Angelrain
Jugenstilvilla von 1897: Ein Stück Lenzburger Geschichte steht zum Verkauf

Reich verzierte Veranda, prächtiger Eingangsvorbau: Die Stadt verkauft für 1650000 Franken die Jugendstilvilla, in der momentan noch die Musikschule untergebracht ist. Für den Kauf des Hauses gibt es bereits mehrere Interessenten.

Janine Gloor
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1897 wurde die Fabrikantenvilla erbaut, nach 35 Jahren als Musikschule braucht die Stadt das Haus nicht mehr.

1897 wurde die Fabrikantenvilla erbaut, nach 35 Jahren als Musikschule braucht die Stadt das Haus nicht mehr.

Chris Iseli

Tausende von Kinderfüssen haben die hölzernen Stufen im Haus dieser Villa zum Knarren gebracht. Seit 1982 ist die Musikschule Lenzburg in der Jugendstilvilla an der Angelrainstrasse 4 untergebracht.

Doch in diesem Haus wird nicht mehr lange geflötet und getrommelt, auf das neue Schuljahr zieht die Musikschule in das ehemalige Bezirksschulhaus am Bleicherain. Die Stadt hat für das herrschaftliche Haus keinen Bedarf mehr; die Villa ist zum Verkauf ausgeschrieben.

Den Schülerinnen und Schülern, die hier ein und aus gegangen sind, dürfte es nicht gross aufgefallen sein, doch hier ist für 1 650 000 Franken etwas Einmaliges zu haben. Das Haus ist 1897 erbaut worden und bildet mit drei weiteren Fabrikantenvillen südlich der Bahnhofstrasse an der Angelrainstrasse ein Ensemble.

Zwei dieser Villen sind für ehemalige Hero-Direktoren erbaut worden. Die Musikschul-Villa gehörte dem Oberrichter und Bankdirektor Heinrich Irmiger. Die Villa wurde im Stil des späten Historismus errichtet und fällt auf. Ein spitzes Dach, von dem vier hohe Metallspitzen wie Antennen in den Himmel ragen, ein grosser Umschwung, eine reich verzierte Veranda und ein prächtiger Eingangsvorbau.

Dieser befindet sich auf der Westseite der Villa zum Turnerweg hin. Der Vorbau wurde 1929 hinzugefügt und wölbt sich mit auffällig gestalteten Fenstern meterhoch über einem Eingangsbereich. Dessen Tür stammt noch aus der Erbauerzeit.

Das Haus verfügt über eine Nutzfläche von zirka 274 Quadratmetern auf 8 Zimmern. Küche und Badzimmer verfügen gemäss der Verkaufsdokumentation über einen einfachen Ausbau, geheizt wird mit Gas, im Erdgeschoss befindet sich ein Kachelofen. Trotz ihres prachtvollen Äusseren – oder gerade deswegen – ist der Villa ihr Alter anzusehen.

«Die Liegenschaft befindet sich ganzheitlich gesehen in einem mittelmässigen Zustand», heisst es in der Verkaufsdokumentation der Stadt. Auf den Käufer oder die Käuferin kommen grössere Investitionen zu. Dabei spielt auch die zukünftige Nutzung eine Rolle.

«Das Haus wurde 35 Jahre als Musikschule genutzt, da gibt es verschiedene Anpassungen, um es wieder für Wohnzwecke zu nutzen», sagt Thomas Hofstetter vom Stadtbauamt Lenzburg. Die Villa befindet sich in der Spezialzone Bahnhof, Bahnhofstrasse und Malagarain.

Hier kann gewohnt oder ein nicht störendes bis mässig störendes Gewerbe betrieben werden. «Zum Beispiel ein Architekturbüro oder eine Arztpraxis», sagt Hofstetter. Interessenten für das markante Haus gebe es bereits mehrere.

Zusammen mit den Nachbarsvillen gehört die Villa zum Bauinventar des Kantons und ist schutzwürdig. Auch die Grünstruktur – der Garten – sei zu erhalten, besonders die Bäume. Nordwestlich des Hauses steht eine bauzeitliche Remise mit hübsch verzierten Giebeln. Den Garten mit einem weiteren Wohnhaus zu versehen, wird nicht möglich sein.