Lenzburg

Kein Bock auf Ferien im Engadin: Ferienhaus der Gemeinde Lenzburg steht oft leer

Sorgt in Lenzburg seit Jahren für Diskussionen: Das Ferienhaus der Stadt in Samedan. Bild: zvg

Sorgt in Lenzburg seit Jahren für Diskussionen: Das Ferienhaus der Stadt in Samedan. Bild: zvg

Nur im Winter ist das Ferienhaus fast ausgebucht: Weshalb die Liegenschaft in Samedan offenbar nicht besser ausgelastet werden kann.

Mit schöner Regelmässigkeit kommt das Lenzburger Ferienhaus in Samedan im Einwohnerrat zur Sprache. Und zwar immer während der Debatte um den Rechenschaftsbericht. Das war auch in diesem Jahr nicht anders.

Die Auslastung wird vonseiten der Einwohnerräte stets als zu tief moniert. Mit gleicher Regelmässigkeit verspricht der Stadtrat Besserung. So geschehen auch an der vergangenen Sitzung des Einwohnerrats Ende Juni.

Jetzt stehen die Sommerferien vor der Tür. Eigentlich die beste Zeit, in die Berge zu fahren. Beispielsweise ins Engadin. Aktuell verbringt eine Zürcher Schulklasse ihre letzte Schulwoche vor ihren Sommerferien im Lagerhaus in Samedan.

Ende Juli wohnt eine Pfarreigruppe eine Woche lang im Haus. Dazwischen steht das Gebäude leer.

Dass das Ferienhaus nicht den ganzen Sommer belegt ist, sei normal, sagt Thomas Hofstetter, Leiter Abteilung Immobilien der Stadt Lenzburg. «Während der Schulferien ist das Haus generell schwieriger zu vermieten.» Denn zu den häufigsten Gästen gehörten die Schulen, die selten während der Ferien ins Lager fahren.

Dafür ist die kommende Wintersaison fast ausgebucht. Doch trotz guter Auslastung zwischen Dezember und März: Die Anzahl Übernachtungen ist in den vergangenen acht Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Waren es 2011 noch 6170 Übernachtungen, verzeichnete das Haus 2018 noch deren 4334. Die Anzahl der belegten Wochen ist in dieser Zeit ebenfalls um einen Drittel von 28 auf 19 gesunken.

«Der grosse Unterschied lässt sich erklären», sagt Thomas Hofstetter. So war 2011 eines der Jahre, in dem die Oberstufe Lenzburg Klassenlager durchführte. Diese finden jeweils im Dreijahresrhythmus statt und sorgen für eine überdurchschnittliche Belegung. «2018 hingegen war ein normales Jahr, und das Haus war etwa gleich besetzt wie 2016 und 2015.»

Aber auch Hofstetter stellt fest, dass die Belegungszahlen über die Jahre hinweg betrachtet rückläufig sind.

So führten Schulen immer weniger Lager durch, da der Aufwand und die Verantwortung gross seien.

Weg ins Engadin zu lang, das Haus zu gross

Die Auslastung zu steigern, sei schwierig. «Dafür stimmen die Rahmenbedingungen nicht», sagt Hofstetter. Insbesondere auch deshalb, weil in der Zwischensaison kaum etwas los sei in Samedan. «Viele Ausflugsziele sind dann geschlossen, es gibt kaum touristische Angebote.» In diesen rund zwölf Wochen bleibt das Lagerhaus deshalb meist leer.

Auch das Marketingpotenzial sei praktisch ausgeschöpft. «Wir machen Werbung auf Websites, die Gruppenunterkünfte anbieten, oder schalten Inserate in Zeitschriften wie ‹Firmen, Vereine und Schulen auf Reisen›», sagt Hofstetter.

Auch wurden Sportorganisationen direkt angeschrieben – nach den Schulen die häufigsten Gäste im Lagerhaus. Abgesehen von den Klassenlagern alle drei Jahre bucht die Schule Lenzburg das Lagerhaus jeweils zwei Wochen pro Jahr. Rund 60 Schüler der Oberstufe fahren im Winter ins Skilager nach Samedan.

Das Ferienhaus in Samedan wird im Sommer nur spärlich besetzt.

Das Ferienhaus in Samedan wird im Sommer nur spärlich besetzt.

Die Primarschule führt ein Herbstlager durch. Die Schule würde das Ferienhaus aber eher meiden, heisst es auf Anfrage vonseiten der Regionalschule: Die Anfahrt mit den öV von Lenzburg her sei zu lang, das Haus mit 91 Schlafplätzen für eine einzelne Klasse zu gross.

Einbruch der Belegung wegen Abstimmung 2006

Die gleichen Argumente hatte die Schulpflege 2006 ins Feld geführt, bevor die Lenzburger an einer Referendumsabstimmung den Verkauf des Hauses für 3 bis 3,8 Mio. Franken klar ablehnte.

Unabhängig vom Resultat hatte die Abstimmung Auswirkungen auf den Betrieb des Lagerhauses: Nach dem einwohnerrätlichen Ja zum Verkauf des Ferienhauses im Herbst 2015 war ein Belegungsstopp für die nächsten zwei Jahre angeordnet worden. «Das führte zu einem Einbruch der Belegungszahlen», sagt Hofstetter. «Das mussten wir zuerst wieder aufbauen.»

Ein Verkauf sei gegenwärtig kein vordergründiges Thema. «Das Ferienhaus bringt keinen Gewinn. Aber wie beim Schwimmbad handelt es sich dabei um eine Dienstleistung der öffentlichen Hand an ihre Bürger.» Und er ergänzt: «2006 zeigte sich beim Nichtverkaufsentscheid, dass die Lenzburger in Bezug auf das Ferienhaus die emotionalen Aspekte höher werten als die finanziellen.»

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