Lenzburg/Niederlenz
Jetzt wird gebohrt: Gemeinden suchen nach neuen Standorten für Kiesabbau

Mit Sondierbohrungen wird in Lenzburg und Niederlenz nach neuen Standorten für den Kies-Abbau gesucht. Dieser soll auch in Zukunft zu den sicheren Einnahmequellen der Ortsbürgergemeinden gehören.

Ruth Steiner
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Sondierbohrungen in Lenzburg und Niederlenz

Sondierbohrungen in Lenzburg und Niederlenz

Ruth Steiner
Kies-Lenz-Geschäftsführer Michael Sutter und Auditor Urs Meier (v.l.).

Kies-Lenz-Geschäftsführer Michael Sutter und Auditor Urs Meier (v.l.).

Ruth Steiner

In den Werken der Ortsbürgergemeinden Lenzburg und Niederlenz fliesst der Kies ungebrochen: 2017 hat die gemeinsame Kies Lenz AG in Lenzburg 111 250 Kubikmeter und in Niederlenz 98 418 Kubikmeter Kies abgebaut. Im gleichen Zeitabschnitt wurde ebenso eifrig in den ökologischen Ausgleich investiert. Seit Jahren schon sind an beiden Orten Bemühungen im Gange, um einer grossen Artenvielfalt an Flora und Fauna den wertvollen Lebensraum nachhaltig zu sichern. In Lenzburg wurden im vergangenen Jahr 26 922 Kubikmeter Deponiegut aufgefüllt, in Niederlenz 70 366 Kubikmeter.

Der Kies soll auch in Zukunft zu den sicheren Einnahmequellen der Ortsbürgergemeinden gehören. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern beider Parteien und Fach-Ingenieuren ist seit einiger Zeit daran, sich mit der langfristigen Rohstoffversorgung der Kieswerke auseinanderzusetzen und die erforderlichen Bewilligungsgesuche auszuarbeiten. Ziel ist es, den Kiesabbau für rund weitere 25 Jahre zu sichern.

An drei Orten wird gebohrt

Jetzt steht der nächste Schritt an: Mit gezielten Sondierbohrungen soll nun festgestellt werden, ob die vorgesehenen Standorte auch tatsächlich als künftige Kiesabbaugebiete infrage kommen. Dazu hält Heinrich Haller, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Kies Lenz AG und Präsident der Kieswerkkommission Niederlenz, fest: «Konkret geht es darum, an den Bohrstandorten Qualität und Tiefe des Kieses sowie des Grundwassers festzustellen.» Mit andern Worten: Es wird vorzeitig geklärt, ob sich ein Kiesabbau an diesen Stellen überhaupt rechnet.

Die drei geplanten Bohrstandorte sind von der zuständigen Abteilung Umwelt des Kantons bewilligt worden und im Rohstoffversorgungskonzept des Kantons Aargau (RVK) als mögliche Abbaugebiete vorgemerkt. Die konkreten Sondierbohrorte liegen allesamt im Randbereich von Waldwegen. Die Wege sollen von den Arbeiten jedoch nicht tangiert werden. Die jeweils rund eine Woche dauernden Bohrarbeiten werden an folgenden Standorten durchgeführt:

  • An der Industriestrasse in Lenzburg vis-à-vis der Baustelle für die neue Bausort Recycling-Oase.
  • Beim Rupperswilerweg in Lenzburg (A 1 eingangs Wald).
  • Bei der Hardimatte in Niederlenz (westlich des alten Schützenhauses).

Laut Martin Stücheli, Lenzburger Stadtrat und Verwaltungsrat der Kies Lenz AG, ist es für die Ortsbürgergemeinden wichtig, eine Zukunftsplanung über mögliche Abbaugebiete vorzunehmen. Für die gesamten Vorbereitungsarbeiten haben die Lenzburger Ortsbürger die entsprechenden Mittel über drei Jahre verteilt im Budget eingestellt; in Niederlenz hat die Ortsbürgergemeinde an der letzten Wintergmeind einen Bruttokredit von 300 000 Franken (Anteil Niederlenz 150 000 Franken) gesprochen.

Ökologische Begleitplanung

Kiesgruben bilden einen vielfältigen Lebensraum für seltene Flora und Fauna. Das ist auch in den Werken Lenzburg und Niederlenz nicht anders: Rund ein Drittel der Fläche wird mit ökologischen Ausgleichsmassnahmen bewirtschaftet. Das heisst: Nach dem Kiesabbau wird das Gebiet durch Rekultivierung, Renaturierung und Nachfolgenutzungen umgestaltet. In den zwei Kieswerken haben sich unter anderem Geburtshelferkröten (Glögglifrosch), Gelbbauchunken, Zauneidechsen und die Blauflügelige Sandschrecke angesiedelt. Die Werke Lenzburg und Niederlenz werden seit 1999 von der Stiftung Natur und Wirtschaft in ihrer Ausgleichsplanung begleitet und regelmässig als naturnahe und ökologisch wertvolle Kiesgruben ausgezeichnet.

In diesem Jahr wurden die beiden Kieswerke, die nun unter der Kies Lenz AG operieren, zum ersten Mal gemeinsam ausgezeichnet. An der kürzlich erfolgten Rezertifizierung durch Stiftungs-Auditor Urs Meier hielt Kies-Lenz-Verwaltungsrat Heinrich Haller fest: «Wir haben viel gemacht und ein hervorragendes Zusammenspiel zwischen Abbau und Renaturierung geschaffen.»

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