Mancher mag sich am Samstagabend im Cholechäller Niederlenz gefragt haben: Kunst? Klamauk? Oder beides?

Klamauk verblüfft, aber nur im Moment, Kunst dagegen unterhält – und zwar gut. Und die drei professionellen Luzerner Schauspieler Monika Männi, Reto Bernhard und Randulf Lindt, musikalisch unterstützt von Ruedi Beck am Keyboard, beherrschen die Kunst der Unterhaltung. Und dies mit Niveau. Nie glitt ihr Spiel ins Schlüpfrige ab.

Auch wenn vom Publikum aufgeworfene Vorschläge wie «Unterhosen» Gelegenheit für billige Lacheffekte geboten hätten.

«Amüsanter» Erbschaftsstreit

Die Schauspieler zählen zu Improhil, dem ersten offiziellen Schweizer Theatersport-Nationalteam. Dieses präsentiert Theater, das aus dem Moment und unter interaktiver, freiwilliger Teilnahme des Publikums entsteht. Ganz besonders amüsant war eine vom Publikum gewünschte Szene zum Thema Erbschaftsstreit. Eine Dame aus dem Publikum wurde als Mitspielerin auf die Bühne gebeten. Sie mimte die Testamentsvollstreckerin, Randulf Lindt den Sohn des Verblichenen, Monika Männi dessen Schwiegertochter. Allerdings stumm, nur mit Mimik und Gestik. Den Text zur Szene sprach im dunklen Hintergrund Reto Bernhard, parodierte nebenbei auch die komplizierten Erbgesetze.

Mut wurde belohnt

Erstaunlich, wie man als Zuschauer Stimme und Person (beide getrennt) als einheitlich empfand, selbst bei der Laien-Schauspielerin. Die Kulturkommission Pro 5702 hatte den Mut, als absolute Neuheit in der Region Improvisationstheater anzubieten. Der Cholechäller eignet sich ideal dazu, weil er engen Kontakt zum Publikum ermöglicht.

Die junge Theaterform entstand im englischen Sprachraum um 1955 und kam über Deutschland zu uns. Sie bezieht das Publikum ein. Die Schauspieler spielen eine oder mehrere zuvor nicht einstudierte Szenen. Dazu lassen sie sich ein Thema aus dem Publikum geben. Während der Szene kann es, wie bei einer Stafette, zu einem abrupten Wechsel der Schauspieler kommen. Ein Spieler spielt das gegebene Thema an. Ein zweiter übernimmt, der dritte führt es nach seinem Gusto fort. Es geht um ein eigentliches Team-Play. Häufig wird es durch einen ebenfalls improvisierenden Musiker begleitet.

Auch ohne Kulisse spanend

Zwei weitere Zuschauer «formten» auf der Bühne zwei Schauspieler zu «beweglichen Skulpturen», zu bestimmten Körperhaltungen. Zu diesen Haltungen erfanden die Schauspieler sofort passende Szenen.

Das Improvisationstheater unterhält mit Wortwitz, Pantomime, Reim- und Singkunst, spontan, publikumsbeeinflusst, einmalig. Auf der Bühne gab es nicht die Spur einer Kulisse – und trotzdem wurde das Publikum im voll besetzten Cholechäller einen Abend lang in Bann gehalten.