Lenzburg
Jugendspiel verzaubert mit musikalischer Sage aus der Heimat des Dirigenten

Urs Erdin liess sich von der Sage Sinzenmatt zu einem Musikstück inspirieren. Diese handelt von einem Landmädchen aus Gansingen. Dort feierte die Geschichte als Freilichttheater Erfolge. Nun wird sie vom Jugendspiel diese Woche aufgeführt.

Andrea Marthaler
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Dirigent Urs Erdin probt mit dem Jugendspiel das Stück «Sinzenmatt». Doch schon bald gilt es ernst.

Dirigent Urs Erdin probt mit dem Jugendspiel das Stück «Sinzenmatt». Doch schon bald gilt es ernst.

«Hier muss es schneller gehen.» «Das Schlagzeug ist noch zu laut, nimm es etwas zurück.» Es ist eine der letzten Proben des Jugendspiels Lenzburg vor der Uraufführung der Sage Sinzenmatt. Der Dirigent gibt Anweisungen für den letzten Schliff. Das Meiste sitzt bereits. Die rund 40 Jugendlichen sind konzentriert bei der Sache, schliesslich ist es auch ein ganz besonderes Stück, das sie spielen.

Urs Erdin, Dirigent des Jugendspiels, hat das Stück für Blasorchester selber verfasst. Inspiriert hat ihn dazu eine alte Sage. «Ich bin vor einigen Jahren auf ‹Sinzenmatt›, gestossen. Es handelt von einem Gansinger Landmädchen. Weil ich selber dort aufgewachsen bin, hatte ich Lust, diese Geschichte zu vertonen.» Allerdings sei das Werk bald darauf eine Schubladennummer geworden. Daraus hervorgeholt hat Erdin die Partitur im Jahr 2010, als sein ehemaliger Lehrer beschloss, die Sage in Gansingen als Freilichtspiel aufzuführen. «Das Freilichtspiel wurde ein Hit. Darauf habe ich das Stück doch noch fertig geschrieben.»

Anspruchsvolles Werk

Zum Glück, denn sonst könnte das Jugendspiel Lenzburg das fünfsätzige Werk nicht diesen Donnerstag und Freitag uraufführen. Bei den Jugendlichen kommt die Musik gut an. «Sie gefällt mir sehr gut, denn sie bietet einen guten Mix», sagt der 13-jährige Mathieu Bitz aus Lenzburg. Das Stück sei schwierig gewesen zum Einstudieren, betont der Saxofonist. Das bekräftigt Selina Hauri aus Staufen. «Es ist anspruchsvoller und in einer anderen Tonart, als unsere anderen Stücke.» Schön findet die 18-jährige Querflötistin, dass neue Instrumente zugezogen wurden, wie zum Beispiel eine Harfe. Weil Urs Erdin das Werk nicht speziell für das Jugendspiel Lenzburg geschrieben hat, musste er externe Musiker für jene Instrumente zuziehen, die in der Stammbesetzung nicht vorkommen. «Für die Dramaturgie der Geschichte kommen viel Perkussion und auch Effektinstrumente dazu», erklärt Erdin.

Musik, Tanz und Text verbinden

Nicht nur zusätzliche Musiker hat Erdin engagiert. Auch zwei Tänzerinnen und ein Slam Poet wirken mit. Simon Libsig hat aus der Sage eine eigene Geschichte geschrieben und wird diese zwischen den Musiksätzen erzählen. Simone Frey und Anabel Marques erwecken mit ihrem Tanz die Figuren der Geschichte zum Leben. Der Platz in der Kirche ist knapp, die Musik anspruchsvoll – die Tänzerinnen sind gefordert: «Die Musik ist ungewohnt zum Tanzen. Sie hat viele Rhythmenwechsel», beschreibt Simone Frey. Sie zeigen denn auch keinen klassischen Tanz zeigen, viel mehr stellen sie die Figuren der Sage dar.

Die drei Teile Musik, Tanz und Text werden erstmals bei der Hauptprobe heute Dienstag zusammengefügt. «Es sind drei eigenständige Interpretationen der Geschichte», betont Erdin, «die Sage ist der rote Faden.» Wie er freuen sich auch die Jugendlichen über dieses Zusammenspiel der drei Elemente. «Es ist toll, dass die Geschichte erzählt wird und zudem getanzt wird», sagt Selina Hauri. Auch für das Einstudieren habe sie es hilfreich gefunden, dass hinter der Musik eine Handlung steckt. «Urs Erdin hat uns erzählt, welche Szenen in den Sätzen erzählt werden.» So sei es einfacher gewesen, die passenden Gefühle in die Musik zu legen. Eine gute Voraussetzung also, dass sich auch die Zuhörer an der Uraufführung von der die Sage über Hexenmagie, Zigeuner und Liebe verzaubern lassen.

Uraufführung der Sage Sinzenmatt in der Reformierten Kirche Lenzburg: 22. und 23 Mai, 20 Uhr. Abendkasse.