Prozess in Lenzburg

Jogger mit dem Auto gejagt: Jetzt muss der Fahrer für Jahre ins Gefängnis

Ein zur Tatzeit 25-jähriger Mann muss für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Bezirksgericht erkannte auf mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung. Doch auch wegen Sodomie wurde der Mann verurteilt.

Das Bezirksgericht Lenzburg AG schickt einen Autofahrer für 5,5 Jahre hinter Gitter. Dieser hatte auf einem Feldweg in Hallwil AG einen Jogger angefahren und ihn schwer verletzt.

Das Gericht wirft dem heute 28-Jährigen mehrfache versuchte, vorsätzliche Tötung vor. Zugleich wurde der Mann wegen sodomistischen Bildern auf seinem Handy zu einer bedingen Geldstrafe von 7200 Franken und einer Busse von 1400 Franken verurteilt.

Auch sonst wird es für den Mann richtig teuer. Er muss unter anderem Verfahrenskosten in Höhe von rund 40'000 Franken, die Kosten für den Verteidiger des Klägers in Höhe von 12'000 Franken sowie Genugtuungs- und Schadenersatzkosten in Höhe von rund 20'000 Franken berappen.

Jogger absichtlich angefahren?

Jogger absichtlich angefahren?

Vor bald drei Jahren fuhr ein Autolenker nach einem Streit einen Jogger an. Wie er damals sagte, war es ein Unfall. Das Gericht glaubt ihm aber nicht und verurteilt ihn.

Das Gericht begründete sein Urteil damit, dass der Mann bewusst auf den Jogger links von ihm auf dem Feld zugefahren sei. Mit dieser Begründung und mit dem Urteil folgte das Gericht grösstenteils der Staatsanwaltschaft.

Die Anträge waren meilenweit auseinander gelegen. Die Staatsanwaltschaft hatte 7,5 Jahre wegen versuchter, vorsätzlicher Tötung oder im Eventualfall 5 Jahre wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens und fahrlässiger schwerer Körperverletzung gefordert.

Der Verteidiger plädierte auf fahrlässige Körperverletzung. Er erachtete eine Busse in Höhe von 180 Tagessätzen à 150 Franken als genügend. Es habe sich um einen simplen Verkehrsunfall gehandelt sagte er. Staatsanwaltschaft und Presse hätten aus dem Autofahrer ein Monster gemacht.

Der Vorfall ereignete sich am Abend des 16. August 2013: Der damals 25-jährige Täter und sein Kollege halfen mit beim Aufbau des Grümpelturniers, das am Tag danach stattfinden sollte. Ihr Auto hatten sie auf dem Radweg parkiert. Darüber regten sich zwei Jogger auf. Einer soll aufs Auto geschlagen haben, dann kam es zum Streit.

Jogger in Hallwil angefahren: Unfallfahrer ist in U-Haft

Jogger in Hallwil angefahren: Unfallfahrer ist in U-Haft

Als die Jogger weiterzogen, stieg der Täter mit seinem Kollegen ins Auto, einen VW Passat, und fuhr den beiden Joggern in erhöhter Geschwindingkeit auf dem Haldenweg nach.

«Er wollte den beiden nur ein bisschen Angst machen», sagte der Beifahrer später. Die Jogger wichen aufs Feld aus – der eine nach links, der andere nach rechts.

In dem Moment bog der Täter mit seinem Auto nach links und erfasste einen Jogger nach ein paar Metern frontal. Die Ermittlungen ergaben, dass der Täter mit zwischen 45 und 54 km/h in den Jogger hineinfuhr. Dieser erlitt lebensbedrohliche Verletzungen.

Vorsatz oder doch nur ein Unfall?

Der Beifahrer behauptete gegenüber dem Blick, der Täter habe den Jogger «sicher nicht überfahren wollen».

Da sie nicht aus dem Weg gingen, habe der Fahrer den beiden Joggern links über das Feld ausweichen wollen. Doch in dem Moment sei einer der Jogger nach links ins Feld gerannt, direkt vors Auto.

Der zweite Jogger hingegen sagte damals zu Tele M1: «Der Fahrer zielte auf meinen Kollegen, damit er ihn sicher erwischt.»

Nach zweijähriger Untersuchung hat die Staatsanwaltschaft Lenzburg im Oktober 2015 Anklage erhoben gegen den Täter wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung. Mehrfach, weil der Täter beide Jogger mit seinem Auto verfolgt hatte. Gefordert waren 7½ Jahre Freiheitsentzug.

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