Die Seniorengruppe des Vereins sorgt dafür, dass er jeweils Ende Februar steht. Urs und Brigitte Kieser sind beide im Verein engagiert. Er half beim Aufstellen, sie ist eine der Frauen, die am Morgen früh die Kübel leeren und die Frösche über die Strasse bringen.

Der Regen kam in der Nacht auf Freitag ein bisschen zu spät. Der von Bucheli angekündigte Niederschlag setzt erst am Morgen ein. Trotzdem sitzen um halb acht Uhr schon einige Reingefallene in den elf Kübeln. «Erdkröten und Grasfrösche sind die häufigsten», sagt Brigitte Kieser. Doch auch Molche und ab und zu ein Feuersalamander.

Brigitte und Urs Kieser engagieren sich seit Jahren freiwillig für die Amphibien.

Brigitte und Urs Kieser engagieren sich seit Jahren freiwillig für die Amphibien.

Kröten halten still

Zäune sind ein gängiges Mittel für den Amphibienschutz. Die Luxusvariante wären unterirdische Röhren, damit die Tiere selber auf die andere Strassenseite gelangen können. Im Tal des Lenzburger Stadtbachs bleibt ihnen jedoch nichts anderes übrig, als in den Kesseln zu warten. Der Hag ist erstaunlich niedrig, ungefähr vierzig Zentimeter reichen.

Brigitte Kieser nimmt eine Kröte in die Hand. Das Tier mit der warzigen Haut rührt sich nicht. «Ganz klar ein Weibchen», sagt sie. Es ist deutlich grösser als das Männchen. Das hat seinen Grund: Hat sich ein Paar gefunden, klammert sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest und lässt sich herumtragen, bis die Paarung vollzogen ist. Oft reisen die Männchen huckepack zum Laichplatz. Die Frösche in den Kübeln sind deutlich lebendiger. Wenn man sie in die Hand nimmt, zappeln sie und nützen jeden Moment aus, um sich davonzumachen.

Frösche sind zappliger als Kröten.

Frösche sind zappliger als Kröten.

Frösche mögens wärmer

Am Ende des Zauns liegt ein kleiner Weiher. Ein paar wenige Tiere geben sich mit diesem zufrieden und bleiben dort zum Laichen. «Der Weiher wurde künstlich geschaffen», sagt Urs Kieser. In der Hoffnung, dass die Tiere auf die gefährliche Weiterreise verzichten würden. Doch die meisten lassen diesen Tümpel links liegen.

Die Masse weicht nicht von ihrem Ziel ennet der Strasse ab. Sie landen in den Kübeln und werden am nächsten Morgen von den Helferinnen über die Strasse getragen. Dort trennen sich die Wege der Kesselgenossen: Kröten kommen in den Fünfweiher, Frösche in den Munimattweiher. Denn diese mögen es ein bisschen wärmer und suchen deshalb gern kleinere Gewässer auf.

Der Zaun bleibt jeweils bis Anfang April bestehen. «Während dieser Zeit sollten Auto- und Velofahrer gut Acht geben», sagt Brigitte Kieser. Der Zaun blockiert die Hauptachse der Amphibien, aber sie sind auch darüber hinaus unterwegs. Letztes Jahr hat der Verein ungefähr 500 bis 800 Tiere sicher transportiert. «Manchmal sind es pro Nacht bis zu 200», sagt Brigitte Kieser. Wie und wann die Jungtiere das Fünfweiher-Gebiet verlassen, ist nicht dokumentiert. Aber nächstes Jahr kommen sie wieder. En masse.

Meistgesehen

Artboard 1