Schloss Hallwyl

Jonas Müller rückt den Barbier ins richtige Licht

Im Container der Licht- und Tonregie ist Eventtechniker Jonas Müller bei jeder Opern-Vorstellung in seinem Element.

Im Container der Licht- und Tonregie ist Eventtechniker Jonas Müller bei jeder Opern-Vorstellung in seinem Element.

Der Fricktaler Jonas Müller ist bei der Oper «Il Barbiere di Siviglia» für Licht und Ton zuständig. Während der Aufführung muss das vorprogrammierte Lichtprogramm taktgenau ausgelöst werden.

Damit der Figaro im in den Hallwyl-Schlosshof verlegten Sevilla die Strippen ziehen kann, braucht es neben den Protagonisten auf Bühne und Orchesterpodium viele Helfer im Hintergrund. Eine der wichtigsten Personen ist der erst 24-jährige Jonas Müller, der bei den Freiluft-Opernvorstellungen dafür sorgt, dass Rossinis «Barbiere» im richtigen Licht daherkommt. Er bildet sich zum Fachmann für Veranstaltungstechnik aus.

Der gebürtige Fricktaler Müller ist seit seiner Jugend fasziniert von den Anlagen rund um Veranstaltungen. Was schon früh mit Geburtstagspartys begonnen, erfährt nun während der Open-Air-Oper in Schloss Hallwyl ihren Höhepunkt. «Es hat mich immer mehr gepackt», schildert Müller seinen Weg, der ihn zur schweizweit bekannten Eventtechnik-Firma SmARTec in Aarau geführt hat.

Für seinen Arbeitgeber ist Jonas Müller nun nahezu bei jeder «Barbiere»-Vorstellung präsent. Seine Checkliste vor und während den Opern ist lang und Gewissenhaftigkeit ist da gefordert: Die Kontrolle aller technischen Anlagen gehört immer dazu. Hat der Wind die Ausrichtung eines Scheinwerfers verändert?, ist eine der vielen Fragen, die sich da stellt.

Während der Aufführung muss das vorprogrammierte Lichtprogramm taktgenau ausgelöst werden. Dies ist gerade beim «Barbiere», wo auch Gewitterstimmungen auf der Bühne simuliert werden, eine gewisse Herausforderung.

Zum Licht kam noch der Ton

Begonnen haben die Arbeiten für die Veranstaltungstechniker jedoch lange vor der Premiere. «Zum Licht kam hier noch der Ton dazu», hält Jonas Müller fest. Wegen den speziellen Rahmenbedingungen – das Orchester befindet sich erhöht hinter der Bühne – wurden bei der nunmehrigen vierten Hallwyl-Oper-Produktion erstmals nicht nur Bildmonitore montiert, auf denen Solisten und Chormitglieder die Einsätze des Dirigenten sehen, sondern auch Tonmonitore (kleine Lautsprecher) auf denen die Sänger das Orchester besser hören und Dirigent Philipp Bach die Sänger auch hört, wenn wegen den Riesenbüchern im Bühnenbild der direkte Kontakt nicht möglich ist.

«Wir haben viele Möglichkeiten ausprobiert; bis wir eine passende Lösung gefunden haben», schildert Müller den nicht ganz einfachen Abstimmungskampf um Tausendstelsekunden, damit das Ergebnis schlussendlich stimmt: «Unser Hauptjob ist es, sicherzustellen, dass sich die Künstler auf der Bühne wohlfühlen», fasst der junge Techniker seine Aufgabe zusammen. Pure Technik hilft da nicht immer weiter: «Da muss man oft auch ein wenig ‹Gspüri› haben und am Schluss habe ich Freude, wenn alles klappt.»

Eigentlich noch «Lehrling»

Ganz streng genommen, ist Jonas Müller eigentlich noch Lehrling. Erst seit kurzem kann man sich in der Schweiz offiziell zum Fachmann für Veranstaltungstechnik ausbilden lassen. Müller jedoch, der seine Passion zum Beruf machen wollte, hat sich für einen andern Weg entschieden und belegt an der Event-Akademie im deutschen Baden-Baden einen entsprechenden Lehrgang.

Er steckt im zweiten von drei Ausbildungsjahren und absolviert regelmässig Kursblöcke zu Themen wie Licht, Ton, Video, Statik (für Bühnenbauten), CAD-Zeichnen oder Disposition. Seine periodischen Abstecher nach Deutschland verlängert der Schweizer Auszubildende, indem er an Abenden und Wochenenden Zusatzkurse wie Brandschutz, Pyrotechnik, Laserschutz oder Höhenarbeit belegt.

Vielseitigkeit und Kontakte

Gerade die Vielseitigkeit schätzt Müller, der als notwendige Erstausbildung eine Lehre als Automechaniker absolvierte, besonders an seiner neuen Arbeit. Heute Oper, morgen ein Firmenanlass, dann ein Theater. Da nimmt er «die unregelmässigen Arbeitszeiten gerne in Kauf».

Als reizvoll schätzt der Eventtechniker auch die Kontakte mit den vielen verschiedenen Personen ein. Da macht ihm der Abschluss der «Barbiere»-Produktion schon heute etwas Sorgen: «Nach gut zweimonatiger intensiver Zusammenarbeit wird es schwierig werden, sich von dieser Crew zu lösen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1