Ist es tatsächlich so? Herrscht an den Lenzburger Schulen bereits wieder Platznot? Und das schon wenige Jahre, nachdem über 25 Millionen Franken in Schulinfrastruktur investiert worden waren.

«Aus Sicht der Schule besteht beim Schulraum grosser Handlungsbedarf», hat Susanne Buri, Präsidentin der Regionalschule Lenzburg, erst kürzlich erklärt. Der Aussage war zu entnehmen: Die Schulpflege liebäugelt mit einem Neubau.

Für die Bereitstellung des Schulraums ist der Stadtrat zuständig. Vor drei Jahren, im Sommer 2016, hat er die Primarschule auf das Schulareal Angelrain konzentriert, die Oberstufe im Lenzhard-Campus angesiedelt. Wie beurteilt er nun die Situation? Ist man bei der Schulraumplanung möglicherweise zu konservativ vorgegangen?

In Lenzburg ist die Schule Chefsache. Stadtammann Daniel Mosimann ist früher selber als Lehrperson im Lenzhard-Campus vor Schulklassen gestanden. Er vertritt nun im Stadtrat das Ressort Bildung. Mosimann relativiert den aktuellen Zustand. «Die Entwicklung an den Lenzburger Schulen erfordert tatsächlich neuen Schulraum», erklärt er. «Dass es jedoch brennt, würde ich nicht sagen.»

Ebenso weist er Vorwürfe einer wenig weitsichtigen Planung zurück. «Schulraum auf eine Zeitperiode von zehn Jahren planen zu wollen, ist unrealistisch.» Laut Mosimann sind zuverlässige Prognosen zu Schülerzahlen höchstens auf fünf Jahre hinaus möglich.

«Die Kinder, welche die Schulzimmer füllen, müssen zuerst auf der Welt sein.» Was die Investitionen der vergangenen Jahre anbelangt, so unterstreicht Mosimann, dass ein Grossteil der gut 25 Millionen Franken in die jahrelang aufgeschobene Sanierung des Schulhauses Bleicherain (einstige Bezirksschule) geflossen sei.

Kredit Umbau «Bleiche» für Herbst traktandiert

Der Bildungsminister verhehlt jedoch nicht, dass der Stadtrat überzeugt war, dass es beim Schulraum nicht so schnell wieder eng werden würde. «Der Stadtrat ist davon ausgegangen, dass die vorhandenen Raumkapazitäten länger genügen.» Bisher habe man eine einfache Rechnung machen können: Etwa ein Prozent der Bevölkerung entspricht einem Jahrgang Schulkinder.

«Die Vorzeichen haben sich in der jüngeren Vergangenheit mit dem starken Bevölkerungswachstum jedoch geändert», erklärt Mosimann. Zudem sei eine Tendenz da zu grösseren Familien mit drei oder sogar vier Kindern. Der grösste Handlungsbedarf besteht beim Kindergarten und in der Primarschule. Auf das Schuljahr 2020/21 wird eine zusätzliche Kindergartenabteilung benötigt.

Für diese werde man einen Raum finden, ohne Notfallmassnahmen ergreifen zu müssen, erklärt Mosimann. Für den weiter anstehenden kurzfristigen Raumbedarf steht die Liegenschaft «Bleiche» wieder zur Debatte. Denkbar sei, die Tagesstrukturen dort unterzubringen. Sie sind derzeit im Schulhaus Mühlematt angesiedelt. Mit diesen Massnahmen würden im «Mühlematt» mindestens zwei Schulzimmer frei, so Mosimann.

Der Stadtrat plant, noch in diesem Herbst dem Einwohnerrat eine Kreditvorlage für den Umbau der «Bleiche» zu unterbreiten. «Zu diesem Zeitpunkt wird der Stadtrat den Einwohnerrat ebenfalls informieren, wie der drohende Infrastrukturmangel an der Regionalschule behoben werden soll», erklärt Mosimann. Der Stadtrat hat die von früher bestehende Arbeitsgruppe Schulraum reaktiviert. Sie soll Lösungsvorschläge ausarbeiten.

Welche Haltung hat der Stadtrat zum von der Schulpflege angeregten Neubau? Immerhin sieht das im Herbst 2013 in Betrieb genommene Schulhaus Mühlematt eine entsprechende Erweiterungsoption vor. Bei dieser Lösung müsste mit Investitionen von rund fünf Millionen Franken gerechnet werden. Und dieser Betrag würde eine Volksabstimmung nötig machen. «Ein Erweiterungsbau ist eine der Varianten, die aktuell geprüft werden», sagt Mosimann dazu.