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Kahlschlag in Dintikon: Statt auf eigene setzt die Post auf fremde Chauffeure

Logistikstandort der Post in Dintikon: Chauffeure haben bald ausgedient.

Logistikstandort der Post in Dintikon: Chauffeure haben bald ausgedient.

Die Schweizerische Post baut in der Sparte Stückgut- und Lagerlogistik in den nächsten zwei Jahren 250 Vollzeitstellen ab. Hart trifft es den Standort Dintikon. Hier kommt es bei den Chauffeuren zu einem regelrechten Kahlschlag.

Wieviele Kündigungen in dem betroffenen Konzernbereich Postlogistics tatsächlich ausgesprochen werden, war am Mittwoch zwar unklar. Der Stellenabbau erfolge «soweit wie möglich» über natürlich Abgänge, lässt die Post einzig verlauten. Von der Massnahme betroffen seien voraussichtlich 250 Angestellte.

Die Entlassungswelle trifft vor allem den Standort Dintikon, wie Kasper Bütikofer von der Gewerkschaft Syndicom gegenüber az erklärt. Es ist der Standort der ehemaligen Firma Setz. Die Post hat sie 1997 übernommen. «Vom Abbau betroffen sind vor allem Chaffeure», sagt Bütikofer. Diese hätten fast alle Dintikon als Arbeitsort. «Bei den Chauffeuren kommt es zu einem Kahlschlag», meint Bütikofer.

Externe statt eigene Chauffeure

Postlogistics werde für die Zustelltouren des Stückguts, das sind Pakete über 30 Kilogramm, vermehrt 3,5-Tonnen-Lieferwagen einsetzen. Gefahren werden sollen diese nicht mehr von eigenen Chauffeuren, sondern von externen.

Dass das Streichkonzert mit natürlichen Abgänge aufgefangen werden könne, glaubt Bütikofer nicht. «Wenn sie mehr als einen Fünftel des Personals entlassen, ist das wohl nicht möglich», so der Gewerkschafter.

Stellen-Abbaus sind für den betroffenen Dintikon nicht neu. Bereits seit Anfang Jahr ist ein Abbau am Laufen. Die Post habe nun noch ein zweites, viel grösseres Projekt darüber gestülpt, sagt Bütikofer. Der Sozialplan fürs bestehende Abbau-Programm gilt auch fürs neue. Er umfasst Stellenvermittlung, Abgangsentschädigungen und eine Härtefall-Regelung.

Überrrascht auf den Abbau reagieren die Behörden. Für Dintikon sind das sehr schlechte Nachrichten, ja ein richtiger Schock», sagt Gemeindeammann Ruedi Würgler gegenüber az. Die Postlogistics sei einer der grössten Arbeitgeber in der 2000-Einwohner-Gemeinde. Was es für die Gemeinde im Detail bedeutet, kann Würgler noch nicht sagen. Postlogistics hat die Behördern nicht vorab informiert.

Harsche Kritik von Gewerkschaften

Die Gewerkschaft Syndicom übt den auch scharfe Kritik Kurs der der Post. «Die Schweizerische Post hat es nicht verstanden, das einstmals florierende, von Setz-Transporte übernommene Stückgut- und Lagerlogistik-Unternehmen in die Gewinnzone zu führen», schreibt die Gewerkschaft. Stattdessen sei die PostLogistics AG von einer Reorganisation in die nächste geschickt und mehr als einmal durchgeschüttelt worden.

Die Post führt den Wettbewerbsdruck als Grund für den Abbau an. Die Sparte Stückgut- und Lagerlogistik sei zunehmend einem international geprägten, aggressiven Wettbewerb und Preisdruck ausgesetzt. Um in diesem Umfeld zu bestehen, müsse das Unternehmen handeln.

Auch die Lagerlogistik will die Post bis zum Jahr 2014 schlanker organisieren: So werde beispielsweise im Sommer 2013 im zürcherischen Pfungen ein neuer Standort bezogen. Von dort aus könnten Nachtlogistik, Stückguttransport und Lageraktivitäten von einem einzigen Standort aus betrieben werden.

Länger arbeiten

Diejenigen Logistikmitarbeitenden, die bei der Post angestellt bleiben, sollen künftig mehr arbeiten müssen: Die Post will mit den Gewerkschaften über die Anhebung der Wochenarbeitszeit verhandeln, wie Post-Sprecher Mariano Masserini sagte. Die branchenübliche Richtzeit liege bei 46 Stunden pro Woche.

Auch bei den Ferien will die Post die Arbeitsbedingungen «an das branchenübliche Niveau» anpassen. Genauere Angaben konnte Masserini dazu nicht machen. Lohnanpassungen stünden aber nicht im Vordergrund. (rsn/sda)

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