Zum ersten Advent wählte der Musikverein Lenzburg die erste Kantate BWV 248/1 des Bachschen Weihnachtsoratoriums. Dieses sehr häufig aufgeführte Werk wird durch den überaus effektvollen, gross angelegten Eingangschor geprägt, ein Spitzenwerk der Musikliteratur. Obwohl Bach den Eingangschor und die Arien weltlichen Bach-Kantaten entnahm, eigneten sie sich in ihrem festlichen Duktus perfekt zur Darstellung der adventlichen Erwartung, beziehungsweise der Freude über die Geburt Christi – gleichzeitig sorgte Bach mit diesen «Parodien» dafür, dass seine von ihm ausgewählten Werke stets wieder aufgeführt wurden.

Phasenweise sportliches Tempo

Der grosse, von Beat Wälti einfühlsam geleitete musikalische Apparat überraschte mit der breiten Palette von Affekten – vom majestätischen, glanzvollen Eingangschor, den virtuosen Arien, den schlichten Rezitativen bis zu den verinnerlichten Chorälen. Beat Wältis intensive Schulung des sprachlichen Ausdrucks, der Plastizität der Motive, der Lebendigkeit des Orchesters – sowohl der Streicher- wie auch der Bläsergruppen inklusive des brillanten Trompetentrios legten die Grundlage für das engagierte, intensive und lustvolle Musizieren, das auch den phasenweise «sportlichen» Tempi des Dirigenten gerecht wurde. Bestens fügten sich auch die Solostimmen ein in die das Werk durchziehenden Gegensatzpaare: Jesus als König, aber auch als Kind in der Krippe – sowie ins Gefüge von äusserem Glanz und Innerlichkeit, von Fröhlichkeit und Stillewerden, von Erwartung und Erfüllung: René Koch als stimmkräftiger Bass, Barbara Hensinger als empfindsamer Alt und Walter Siegel als perfekter Evangelist.

Schliesslich sei das überaus aufmerksame Publikum in der sehr gut besuchten Stadtkirche erwähnt, das für die starke Leistung der Ausführenden mit lang anhaltendem Beifall dankte.