Zwei Stunden bevor der Dirigent Konrad Jenny den Taktstock erhebt und im Orchestergraben die Ouvertüre zur Aufführung von «Eine Nacht in Venedig» erklingen lässt, beginnt das Leben hinter und unter der Bühne im Beinwiler Löwensaal.

Brigitta Neuenschwander, «die Wirtin» der Theaterkellerbar ist eine der ersten, die eintrifft und ihre Arbeit aufnimmt. Getränke müssen gerichtet werden und ebenso die Zwischenverpflegung für die Mitwirkenden.

An diesem Abend gibt’s Wurst- oder Käsesalat. Die jungen Solisten hätten einen guten Appetit, weiss sie zu erzählen. In Beinwil gehört es dazu, dass alle Mitwirkenden verpflegt werden. Und das sind nicht wenige. «130 Personen stehen an den Abenden, wo gespielt wird im Einsatz», sagt Hans-Ruedi Bürgi, der Präsident der Theatergesellschaft Beinwil am See.

Sechs Leute vom Verkehrsdienst sorgen für geordnetes Parkieren, verhindern ein Chaos. Dann ist die Vorverkaufsstelle täglich ab 16 Uhr besetzt. Im Foyer machen die Helferinnen und Helfer die Bar und die Garderobe bereit, während im Restaurant nebenan bereits gekocht wird, denn ab 17 Uhr werden dort Nachtessen für Theaterbesucher serviert. Die Mitglieder der Saalmannschaft kontrollieren die Sitzplätze und stehen dann bereit, die eintreffenden Gäste zu empfangen.

Feuchte Wände und Böden

Zwei Stunden vor Beginn sind auch die vier Maskenbildnerinnen an ihren Plätzen und verwandeln die nacheinander eintreffenden Solistinnen und Solisten in Menschen aus Venedig. Da wird aus Thomas Leu unter geschickten Händen der Makkaronikoch Pappacoda. Der Tenor Daniel Zihlmann wird zum adeligen Herzog von Urbino geschminkt und die Sopranistin Ulla Westvik verwandelt sich für den ersten Akt in das Fischermädchen Annina.

Hinter den Kulissen: Thomas Leu verwandelt sich in «Pappacoda»

Hinter den Kulissen: Thomas Leu verwandelt sich in «Pappacoda»

Nach und nach treffen die Chormitglieder ein, auch sie werden geschminkt, wenn sie es nicht gleich selber erledigen. Die Strassenkleider verschwinden in den Garderoben, sie machen edlen Roben und hochgesteckten Perücken Platz. Bald ist es Zeit für das Orchester. Die Musiker treffen ein, stimmen ihre Instrumente, während dem sich der Chor in einem Kellerraum einsingt. Die Spannung und die Vorfreude steigen an, eine gute Stimmung liegt im Raum.

Auf der Bühne hat indessen der Venezianer Alfred Dahler mit einer Sprühflasche für etwas Feuchtigkeit an den Wänden und am Boden gesorgt. Zu trockene Luft ist schlecht für die Singstimmen. Bühnenmeister Edi Rohr überprüft nochmals alle Seilzüge und die Funktion der elektrisch betriebenen Drehbühne. Dies übrigens eine Novität in Beinwil am See.

Wenige erhalten Gage

Der Uhrzeiger rückt auf 19.30 Uhr zu. Der Saal füllt sich, angeregte Unterhaltungen sind zu hören, während dem im Foyer die letzten Cüpli geleert werden. Ganz hinten, auf dem Balkon hat der Beleuchter in seiner Kabine Platz genommen. Auf den beiden Seitenbühnen wird es jetzt eng, zwischen Wänden und Gestellen mit den bereit stehenden Requisiten stellt sich der Chor auf, bereit für den ersten Auftritt.

Das Ganze sei ein fein aufeinander abgestimmtes Räderwerk sagt Bürgi. Alle Beteiligten hätten genaue Aufgaben zu lösen. «Und die meisten leisten diese Arbeit unentgeltlich». Verpflichtet und bezahlt mit einer Gage seien nur die Solistinnen und Solisten, die Orchestermusiker, sowie Regie und musikalische Leitung, erklärt Bürgi. Der Aufwand für eine Produktion ist gross, das Budget beträgt rund 600 000 Franken.

Die freiwillig Mitwirkenden, so Bürgi, erhalten als Entgelt jeweils eine Verpflegung und drei Mal ein Nachtessen nach der Vorstellung. Und dann steht noch eine mehrtägige Theaterreise in Aussicht.

Bürgi und mit ihm der Vorstand der Theatergesellschaft sind nach den ersten zehn Aufführungen zufrieden. «Wir erhalten viele positive Rückmeldungen von Besucherinnen und Besuchern», sagt Bürgi. «Und wir haben heute eine Auslastung von 66 Prozent erreicht. Die als ideales Ziel gesteckten 70 Prozent werden wir erreichen». Als besonders erfreulich wertet Bürgi, dass gegen 500 Kartenbestellungen von neuen Gästen eingingen. «Wir verlieren zwar ältere Besucher, aber wir dürfen uns über neue freuen.» Das stimme ihn für die Zukunft positiv.

Die Nacht in Venedig wird in Beinwil am See noch bis am 5. März gespielt. Und nach der Derniere gilt auch hier: «Nach der Operette ist vor der Operette». Rund 18 Monate Vorlaufzeit sind nötig, bis es wieder heisst: «Im Beinwiler Löwensaal feiert eine Operette Premiere.»