Pandemie

«Jeden Tag kommt die Polizei und kontrolliert» – Aargauer in Quarantäne auf Sri Lanka

Vaguleyan Kanesalingiam (rechts) mit seinem Vater.

Vaguleyan Kanesalingiam (rechts) mit seinem Vater.

Der Aargauer Vaguleyan Kanesalingiam erzählt, wie ihn die Corona-Pandemie auf Familienbesuch in Sri Lanka trifft.

Traumhaft heisses Wetter von rund 30 Grad, Sonnenschein und blauer Himmel. Und in der Nähe das Meer des Indischen Ozeans. Zweifellos ein Ferienwunsch von vielen. All dies hätte zurzeit der Aargauer Vagu­leyan Kanesalingiam eigentlich praktisch direkt vor der Haustüre. Doch der 22-jährige Chemie- und Pharmatechnologe, der in Möriken wohnt und in Wohlen aufgewachsen ist, kann dies nicht mehr geniessen. Er steckt wegen der Corona-Virus-Pandemie in einer vom Staat Sri Lanka verordneten Selbstquarantäne.

Der junge Aargauer besucht zurzeit dort seinen Vater, der seit der Pension jedes Jahr längere Zeit in seiner Heimat verbringt und ein Häuschen besitzt. Vaguleyan reiste am 8. März nach Sri Lanka, als die Restriktionen noch nicht so rigoros waren. Er sagt: «Mein Vater wohnt in Jaffna, in einem kleinen Dorf ganz im Norden, das sehr ländlich geprägt ist und sich rund zwei Kilometer vom Meer entfernt befindet. Die ersten Tage konnte ich mich wie geplant etwas in Jaffna umschauen. Ich konnte das Haus verlassen, wie ich wollte.» Er habe Verwandte besucht oder umgekehrt, verbrachte den Tag mit Schwimmen oder mit Fischen auf einem kleinen Boot.

Wer nach dem 1. März kam, muss in Selbstquarantäne

Doch dann drehte der Wind schlagartig und Vaguleyan direkt ins Gesicht. Sein Vater erklärte ihm, dass in den Nachrichten die Meldung kam, dass alle, die nach dem 1. März eingereist seien, in Selbstquarantäne müssten.

«Am Anfang dachte ich, dass das ein Witz ist. Da ich vorher vier oder fünf Tage durchs Land reisen durfte und jetzt einfach Zuhause bleiben muss. Doch schon am nächsten Tag kam jemand von der Gemeinde vorbei und wollte wissen, wann ich gekommen bin, von wo und wie lange ich bleibe», berichtet der Aargauer aus Jaffna. Ihm wurde die Selbstquarantäne auferlegt. Mit Konsequenzen, falls diese nicht befolgt wird. Vaguleyan sagt: «Jetzt kommt jeden Tag die Polizei vorbei und kon­trolliert, ob ich auch wirklich Zuhause bin.» Eine unangenehme Situation. Die Corona-Virus-­Pandemie ist bisher – nach offiziellen Zahlen – in Sri Lanka aber noch nicht grassierend. Bestätigt waren bis Donnerstag erst 42 Fälle.

So schnell wie möglich nach Hause reisen

Vaguleyan Kanesalingiam hat das EDA per Mail kontaktiert, ob er wie eigentlich geplant erst am 29. März zurückkommen soll oder früher. Momentan würde sein Flug offiziell noch stattfinden. Dennoch hat er aus verständlichen Gründen keine Lust noch länger als nötig in Sri Lanka zu bleiben. «Die Polizei hat mir am Donnerstag bestätigt, dass ich früher das Land ver­lassen darf. Ich soll sie einfach kontaktieren, wenn ich gehen will. Jetzt schaue ich, dass ich so schnell wie möglich in die Schweiz kommen kann, nicht, dass ich hier fest sitze. Ich habe versucht, meine Reiseversicherung zu kontaktieren, doch von der habe ich noch keine Antwort erhalten», sagt er.

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