Meisterschwanden / Fahrwangen

Jetzt treiben es die «Meitli» speziell bunt – dieses Mal wieder mit Umzug

In Fahrwangen und Meisterschwanden beginnen die Meitlitage. Erstmals seit vier Jahren wieder mit Umzug.

Am Eidgenössischen Turnfest in Aarau fingen die «Seetaler Meitli» den damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer mit ihren Grasbögen ein und präsentierten den Besuchern des Turnfestes so ihren Brauch, der auf das Jahr 1712 zurückgeht. Die Hintergründe der Meitlitage sind historischer Art und gehen auf den 2. Villmergerkrieg zurück, wie die Fahrwangerin Corinne Amrein erzählt.

«Die Seetaler Frauen haben die reformierten Berner im Krieg unterstützt.» Und zwar mit Lärm: «Die Frauen haben so einen Krach gemacht, dass die Katholiken dachten, dass ein ganzes Heer auf sie wartet», so Amrein. Als Dank für ihre Hilfe haben die Frauen vom Berner Heeresführer drei eigene Tage erhalten, an denen sie über das «Mannevolch» regieren dürfen.

In den Fängen der «Meitli»: Ja, das hier ist Bundespräsident Ueli Maurer

Juni 2019: In den Fängen der «Meitli»: Ja, das hier ist Bundespräsident Ueli Maurer

Am Festumzug des Eidgenössischen Turnfests in Aarau ging Ueli Mauerer den Seetalter Meitli ins Netz – genauer gesagt: in den Grasbogen. Der Bundespräsident liess den Jux lachend über sich ergehen.

Von da an feiern die Fahrwanger und Meisterschwander Frauen jedes Jahr den Meitlidonnerstag, -samstag und -sonntag. Die Meitlitage enden immer am zweiten Sonntag im Januar. Das Brauchtum folgt einem festen Ablauf. Um 16.30 Uhr läuten die Tambourinnen auf dem Bärenplatz in Fahrwangen die Meitlitage ein. Weiter geht es um 17 Uhr in Meisterschwanden auf dem Dorfplatz. Die beiden Gemeinden teilen sich die Tambourinnen.

Wer gefangen wird, erhält eine Ehren-Plakette

Nach einem gemeinsamen Apéro erledigen die «Meitli» die jährlichen Vereinsgeschäfte, bevor es auf die offizielle Männer-Jagd geht. «In Fahrwangen besuchen wir die Pizzeria Luigi, das ‹Multipizza› und das ‹Butcher Kitchen›», sagt Amrein. Die Meisterschwanderinnen gehen derweil im «Löwen», in der «Traube», im «Speuzli» und im «Olypmpia-Stübli» auf Männerfang. Als Zeichen der «Machtübernahme» durch die Frauen wird den dort anwesenden Männern ein Glas Wein offeriert.

Anschliessend wird getanzt, es herrscht Damenwahl. «Die Frauen besprechen dann untereinander, welchen der anwesenden Männer sie einfangen wollen», so Corinne Amrein. Männer, die in den Grasbögen der «Meitli» landen, werden ins nächste Restaurant mitgetragen und können sich dort freikaufen. Kostenpunkt: Eine Runde Tranksame für die Gruppe, die den Mann eingefangen hat. Im Gegenzug gibt es eine Plakette, die ihn vor einer erneuten Festnahme schützt.

«Die Männer sind eigentlich meist sehr stolz darauf, von den Frauen gefangen worden zu sein», sagt Corinne Amrein. Die Plakette würde jeweils als Ehrenabzeichen getragen. Nach dem Männerfang wird weitergefestet und getanzt. Damit sind die Meitlitage jedoch noch nicht vorbei. Am Samstagnachmittag findet der Kinderball mit einer Konfettischlacht im Olympia-Stüb­li auf dem Dorfplatz in Meisterschwanden statt.

Ein Umzug als abschliessendes Spektakel

Am Abend schwärmen die Frauen wieder in die Restaurants aus, bei denen sie schon am Donnerstag zu Gast waren. Dort nehmen sie Begebenheiten, die das Jahr durch passiert sind, auf die Schippe.

Einige Frauen sind auch am Samstag Abend in den traditionellen schwarzen Roben anzutreffen. «An diesem Abend geht es uns unter anderem darum, unser Brauchtum zu präsentieren und zu zeigen», erklärt Amrein. Auch getanzt werde wieder, natürlich herrscht immer noch Damenwahl.

Der krönende Abschluss der Meitlitage bildet der Sonntag mit dem grossen Umzug, der nur alle vier Jahre stattfindet. Dieses Mal steht der Umzug unter dem Motto: «Olympia voll verrückt». Gestartet wird um 14.15 Uhr in Fahrwangen bei der Migros, der Umzug führt über den Bärenplatz zum Bahnhof unter hinunter nach Meisterschwanden zur ehemaligen Chäsi.

Nach dem Umzug wird ein letztes Mal die Meitlitage-Stimmung genossen, den am Abend (Fahrwangen 22 Uhr, Meisterschwanden 22.30 Uhr) wird mit dem traditionellen Eierzopfverteilen und einer Polonaise offiziell die Rückgabe der Regentschaft bekundet. Zumindest für dieses Jahr.

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