Die ersten Wohnungen sind bezogen, die ersten Firmen haben ihren Betrieb aufgenommen, im privaten Pflegeheim werden erste Senioren betreut. Das Quartier «Im Lenz» in Lenzburg füllt sich mit Leben. Doch wird das gut sechs Hektaren grosse Areal auch ein pulsierender Stadtteil? 

«Im Lenz» entstand und entsteht zwar nicht auf der grünen Wiese, ist aber auch nicht organisch gewachsen. Viele Rahmenbedingungen müssen erfüllt werden, damit die Reissbrett-Konstruktion mit 500 neuen Wohnungen und 800 neuen Arbeitsplätzen kein Getto wird. Die Gefahr, dass «Im Lenz» von Beginn an zu einer Schlafstadt degeneriert, ist gross.

Dank der guten Bahnanbindung sind die Bewohner innert einer halben Stunde von der eigenen Haustür im Zürcher Hauptbahnhof. Abends todmüde von der Arbeit heimgekehrt, hat man keine grosse Lust mehr, sich am Quartier- oder Stadtleben zu beteiligen. 

Um so wichtiger ist es, dass alles unternommen wird, um die Zuzüger ins soziale Gefüge zu integrieren: Da sind Begrüssungsapéros und elektronische Kommunikationsmittel nur ein erster Schritt. Wie bringt man einen breiten Mietermix hin? Familien mit Kindern verschiedenen
Alters sorgen beispielsweise während des Tages für Leben im Quartier. 

Im «Im Lenz» muss jeder Einzelne offen sein, sich mit Nachbarn, mit andern Quartierbewohnern und mit den alteingesessen Lenzburgern zu treffen. Und Alt-Lenzburg muss eine offene Willkommenskultur zeigen. Gefordert sind alle: Neuzuzüger, Bevölkerung, Vereine und Behörden.