Bezirksgericht Lenzburg
Jogger mit Auto gejagt: Freund des Fahrers findet Urteil zu hart

Fünfeinhalb Jahre Gefängnis – dies ist die Strafe, die das Bezirksgericht Lenzburg gegen den Autofahrer gesprochen hat, der vor drei Jahren einen Jogger absichtlich anfuhr. Nun äussert sich ein guter Freund des Verurteilten – er macht sich grosse Sorgen.

Drucken
Teilen

Rolf Urech musste nach dem Urteil des Bezirksgericht Lenzburgs viele tröstende Worte sprechen. Das Urteil hat seinen Kollegen schwer getroffen. „Er ist total in sich zusammengebrochen." Ganz weiss sei er im Gesicht geworden. "Nachher konnte er nur noch heulen“, sagte er gegenüber Tele M1.

Der Kollege von Rolf Urech hat vor drei Jahren nach einem Streit zwei Jogger mit dem Auto verfolgt, einen von ihnen angefahren und dabei schwer verletzt.

Passiert ist es in Hallwil, auf einem Fahrradweg. Das Gericht war der Meinung, dass der Autofahrer beide Jogger versucht habe zu töten und verurteilte den damals 25-Jährigen wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.

Das Auto des Täters wurde nach dem Unfall in Hallwil gefunden.
5 Bilder
Der Täter fuhr einen VW Passat.
Das Auto fuhr vom Haldenweg aufs Feld.
Die Polizei sichert vor Ort die Spuren.
Mit zwischen 45 und 54 km/h soll der Täter in den Jogger hineingefahren sein.

Das Auto des Täters wurde nach dem Unfall in Hallwil gefunden.

Kapo AG

Ein Strafmass, das den Anwalt André Kuhn nicht erstaunt. "Gemäss Strafgesetzbuch liegt die Mindeststrafe für eine vollendete Tötung bei fünf Jahren. Bei einer versuchten Tötung kann das Gericht die Strafe tiefer ansetzen." Wenn aber mehrere Geschädigte involviert seien, könne das Gericht die Strafe dann auch wieder erhöhen, sagte er gegenüber dem Regionalsender.

"Es war ein Blödsinn"

Rolf Urech ist überzeugt: Sein guter Freund wollte keinen der beiden Jogger töten. Denn: "Wenn er sie hätte umbringen wollen, wäre er noch einmal rückwärts über sie gefahren." Für ihn ist der Fall klar: "Es war ein Blödsinn. Emotional. Nicht überlegt." Darum solle er das Urteil nun ans Obericht weiterziehen.

Das könne sich lohnen, so Anwalt André Kuhn. Aber nur wenn er die Richter davon überzeugen könne, „dass er nicht damit gerechnet hätte, dass die beiden involvierten Menschen sterben könnten." Sondern allenfalls nur verletzt würden. Kuhn fährt fort: "Dann wären wir bei einer Körperverletzung. Und für Körperverletzung wäre die Strafe tiefer anzusetzen."

Ein Hoffnungsschimmer bleibt dem 28-Jährigen Seetaler also. Zuerst will er aber das begründete Urteil abwarten. (fvo)

Aktuelle Nachrichten