Lenzburg
JVA-Sanierung: 1100 Büezer im Gefängnis werden streng überwacht

Die letzte und anspruchsvollste Etappe der 21 Mio. Franken teuren JVA-Sanierung wurde in Angriff genommen. Die Kontrolle der Handwerker ist streng, sie werden alle biometrisch erfasst und überwacht.

Ruth Steiner
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Marcel Ruf, der Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, in jenem Gefängnistrakt, der renoviert wird. Chris Iseli

Marcel Ruf, der Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, in jenem Gefängnistrakt, der renoviert wird. Chris Iseli

Chris Iseli

Wieder selber gebackene Wähen

Die JVA-Sanierung hat auch die Produktionsstätten tangiert. Die Bäckerei musste zeitweise geschlossen werden. Direkte Folgen für das Angebot im 5-Stern-Laden hatte dies zwar nicht. Brot, Zöpfe, Gebäck und mittwochs die Wähen blieben stets im Angebot, doch musste deren Produktion vorübergehend ausgelagert werden. Wie Verwalter Christoph Hug sagt, ist das nicht ohne Konsequenzen geblieben. «Vor allem die Nachfrage nach Wähen ist in dieser Zeit spürbar zurückgegangen.» Weshalb das so ist, kann sich Hug nur damit erklären, dass «die Leute halt doch lieber Eigenfabrikate wollen.» Jetzt ist es soweit: «Die Wähen werden wieder im Gefängnis gebacken.» Und damit sei auch die Nachfrage nach salzigen und süssen Wähen umgehend wieder gestiegen und habe die ursprüngliche Absatzmenge bereits wieder erreicht», freut sich Hug. (str)

Wer ausserhalb der Gefängnismauern lebt, hat von der Sanierung der Justizvollzugsanstalt (JVA) in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht viel mitbekommen.

Wer hingegen im Gefängnis selber sitzt, hat in dieser Zeit ganz viel Dreck abbekommen, wie der Augenschein vor Ort zeigt. Die grosszügig ausgelegten Teppichresten als Schmutzschleusen zeugen zwar vom guten Willen, den Schmutzradius zu begrenzen. Trotzdem ist das Reinigungspersonal omnipräsent, wedelt mit dem Putzlappen und zieht die Böden feucht auf. JVA-Direktor Marcel Ruf bestätigt: «Unsere Leute sind den ganzen Tag am Putzen.» Das hat seinen guten Grund: Im Zuge der laufenden Umbau- und Sanierungsmassnahmen der JVA, welche sich auf rund 21 Millionen Franken belaufen, müssen die Fenster der einzelnen Gefängniszellen vergrössert werden. Und zwar um fast das Doppelte, auf neu 90 mal 132 Zentimeter. Derart kleine Fenster aus dem Jahr 1864 entsprechen heute nicht mehr den Anforderungen des Subventionsgesetzes des Bundes. Und dieses orientiert sich an den europäischen Empfehlungen für Menschenrechte.

Anspruchsvollste letzte Etappe

Schmutzschleudern sind die Spezialmaschinen, welche sich mit lautem Surren und Dröhnen in die dicken Gefängnismauern fressen. Den Dreck und Staub, den sie dabei aufwirbeln, zieht als dicker Nebelschleier durch den Gang und bleibt als zähe, weisse Schicht auf dem Boden haften.

Nicht zuletzt um den Schmutzbefall in Grenzen zu halten, wurden die einzelnen Zellenflügel der JVA während der Bauphase mit einer Holzwand von der übrigen Anstalt getrennt. So konnte die Verschmutzung bisher in räumlichen Grenzen gehalten werden, sagt Marcel Ruf.

Nun ist der Baustellendreck absehbar. Nach fast drei Jahren werden die Bauarbeiten Ende August abgeschlossen sein. Bisher sei alles nach Plan verlaufen, zeigt sich der JVA-Direktor zufrieden. Bei der JVA-Sanierung ist man jetzt auf die Ziellinie eingebogen. Vor kurzem wurde die vierte und letzte Sanierungsetappe in Angriff genommen. Sie stelle ganz besondere Anforderungen an die Verantwortlichen, erklärt Marcel Ruf. Von den Arbeiten betroffen sind das Zentrum um den Dienstpavillon der JVA, von wo aus die einzelnen Flügel angesteuert werden können, und die Hauswirtschaft im Flügel IV. Im Keller dieses Trakts befindet sich die Wäscherei, im Parterre die Küche und im Obergeschoss die Büglerei, sie müssen auch während der Bauarbeiten täglich funktionieren. In einem Gefängnisbetrieb ist das nicht so einfach und verlangt besondere Massnahmen. «Zu den einzelnen Hauswirtschaftsräumen mussten provisorische Zugänge erschlossen werden.» Dafür mussten wiederum die sicherheitstechnischen Vorkehrungen angepasst werden, was jeweils mit viel Aufwand verbunden sei, verrät der JVA-Direktor. Dabei muss nicht nur die Zirkulation der Gefangenen sicher geregelt werden.

Mehr Büezer als Gefangene

Ebenso streng ist die Kontrolle für die Handwerker, welche in die Bautätigkeit involviert sind. Marcel Ruf zeigt in die Richtung der Maler, die auf hohen Baugerüsten stehen und die mit der Zeit dunkel gewordenen Wände auffrischen. «Jeder einzelne von ihnen ist biometrisch erfasst und wird überwacht.» Auf der Baustelle JVA arbeiten in Spitzenzeiten bis zu 100 Fachleute aufs Mal. «Total gegen 1100 Handwerker», weiss Ruf.

Im Gefängnis arbeiten dürfen nur jene, die eine saubere Weste haben, bestätigt Ruf die Vermutung der Reporterin und erklärt, die persönlichen Daten würden im Voraus einem exakten Sicherheitscheck unterzogen. Wer also etwas auf dem Kerbholz hat, bleibt draussen. Gab es tatsächlich Büezer, die über die Klinge springen mussten? Wenige, antwortet Ruf, diese seien an einer Hand abzuzählen.

Ebenso wie für Gefangene und Besucher gilt auch für die Handwerker in der JVA ein Mobiltelefonverbot. Das Handy wird bei Arbeitsbeginn deponiert und bei Arbeitsschluss wieder ausgehändigt. Schummeln liegt nicht drin: In der JVA sind Handy-Detektoren montiert und verraten jeden, der verbotenerweise ein Mobile ins Gefängnis schmuggelt.

Verläuft weiterhin alles nach Plan, so werden die Baucontainer, welche derzeit den Innenhof versperren, Ende Sommer wieder abgebaut. In der JVA kehrt wieder der Gefängnis-Alltag ein. Ist Marcel Ruf froh darum? «Der Druck auf den Betrieb war zeitweise doch sehr hoch, wir sind froh, dass bald wieder der wesentlich übersichtlichere Alltag einkehrt.»

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