Lenzburg

Jugendbande ist aus Langeweile in Badis und Kioske eingebrochen

Lenzburger Jugendbande vor Gericht

Lenzburger Jugendbande vor Gericht

Unterwegs war die Bande auf ihrer Raubtour meist zu viert. Zwei Bandenmitglieder waren zum Tatzeitpunkt noch minderjährig und wurden nach Jugendrecht verurteilt.

Der heute 23-jährige Kosovare Loran* und der gleichaltrige Serbe Branko* mussten sich nun gestern vor dem Bezirksgericht Lenzburg für ihre Taten verantworten. Der Vorwurf: Banden- und gewerbsmässiger Diebstahl, Hehlerei und mehrfacher Hausfriedensbruch.

Mit gefalteten Händen sassen die jungen Männer vor dem Richter. Sie blickten unterwürfig vor sich auf den Tisch und beteuerten ständig, wie leid ihnen alles tue. Wer das beobachtete, glaubte kaum, dass es dieselben Männer waren, von denen in der langen Anklageschrift zu lesen war.

Denn Loran und Branko hatten es 2010 faustdick hinter den Ohren, obwohl sie ziemlich stümperhaft vorgingen. Bevorzugt brachen sie in Badis ein. In Wildegg entwendeten sie wenig Bargeld, drei Schwimmbrillen und 10er-Abos. In Windisch fanden sie 600 Franken und liessen die Kühltruhe offen stehen. Dadurch tauten Glacés im Wert von 550 Franken auf. Ausser ein bisschen Bargeld, Esswaren und vier Flaschen Wein erbeuteten sie auch in der Badi Auenstein nicht viel.

Geburtstag in U-Haft

Beide Beschuldigten haben Vorstrafen. Doch Branko in Lederschuhen, Karohemd und Dreitagebart versprach, dass er nun wirklich «aus jedem Fehler ein bisschen gelernt habe». Er wisse nun, was es heisse, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Seinen 21. Geburtstag verbrachte er in Untersuchungshaft.

Wenige Tage nach der Entlassung fand er einen Job. Er wohnt bei seinen Eltern, baute seit der U-Haft mehrere zehntausend Franken Schulden ab. Er wolle ein gutes Leben. «Heiraten, Kinder, Geld – alles in einem Paket», sagte er.

Gerichtspräsident Aeschbach wollte von Loran wissen, weshalb er sich so viel zuschulden kommen liess. Es wäre jetzt blöd, nur dem Freundeskreis, die Schuld zu geben, sagt er. «Man ist auch selber schuld.» Doch nun sei er wieder auf dem Boden.

Nicht wie damals, als er bei einer sozialen Institution in Lenzburg einbrach und den Tresor stahl. Oder als er beim Pizzakurier einstieg und den Spielautomaten knackte. Dreist war auch, als Loran gemeinsam mit Branko das Auto einer Frau demolierte – in ihrem Auftrag, um das Versicherungsgeld zu kassieren. Dabei machten Branko und Loran heimlich Handyaufnahmen davon, wie die Frau ihnen den Auftrag erteilte. Damit erpressten sie die Frau. Sie meldete sich jedoch bei der Polizei.

Der Oberstaatsanwalt fand die Taten verwerflich, wertete aber positiv, dass sich nun beide darum kümmerten, ihr Leben in Ordnung zu bringen. Er forderte eine teilbedingte Freiheitsstrafe. Die Verteidiger pochten auf lange Probezeiten und bedingte Freiheitsstrafen.

«Vielen Dank»

Das Gericht beriet sich lang. Loran und Branko sprachen während der Pause kein Wort zusammen.

Gerichtspräsident Daniel Aeschbach erhob den Zeigefinger und sagte: «Das ist der letzte Warnfinger.» Die Strafe für Loran: bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, bedingte Geldstrafe von 19 800 Franken, Busse von 5000 Franken. Milder das Urteil für Branko: Bedingte 18-monatige Freiheitsstrafe, bedinge Geldstrafe von 10 800 Franken, Busse von 4000 Franken. Beide bekamen eine lange Bewährungszeit von fünf Jahren. «Das heisst also, sie müssen nicht ins Käfig», sagte der Gerichtspräsident. «Danke vielmal», flüsterte Branko.

Grund für das milde Urteil war das gute Verhalten während der vergangenen zwei Jahre und die dadurch gute Prognose für die Zukunft.

* Namen geändert

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