Wenn Jugendliche vor Übergriffen geschützt werden müssen oder selber den Halt verlieren, braucht es oft Sofortmassnahmen. In schweren Fällen muss ein Jugendlicher vorübergehend fremdplatziert werden. Im Kanton Aargau gibt es jedoch zu wenig Betreuungsplätze für solche Notsituationen.

Das soll sich ändern: Die Stiftung Integration für Kinder und Jugendliche (ikj) plant im Auftrag des Kantons in der Seetaler Gemeinde Egliswil ein Kompetenzzentrum für Krisen- und Notaufnahmen. Das Heim bietet Platz für 24 Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren. Hier sollen Jugendliche zwei bis sechs Monate wohnen, um wieder Halt zu finden. Danach wird entschieden, wie es weitergeht: Zurück zu den Eltern, an die Schule, in die Lehre – oder bei komplexeren Fällen in ein anderes Heim, das auf langfristige Betreuung ausgerichtet ist.

Jugendliche müssen ausserkantonal platziert werden

Die 24 Plätze in Egliswil dürften schnell belegt sein. «Leider», sagt Franz Lötscher, Geschäftsführer der privatrechtlich organisierten Stiftung ikj, die bereits mehrere dezentrale Angebote für Kinder und Jugendliche im Kanton führt. «Jugendliche geraten immer mehr in schwierige Situationen, wo schnell gehandelt werden muss», so Lötscher. «Viele dieser Jugendlichen müssen heute ausserhalb des Kantons platziert werden, weil im Aargau Plätze fehlen» Das erste kantonale Kompetenzzentrum in Egliswil sei deshalb dringend nötig.

In Egliswil sollen Jugendliche aber nicht abgeschottet werden. Das Heim ist ein offenes Zentrum. Durch klare Tagesabläufe und internen Schulunterricht sollen Jugendlichen ihren Alltagsrhythmus behalten. Ältere Jugendliche, die nicht mehr schulpflichtig sind, helfen im Hausdienst mit. «Wir wollen keine künstlichen Arbeitsplätze, um die Jugendlichen zu beschäftigen», erklärt Franz Lötscher das Konzept. Die Jugendlichen würden bei den Arbeiten begleitet.

Zudem stehe rund um die Uhr ein Betreuerteam zur Verfügung. Diese Mitarbeiter zu finden, dürfte jedoch schwierig werden. «Wir haben jetzt schon Mühe, Personal zu finden, das bereit ist unregelmässig zu arbeiten.» Zudem seien die Löhne im Aargau tiefer als zum Beispiel im Kanton Zürich.

Verzögerung von zwei Jahren

Wann die ersten Jugendlichen ihr Zimmer in Egliswil beziehen werden, ist noch unklar. Derzeit läuft der Architekturwettbewerb für das Heim auf dem früheren Areal der Firma Traitafina, die 2009 abgebrannt war. Eigentlich hätte der Wettbewerb vor zwei Jahren starten sollen. Die Stiftung ikj als Bauherrin und der Kanton als Geldgeber mussten sich aber noch über Details einigen. «Ein Projekt dieser Grösse braucht Zeit und die finanziellen Ressourcen beim Kanton sind beschränkt», so Franz Lötscher.

Doch nun gehe es vorwärts: Ende Jahr soll das Siegerprojekt feststehen. Dann beginnen Planung und Bewilligungsverfahren. Baustart ist voraussichtlich 2016. Für die Realisierung investiert die Stiftung 17 Millionen Franken, inklusive Kaufpreis für das Land sowie das Inventar.