Landwirtschaft
Jungwinzer investiert in Wildegger Reben

Der 19-jährige Landwirt und Jungwinzer Philipp Fehlmann hat den Schloss-Rebberg von Schloss Wildegg gepachtet.

Markus Christen
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Es sei kein ertragreiches Jahr für die Aargauer Trauben, sagt Philipp Fehlmann (19) aus Möriken. Wir stehen am Südhang von Schloss Wildegg. Es ist Samstagnachmittag und mehr als 25 freiwillige Helfer haben sich eingefunden zur Unterstützung für die Weinlese. «Das Wetter war äusserst unvorteilhaft und sehr feucht. Es herrschten ideale Bedingungen für Pilze und andere Schädlinge.»

Fehlmann hat im Juli seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen. Während jeweils eines Jahres weilte er auf einem Hof in Payerne und in Rubigen bei Bern. Das theoretische Wissen erwarb er am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen. «Für mich war immer klar», sagt der junge Bauer, «wenn ich zurück nach Möriken komme, will ich Verantwortung übernehmen.»

Dies ist jetzt schneller geschehen, als er es sich hätte denken können. Noch im letzten Jahr hatte Fehlmann erfahren, dass das Weingut in Möriken einen neuen Bewirtschafter sucht. Einige Monate nahm er sich Zeit, um über die Pachtbedingungen nachzudenken. Im März schliesslich unterschrieb er den Vertrag.

Gesamte Ersparnisse investiert

Der Pachtvertrag hat eine Laufdauer von 12 Jahren. Philipp Fehlmann hat seine ganzen Ersparnisse in dieses Projekt investiert und gleichzeitig viele Geldgeber mit ins Boot holen können. «Natürlich ist es mir etwas bange zumute, wenn ich an die kommenden Jahre denke», erklärt er, «doch für mich symbolisiert diese künftige Aufgabe meine Rückkehr nach Möriken.» Ausserdem, so sagt Fehlmann, sehe er keine grundsätzlichen Probleme darin, Schulden zu machen. Auf andere Art sei ein neues Geschäftsvorhaben in der Landwirtschaft kaum mehr realisierbar.

Fehlmann macht sich öfter Gedanken über die Zukunft der Landwirtschaftsbranche in der Schweiz. «Während meiner Ausbildung konnte ich mich mit Städtern über ihre Meinung zum Bauernstand unterhalten. Dabei habe ich gelernt, dass Stadt und Land sich nicht ausschliessen.» Am Ende würden beide Seiten voneinander profitieren und die Bauern müssten lernen, sich dem wirtschaftlichen Wandel anzupassen.

Wildegger Wein bekannt machen

Angebote, nach der Lehre sogar im Ausland zu arbeiten, waren durchaus vorhanden, doch die Verwurzelung mit dem Dorf, in welchem Philipp Fehlmann aufgewachsen ist, reicht tief. «Ich möchte in Zukunft den Bekanntheitsgrad des Wildegger Weines steigern.» Wenn man ehrlich sei, so Fehlmann, sei dessen Ruf in den letzten Jahren nicht allzu gut gewesen. Der Schwerpunkt in der Produktion wird auf die Qualität gesetzt.

Was er neben der interessanten Arbeit schätze, sei der enge Kundenkontakt, sagt Fehlmann. So sei es ihm möglich, unmittelbar auf die Reaktionen der Kunden einzugehen und seine Produkte zu verbessern.

Biologischer Anbau

Eine Bedingung im Pachtvertrag war, dass die Trauben biologisch angebaut werden müssen. Dies sorgt für die Exklusivität des Weines, dafür müssen aber auch Konzessionen eingegangen werden. 7500 Flaschen Wein hat der Jungwinzer für dieses Jahr bilanziert. Aber eben, das Wetter hat nicht mitgespielt.

Sein Mut und seine Zuversicht sind trotzdem ungebrochen. Fehlmann hat als unerfahrener Winzer und Quereinsteiger in seinen jungen Jahren ein grosses Risiko und viel Verantwortung auf sich genommen. Deshalb ist er dankbar für all die Unterstützung, die er erhält. «Ohne die Helfer wäre mein Projekt gar nicht realisierbar gewesen.» Er bedankt sich im Gegenzug am 23. Oktober mit einem Helferfest und will in den nächsten Jahren ein Rebfest für alle interessierten Besucher etablieren.

Hinweis Wer den Wein von Philipp Fehlmann kosten möchte, kann diesen im Bio-Hofladen von Silvia und Alois Huber beim Schloss Wildegg kaufen oder direkt mit Philipp Fehlmann Kontakt aufnehmen philipp.fehlmann@hotmail.com.