Lenzburg
Kaufen Ortsbürger das Stapferhaus-Land?

Die Ortsbürger erwägen, dem Stapferhaus die Parzelle beim Bahnhof abzukaufen und im Baurecht zur Verfügung zu stellen. Auch ein privater Investor soll Interesse daran bekunden.

Ruth Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Die Ortsbürger prüfen den Kauf der Parzelle «Bahnhof Süd» vom Stapferhaus .

Die Ortsbürger prüfen den Kauf der Parzelle «Bahnhof Süd» vom Stapferhaus .

Fritz Thut

Die Ortsbürger machen strategische Gründe geltend für ihre Überlegungen, der Stiftung Stapferhaus das ehemalige Kieser-Areal abzukaufen.

Am vergangenen Montag informierte Ressortchef Ortsbürger Martin Stücheli an der Gemeindeversammlung darüber, dass die Immobilienkommission prüfe, vom Stapferhaus das rund 4500 Quadratmeter grosse Grundstück vis-à-vis des Bahnhofs zu übernehmen und anschliessend die vom Stapferhaus benötigte Fläche im Baurecht wieder zur Verfügung zu stellen.

Damit bringen sich die Ortsbürger erneut mit diesem Geschäft in Verbindung. Sie hatten schon beim Verkauf der Landparzelle «Bahnhof Süd» von der Erbengemeinschaft Kieser an die Stiftung Stapferhaus im vergangenen Jahr mit einem Erwerb geliebäugelt. Bereits zu dieser Zeit habe man bei den Ortsbürgern das grosse Potenzial des Areals an bester Lage beim Bahnhof erkannt gehabt, sagt Stücheli. Einen dicken Strich durch die Rechnung machte damals jedoch der Faktor Zeit. Stücheli erklärt: «Die Zeit, um das Geschäft für die Ortsbürgergemeindeversammlung vorzubereiten, war zu kurz bemessen. Wir mussten feststellen, dass wir die im Vorvertrag festgelegte Frist für die Abwicklung des Landhandels nicht hätten einhalten können.»

Nachdem der Wettbewerb für das «‹Haus der Gegenwart» nun abgeschlossen ist, nimmt man einen zweiten Anlauf das Land möglicherweise doch zu erwerben. Dies, weil man laut Stücheli «beim Stapferhaus gesehen hat, dass die Finanzierungslücke von 7,7 Mio. Franken mit dem Verkauf des Landes zu einem grossen Teil reduziert werden könnte». Der Gesamtpreis für den Neubau für das «Haus der Gegenwart» inklusive Land beträgt 23,8 Mio. Franken.

Strategisch wichtige Lage

Mit dem Landkauf anstatt direkt von der Erbschaft nun halt von der Stiftung Stapferhaus würde die Ortsbürgergemeinde keine erheblichen Risiken eingehen, sagt Stücheli. «Für die Abgabe des Grundstücks im Baurecht würden die Ortsbürger voraussichtlich einen jährlichen Baurechtszins kassieren.»

Für den Neubau beansprucht das Stapferhaus nur etwa die Hälfte des Grundstücks. «Was die Restparzelle anbelangt, würde Lenzburg seine Entwicklung an strategisch wichtiger Lage direkt beeinflussen können», erklärt Stücheli. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Entwicklungen beim Bahnhof, sieht Stücheli einen weiteren Vorteil, den Landerwerb ins Auge zu fassen.

Dass die Überlegungen der Ortsbürger nicht ins Leere greifen, sieht deren Ressortchef in der Tatsache bestätigt, dass ein privater Investor ebenfalls Interesse am Landerwerb bekundet hat. Ein Win-win-Situation also sowohl für die Ortsbürger als auch für das Stapferhaus: Mit dem Erlös aus den Grundstücken wären Mittel frei für den Neubau.

Zum Kaufpreis oder zu allfälligen Preisverhandlungen kann Stücheli im jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen. 5,7 Mio. Franken hatte die Stiftung Stapferhaus der Landverkäuferin überwiesen.

Geschäft an Wintergmeind

Lenzburg hat sich das Prädikat der heimlichen Kulturhauptstadt des Kantons auf die Fahne geschrieben. Nicht zuletzt aus diesem Grund kann es für den Ressortchef Ortsbürger «nur im Interesse von Lenzburg sein, wenn die Stadt die ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeit ausschöpft und die bestmöglichen Rahmenbedingungen für das Projekt schafft.» Wenn die Immobilien- und Finanzkommission einen Kauf empfehlen, so wird das Geschäft den Ortsbürgern an der Wintergmeind im Dezember vorgelegt.

Sollte die Ortsbürgergemeinde dem Landdeal zustimmen, so stellt sich die Frage, was mit den zwei Millionen Franken passiert, welche der Einwohnerrat im Dezember 2013 ebenfalls für den Landkauf und als Anschubhilfe für das Projekt gesprochen hat. Dieses Geld stammt aus dem Verkauf der Villa Malaga und ist für kulturelle Belange zweckbestimmt.